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Interview: Die richtigen Laufschuhe

Laufschuhtrend

Stand: 22. April 2010Autor: Onmeda-Redaktion

"Der Trend geht zu sogenannten Barfußschuhen."

Onmeda: Zeichnen sich derzeit neue Laufschuh-Trends ab?

Dr. Potthast: Ja, zusätzlich zu den herkömmlichen Laufschuhen zeichnet sich der Trend zu sogenannten Barfußschuhen ab. Geht man beispielsweise drei Mal pro Woche laufen, kann man eine Trainingseinheit mit einem solchen barfußähnlichen Schuh durchführen. Barfußschuhe trainieren den Fuß und zusätzlich die natürliche Stütz- und Laufbewegung des Körpers.

Onmeda: Was genau ist ein Barfußschuh?

Dr. Potthast: Der herkömmliche Laufschuh schränkt die Bewegungsmöglichkeiten des Fußes ein. Einige Hersteller haben deswegen einen sogenannten Barfußschuh eingeführt, dessen fußähnlich geformte Sohle aus vielen Einzelsegmenten besteht. Das Obermaterial ist zudem weich und elastisch. Der Barfußschuh ermöglicht eine Abrollbewegung, die der natürlichen Abrollbewegung beim Barfußlaufen sehr ähnlich ist. Hintergrund für die Entwicklung dieses Schuhs waren Erkenntnisse von Leichtathletik-Trainern, die feststellten, dass sich ihre Athleten weniger verletzten und bessere Leistungen brachten, wenn sie barfuß trainiert haben. Wir haben diese Erkenntnisse durch eine große Studie bestätigt, bei der wir feststellten, dass die Gruppe, die einen solchen barfußähnlichen Schuh trägt, deutlich stärkere, kräftigere Füße hat und bestimmte Bewegungen besser ausüben konnte – und sich in der Folgezeit sogar seltener verletzt hat.

Onmeda: Wird sich der Barfußschuh in Zukunft durchsetzen?

Dr. Potthast: Ja, meiner Meinung nach ganz eindeutig. Der Trend zu einer natürlicheren Laufbewegung zeichnet sich seit circa fünf Jahren ab. Einige Hersteller zeigen starkes Interesse und lenken auch ihre Laufschuh-Entwicklungen in diese Richtung. Zusätzlich nutzen die Laufschuh-Hersteller vermehrt sogenannte intelligente Materialien in ihren Laufschuhen, wobei die Bezeichnung "intelligent" etwas missverständlich ist. Ich würde diese Materialien eher als adaptive, also sich anpassende, Materialien bezeichnen. Der Schuh passt sich individuell an Laufstil und Laufbewegung des Joggers an. Diese Materialien sollen der Bewegung des Fußes besser folgen als herkömmliche Materialien.

Onmeda: Schützt ein Barfußschuh vor Verletzungen beim Auftreten auf Steine oder Wurzeln?

Dr. Potthast: Der Schutz vor Verletzungen durch vereinzelte Steine, Wurzeln oder andere Unebenheiten war einer der Gründe, einen solchen Barfußschuh zu entwickeln. Er bietet den notwendigen Schutz, den man beim Barfußlaufen nicht hätte und erlaubt dennoch ein Laufen im Barfußstil. Natürlich sind die genannten Schutzfunktionen nicht ganz so ausgeprägt wie bei einem herkömmlichen Laufschuh. Man sollte mit einem Barfußschuh zum Beispiel nicht unbedingt über eine Kieselstein-Strecke laufen.

Onmeda: Gibt es weitere Argumente, die für einen Barfußschuh sprechen?

Dr. Potthast: Der Barfußschuh verringert das Risiko von Verletzungen durch Umknicken. Denn ein herkömmlicher Laufschuh hat im Gegensatz zum Barfußschuh eine ebene Sohle. Tritt man beim Laufen mit einem herkömmlichen Laufschuh beispielsweise versehentlich auf eine Bordsteinkante, dann knickt der ganze Schuh und mit ihm der Fuß um, wobei der Schuh die eigentliche Ursache für das Umknicken ist. Wenn einem das barfuß oder mit einem Barfußschuh passiert, dann umgreift der Fuß die Bordsteinkante stärker und rutscht ab ohne umzuknicken.

Onmeda: Was kostet ein solcher Barfußschuh?

Dr. Potthast: Ein Barfußschuh kostet um die 100 Euro. Auslaufmodelle sind wie bei jedem Laufschuh etwas günstiger.

Onmeda: Unabhängig von der Wahl des richtigen Laufschuhs haben Sie gesagt, dass Probleme und Verletzungen beim Laufen oft durch die falsche Lauftechnik entstehen. Haben Sie praktische Tipps für einen Laufanfänger, wie er solche Probleme vermeiden kann?

Dr. Potthast: Man sollte langsam mit dem Laufen anfangen, also nicht gleich 20 Kilometer in der ersten Einheit zurücklegen. Denn Laufanfänger sind in der Regel etwas schwerer und ihre Muskeln sind schwächer ausgebildet. Ein sanfter Einstieg schont Gelenke und Kreislauf. Darüber hinaus ist das gezielte Trainieren von bestimmten Muskelgruppen insbesondere für Laufanfänger sinnvoll. Hier sollten weniger die Beinmuskeln, sondern eher die Rumpfmuskeln, also Bauch- und Rückenmuskulatur, und die Hüftmuskeln trainiert werden. Es gibt eine ganze Reihe von Kräftigungsübungen für Hüftmuskeln, aber auch für die gesamte Körperstatik und die richtige Körperspannung. Koordinationsübungen aus dem sogenannten Lauf-ABC tragen dazu bei, die Laufbewegung grundsätzlich zu verbessern. Ratsam ist es, solche Übungen immer wieder durchzuführen. In Kombination mit dem richtigen Maß im Hinblick auf Laufstrecke und Laufgeschwindigkeit und dem passenden Laufschuh steht dem dauerhaften Laufvergnügen nichts mehr im Weg.

Herr Dr. Potthast, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Das Interview führten Thomas Kresser und Dirk Eichenlaub

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