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Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion
Jede zweite Schwangere hat mit Übelkeit in der Schwangerschaft zu kämpfen, nicht selten gefolgt von Erbrechen. Die Übelkeit tritt im Schnitt um die 5. Schwangerschaftswoche herum auf, nimmt bis zur 9. Woche zu und verschwindet dann bis zur 16. Woche wieder. Selten leiden Schwangere über die gesamte Schwangerschaft an Übelkeit und Erbrechen, noch seltener in einem Ausmaß, dass behandelt werden muss.
Die Übelkeit in der Schwangerschaft wird auch fälschlicherweise (aber häufig) als Morgenübelkeit bezeichnet. Tatsächlich tritt sie bei vielen betroffenen Schwangeren oft morgens auf – das muss aber nicht so sein. Die typische Übelkeit in der Schwangerschaft (auch: Emesis gravidarum) beschränkt sich auf das erste Schwangerschaftsdrittel, kann sich aber zu jeder Tageszeit äußern. In den meisten Fällen fühlt sich die Schwangere bis auf den Moment der Übelkeit oder des Erbrechens nicht krank – ihr ist also nicht den ganzen Tag lang übel, sondern nur zu festen Zeiten, die sich (fast) täglich wiederholen, meist aber nicht lange anhalten.
Schwangerschaftsbeschwerden: FAQ
Während der Schwangerschaft haben viele werden Mütter mit Beschwerden wie Sodbrennen, Verstopfung oder Übelkeit zu kämpfen. Unsere Forenexpertin Annette Mittmann beantwortet für Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema "Beschwerden in der Schwangerschaft"!
Ursache für die Übelkeit in der Schwangerschaft scheinen hormonelle Anpassungsstörungen zu sein. Im ersten Trimester tut sich unglaublich viel im Körper der Schwangeren, damit die befruchtete Eizelle sich einnisten kann und anschließend der Embryo ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Viele Hormone, die im Körper der Frau vorkommen, ändern jetzt ihre Konzentration, das Hormon HCG (humanes Choriongonadotropin) ist sogar nur während der Schwangerschaft vorhanden. Auf diese Veränderungen muss sich der Körper erst einmal einstellen – und reagiert mit verschiedenen typischen Schwangerschaftsbeschwerden, zum Beispiel Übelkeit und Erbrechen.
Neben den Hormonen werden auch andere Ursachen für die Übelkeit in der Schwangerschaft diskutiert, beispielsweise bestimmte Mangelerscheinungen aufgrund falscher Ernährung. Psychische Belastungen, beispielsweise aufgrund von Stress, können die Übelkeit in der Schwangerschaft noch verstärken.
Nur selten haben Frauen während der gesamten Schwangerschaft mit Übelkeit und Erbrechen zu kämpfen oder leiden unter besonders schwerer, anhaltender Übelkeit mit Erbrechen. Solche Fälle können Ausmaße annehmen, die behandelt werden müssen (Hyperemesis gravidarum). Die Schwangere muss dann über die Zeit, die die außerordentliche Übelkeit anhält, im Krankenhaus stationär aufgenommen und wenn nötig über einen Tropf mit Flüssigkeit und Nährstoffen versorgt werden.
Gerade zu Beginn einer Schwangerschaft, also im ersten Trimester, kommt es zu großen Schwankungen im Hormonspiegel der werdenden Mutter. Besonders die Konzentration des Hormons HCG (humanes Choriongonadotropin) steigt von der Befruchtung an stetig an, fällt dann aber um die 9. SSW langsam wieder ab, bis es sich zwischen der 12. SSW bis 16. SSW auf eine einigermaßen konstante Menge eingestellt hat. HCG beeinflusst unter anderem den Verdauungstrakt sowie den Geruchs- und Geschmackssinn.
