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Stand: 8. April 2010Autor: Onmeda-Redaktion
"Eine typische Komplikation ist die Kapselfibrose"
Onmeda: Welche Komplikationen meinen Sie?
Dr. Lüerßen: Recht typisch ist die sogenannte Kapselfibrose. Dabei verhärtet sich die Kapsel aus Bindegewebe, die sich natürlicherweise um das Implantat bildet. Das war früher ein häufiges Problem, kommt heute aber nur in etwa drei bis vier Prozent der Fälle vor. Insgesamt ist die Komplikationsrate bei einer Brustvergrößerung relativ gering. Sehr selten entstehen nach dem Eingriff Entzündungen und Nachblutungen, beide vielleicht in je ein bis zwei Prozent aller Brustvergrößerungen
Onmeda: Was machen Sie, wenn bei einer Frau eine solche Kapselfibrose auftritt?
Dr. Lüerßen: Da gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Sie richten sich nach der Festigkeit der Kapsel. Wenn es sich um eine beginnende, eher weiche Fibrose handelt, kann der Chirurg die Kapsel im unteren Bereich aufschneiden und das Implantat ein bisschen lösen. Entnimmt er einen Streifen aus der Kapsel, kann sie sich nicht mehr so eng bilden. Stets sollte eine möglichst zurückhaltende Arbeitsweise im Vordergrund stehen. Ich nutze, wann immer möglich, den Schnitt, über den auch die Brustvergrößerung erfolgte. Liegt eine stark verhärtete Kapsel vor, kann man um sie herum präparieren und das Implantat mitsamt der Kapsel entfernen. In solchen Fällen kann der Operateur im Anschluss ein neues Implantat einsetzen.
Onmeda: Trägt die Krankenkasse die Kosten für eine Kapselfibrosen-Operation?
Dr. Lüerßen: Nein. Seit 2007 gibt es ein Gesetz, das festschreibt, dass Krankenkassen Folgeerkrankungen nach Schönheitsoperationen nicht mehr übernehmen. Wer eine Schönheits-OP vornehmen lässt und aus irgendeinem Grund eine Komplikation wie ein Blutgerinnsel oder eine Embolie entwickelt, trägt die Kosten selbst. In ungünstigen Fällen ist das zum Teil mit wochenlangem Aufenthalt in einem Krankenhaus, unter Umständen auf einer Intensivstation, verbunden. Es gibt Fälle, die bis in den finanziellen Ruin geführt haben.
Onmeda: Ist den Patientinnen dieses Risiko bewusst?
Dr. Lüerßen: Wir müssen darüber aufklären.
Onmeda: Auch schriftlich?
Dr. Lüerßen: Ich habe ein Formular, das diesen Passus enthält. Die Patientinnen müssen mir das nach der Erstberatung unterschreiben.
Onmeda: Die Krankenkassen übernehmen also in keinem Fall die Kosten für solche Folgeerkrankungen?
Dr. Lüerßen: Nein. Falltypische Komplikationen einer Brustvergrößerung, wie eine Kapselfibrose, übernimmt die Krankenkasse ohnehin nicht. Wenn bei einer meiner Patientinnen eine Kapselverhärtung auftritt, gehe ich so vor, dass ich sie operiere, aber selber kein Honorar verlange. Die Patientinnen müssen dann nur die begleitenden Kosten tragen, das heißt die Kosten für den Narkosearzt, die Sterilisationskosten und die Kosten für das Material, wie Fäden oder neue Brustimplantate. Dies hängt allerdings vom Anbieter der Implantate ab: Manche Anbieter ersetzen bei einer Kapselfibrose das Implantat oder geben einen kleinen Zuschuss, andere nicht.
Onmeda: Können Frauen einer Kapselfibrose in irgendeiner Form vorbeugen? Etwa durch Kontrolluntersuchungen nach der Brustvergrößerung?
Dr. Lüerßen: Im Grunde kann man nicht viel machen, da sich eine Kapselfibrose nicht aufhalten lässt. Es ist sehr wichtig, dass der Chirurg sauber und sorgfältig operiert.
Onmeda: Empfehlen Sie Ihren Patientinnen aus anderen Gründen eine Nachkontrolle?
Dr. Lüerßen: Wir kontrollieren unsere Patientinnen am Tag der Operation, nach einem Tag, nach einer Woche, sechs Wochen, drei Monaten, einem halben Jahr und dann im Jahresrhythmus. Das setzt sich fort, solange ich noch arbeite. Manche Frauen kommen noch viele Jahre nach der Operation zur Kontrolle. Erfreulicherweise haben sie meist keine Komplikationen. Hierzu fällt mir ein passendes Beispiel ein: Eine Frau habe ich vor mehr als 25 Jahren operiert – sie kommt weiterhin einmal im Jahr zum Kontrolltermin. Diese Frau ist immer noch sehr zufrieden und sagt, dass die Brustvergrößerung das Beste ist, das sie je getan hat.
Onmeda: Kosten die Kontrolluntersuchungen etwas?
Dr. Lüerßen: Bei mir ist das im ersten Honorar für die Operation enthalten.
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