Interview zum Thema Brustvergrößerung

Narben

Stand: 8. April 2010Autor: Onmeda-Redaktion

"Narbenkorrekturen sind selten nötig"

Onmeda: Bei den Kontrollen kommt doch sicher immer wieder die Frage nach den Narben auf. Welche Rolle spielt dieser Aspekt für die Frauen?

Dr. Lüerßen: Nun, natürlich sprechen viele Frauen das Thema Narben an. Schließlich ist auch das eine ästhetische Frage. Meiner Meinung nach ist die Narbe, die der Schnitt in der Achsel hinterlässt, am häufigsten zu sehen. Dies hat einen einfachen Grund: Frauen tragen im Sommer manchmal Kleidung, die den Blick auf die rasierte Achselhöhle freigibt, etwa wenn sie den Arm heben, um sich am Kopf zu kratzen.

Onmeda: Und die anderen Schnitte?

Dr. Lüerßen: Der Schnitt im Bereich des Brustwarzenhofs hinterlässt meist sehr feine Narben in Form dünner weißer Linien. Sie sind normalerweise kaum zu sehen. Es gibt eine Möglichkeit, sie optisch fast vollständig verschwinden zu lassen: eine Tätowierung mit Permanent-Make-up. Den Schnitt in der Unterbrustfalte sieht man dagegen etwas deutlicher. Wenn er gut verheilt und gut platziert ist, also genau in der Falte liegt, tritt er nur in Erscheinung, wenn die Frau keinen BH trägt und die Arme hoch hebt oder auf dem Rücken liegt.

Onmeda: Wer korrigiert denn die Narbe, wenn sie mal nicht so gut verheilt und wulstig wird?

Dr. Lüerßen: Falls möglich der ursprüngliche Operateur. Er behandelt die Narben übrigens nach der Brustvergrößerung vorbeugend mit Narbensalben oder mit Silikonpflastern.

Onmeda: Wie oft kommt es vor, dass eine Korrektur der Narben nötig wird?

Dr. Lüerßen: Das ist bei Brustvergrößerungen relativ selten geworden.

Onmeda: Viele Frauen interessiert neben der ästhetischen Komponente auch, ob eine Brustvergrößerung sie in irgendeiner Hinsicht einschränkt.

Dr. Lüerßen: Im Prinzip schränkt der Eingriff das tägliche Leben nicht ein. Für manche Berufe eignet sich die eine Methode besser als die andere. Bei einer professionellen Tennisspielerin oder einer Bodybuilderin etwa sollte das Implantat zum Beispiel nicht unter dem Brustmuskel liegen, da der Chirurg bei dieser Methode den Muskel zum Teil ablösen muss und ihn dadurch automatisch etwas schwächt. Für solche Berufe oder Hobbys eignet sich die Lage des Implantats auf dem Brustmuskel besser, auch wenn es dort vielleicht besser sichtbar ist.

Onmeda: All dies setzt eine gute Beratung durch den Arzt voraus. Auf welche Aspekte muss eine Frau, die eine Brustvergrößerung wünscht, bei der Arztwahl achten?

Dr. Lüerßen: Ich denke, es sollte ein Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie sein, der möglichst auch in den Fachgesellschaften vertreten ist. Diese Ärzte verfügen eigentlich über die meiste Erfahrung und die Frau kann sicher sein, dass ihr Arzt eine vernünftige Ausbildung genossen hat.

"Eine Brustvergrößerung im Ausland bringt Risiken mit sich"

Onmeda: Spielt es ebenso eine Rolle, wo der Arzt sein Handwerk gelernt hat?

Dr. Lüerßen: Das kann ich nicht beurteilen. Es wäre Unsinn, zu sagen, dass Kollegen im Ausland nicht operieren könnten oder schlechter ausgebildet wären. Manchmal ist die Ausstattung der Kliniken nicht auf dem modernsten Stand, weil die Inhaber nicht so viel investieren können. Allerdings gehören sicher einige der hier werbenden Kliniken Westeuropäern, die ausreichend Geld für die Technik aufbringen. In jedem Fall nimmt der Medizintourismus zu. In Ländern wie Tschechien, Ungarn oder Polen sind Operationen wie eine Brustvergrößerung sehr günstig. Den dortigen Preis können wir in Deutschland nicht anbieten. Doch der Preis ist nicht alles: Eine Brustvergrößerung im Ausland bringt gewisse Risiken mit sich.

Onmeda: Wo sehen Sie das Hauptproblem?

Dr. Lüerßen: Bei einer Operation kann immer etwas passieren. Wenn man dann weit von zuhause entfernt ist, kann das durchaus kritisch sein, da die medizinische Versorgung nicht überall gleich gut ist. Ebenfalls problematisch: Wenn bei einer Frau nach einer Brustvergrößerung ein Folgeschaden auftritt und sie in Deutschland einen Arzt aufsucht, muss sie viel Geld für einen nachträglichen Eingriff investieren. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Es ist sehr schwer, als zweiter Operateur das Ergebnis des ersten Eingriffs zu verbessern. Außerdem droht nach dem Eingriff die Gefahr, dass der zweite Operateur für das Ergebnis verantwortlich gemacht wird. Das kann seinem Ruf schaden, daher nimmt er im Sinne einer "Entschädigung" ein höheres Honorar.

Onmeda: Wie lautet Ihr Fazit, was Operationen im Ausland betrifft?

Dr. Lüerßen: Wenn alles gut geht, können Frauen im Ausland eine Menge Geld sparen, sobald ein Problem auftritt, wird es teurer und mitunter gefährlicher.

Onmeda: Wie groß sind denn die Kostenunterschiede ungefähr?

Dr. Lüerßen: In der Tschechei wird eine Brustvergrößerung etwa 2.500 Euro kosten – die Mehrwertsteuer fällt dort im Gegensatz zu Deutschland nicht an. Bei uns in der Klinik kostet der Eingriff zum Beispiel 6.300 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Der Gesamtpreis hängt auch davon ab, welche Implantate der Arzt verwendet. Sie können pro Stück 200 Euro kosten oder aber 800 Euro. Der sogenannte Deutsche Ärzte Service bietet in Deutschland auch günstigere Brustvergrößerungen an: Frauen zahlen bei diesem Anbieter knapp 3.000 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Aus meiner Sicht hat das Angebot einen großen Nachteil: Die Patientinnen kennen den operierenden Arzt vorher nicht.

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