In dieser Zeit kann es darum zu Übelkeit und Erbrechen kommen, der typischen "Morgenübelkeit" – die allerdings ihren Namen nicht verdient hat, da sie über den gesamten Tag auftreten kann. Dass viele Schwangere besonders morgens mit Übelkeit zu kämpfen haben, kann daran liegen, dass der Magen nach der Nacht leer und der Blutzuckerspiegel daher besonders niedrig ist. Gemeinsam mit den Hormonschwankungen der ersten Schwangerschaftsmonate kann das zu morgendlicher Übelkeit führen.
Wenn die Übelkeit zu anderen Tageszeiten auftritt, kann auch das an den Hormonschwankungen liegen. Die Übelkeit kann durch Stress und Überlastung verstärkt oder auch erst ausgelöst werden. Auch Blutzuckerschwankungen über den Tag können eine Übelkeit in der Schwangerschaft begünstigen, ebenso wie ein Vitamin-B- oder Zinkmangel. Eine gesunde Ernährung ist daher in der Schwangerschaft besonders wichtig.
Außerdem können bestimmte Gerüche, aber auch der Verzehr bestimmter Lebensmittel, die bisher kein Problem darstellten, die Übelkeit plötzlich auslösen. Häufige Auslöser sind der Geruch von Kaffee oder Zigarettenrauch oder der Verzehr von Brot, aber auch bestimmte Duftöle oder Parfüms. Schon der Gedanke daran löst in einigen Fällen die Übelkeit aus.
Frauen, die Zwillinge erwarten, haben oft mit stärkerer Übelkeit zu tun als Frauen, die nur ein Kind bekommen.
Die typische Übelkeit in der Schwangerschaft (Emesis gravidarum) muss nicht mit Medikamenten behandelt werden. Ist sie zu belastend für die werdende Mutter, gibt es in Absprache mit dem Frauenarzt aber Medikamente, die auch für das Baby unbedenklich sind.
Allerdings können Schwangere selbst einiges tun, um die Übelkeit der ersten Monate in den Griff zu bekommen oder ihr in gewissem Rahmen vorzubeugen:
Meistens verläuft die Übelkeit in der Schwangerschaft harmlos, belastet die Schwangere nicht übermäßig und klingt spätestens zur 16. Schwangerschaftswoche ab. Müssen Sie sich aber fortwährend und stark übergeben, wird Ihnen häufiger schwindelig und haben Sie einen trockenen Mund und trockene Lippen, sollten Sie mit Ihrem Frauenarzt sprechen.
Solch ein übermäßiges Erbrechen in der Schwangerschaft (Hyperemesis gravidarum) muss mit Medikamenten behandelt werden. In der Regel wird die Schwangere in einem solchen Fall im Krankenhaus stationär aufgenommen, bis die Phase der extremen Übelkeit und des Erbrechens vorbei ist. In dieser Zeit bekommt sie Infusionen, um dem Körper Flüssigkeit und Elektrolyte zuzuführen, die er durch das Erbrechen schnell verliert. Gegen die Übelkeit werden sogenannte Antiemetika verabreicht. Wenn nötig bekommt die Schwangere Mittel zur Beruhigung (Sedativa), da ein solcher Ausnahmezustand gerade in der Schwangerschaft eine große psychische Belastung darstellen kann. Sind psychosomatische Probleme Ursache für die Übelkeit und das Erbrechen in der Schwangerschaft, kann eine begleitende Psychotherapie hilfreich sein.
Unbehandelt kann übermäßiges Erbrechen in der Schwangerschaft aufgrund des Flüssigkeits-, Elektrolyt- und Nährstoffverlusts mit der Zeit zu einem Mangel an Magnesium, Zink, Folsäure und Vitamin B sowie zu einem Flüssigkeitsmangel (Dehydratation) und Gewichtsverlust führen. Und damit in einen Kreislauf, in dem sich die Übelkeit immer weiter verstärkt.
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Schneider, H., Husslein, P., Schneider, K. T. M.: Die Geburtshilfe. Springer, Berlin-Heidelberg 2011
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Stand: 26. Juli 2011
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