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Interview zum Thema Brustvergrößerung

Silikonkissen

Stand: 8. April 2010Autor: Onmeda-Redaktion

"Silikonkissen gelten als Standard"

Onmeda: Wo setzen Sie bevorzugt den Schnitt bei der Brustvergrößerung?

Dr. Lüerßen: Für mich ist wichtig, dass ich sehe, was ich tue. Daher operiere ich nicht über einen Schnitt in der Achselhöhle. Bei dieser Technik kann der Operateur eigentlich nur "blind" operieren. Außerdem muss er das Gewebe förmlich auseinanderreißen, um das Implantat einsetzen zu können. Ich gehe lieber schonend vor, indem ich das Gewebe vorsichtig auseinander dränge oder, wenn nötig, einen glatten Schnitt setze, den ich gut versorgen kann. Bei dieser Art des Operierens blutet es weniger und ich kann Komplikationen weitgehend vermeiden.

Onmeda: Wir würden gerne auf das Material der Brustimplantate zu sprechen kommen. Verwenden Sie mit Silikongel gefüllte Implantate?

Dr. Lüerßen: Ja, ausschließlich. In Deutschland gibt es nur wenige Chirurgen, die Implantate verwenden, die mit Kochsalzlösung gefüllt sind.

Onmeda: Gilt das nur für Deutschland?

Frau mit BH misst ihre Oberweite
In Deutschland verwenden Chirurgen fast nur Silikonimplantate.

Dr. Lüerßen: In den USA wurden lange Zeit nur mit Kochsalzlösung gefüllt Implantate verwendet, da dort Anfang der 1990er Jahre Silikonkissen verboten worden sind. Damals hatte eine Frau gegen die Hersteller von Silikonimplantaten geklagt. Diese konnten nicht widerlegen, dass ihre Produkte eventuell Erkrankungen des Bindegewebes auslösen. Erstaunlicherweise werden in den USA bei rekonstruktiven Brustvergrößerungen, also etwa nach einer Brustentfernung bei Brustkrebs, nach wie vor Silikonkissen verwendet. Für ästhetische Operationen waren sie dagegen lange Zeit nicht zugelassen.

Onmeda: Weiß man denn inzwischen, ob Silikonimplantate andere Erkrankungen auslösen können?

Dr. Lüerßen: Eine ganze Reihe von Studien in Europa konnte klar zeigen, dass mit Silikongel gefüllte Implantate keine Bindegewebs- oder sonstigen Erkrankungen auslösen. In Europa verfügen wir über ein breites Wissen und viel Erfahrung mit Silikonimplantaten.

Onmeda: Seit wann benutzen Sie Silikonimplantate?

Dr. Lüerßen: Seit 20 Jahren.

Onmeda: Hat sich in dieser Zeit etwas verändert? Etwa was die Haltbarkeit der Implantate betrifft?

Dr. Lüerßen: Das Silikon, das wir heute verwenden, nennt sich kohäsives Silikon. Es kann nicht auslaufen, da es etwa die Konsistenz eines Wackelpuddings hat. Früher waren die Implantate mit flüssigem Silikon gefüllt. Dieses Silikon konnte durch die Wand des Implantats treten und dann ins Gewebe austreten. Aber selbst das stellte nur sehr selten ein Problem dar. Denn der Körper erkennt jedes Brustimplantat als Fremdkörper und überzieht es mit einer Hülle aus Bindegewebe. Es liegt also ein geschlossenes System vor, aus dem selbst flüssiges Silikon nicht einfach austreten kann. Hinzu kommt, dass die Hüllen der Implantate heute technisch besser aufgearbeitet werden. Ich bin der Meinung, dass ein Implantat die Form beibehält, selbst wenn die Hülle defekt ist.

Onmeda: Ist es richtig, dass es nicht unbedingt nötig ist, ein Implantat irgendwann auszutauschen?

Dr. Lüerßen: Ja. Dank der Kapsel aus Bindegewebe, die das Implantat umgibt, kann das Implantat sehr lange in der Brust bleiben. Das können 10, 20, 30 oder 40 Jahre sein, wenn keine Komplikationen auftreten.

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