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Interview zum Thema Brustvergrößerung

Brustimplantate

Stand: 8. April 2010Autor: Onmeda-Redaktion

"Das Volumen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen"

Onmeda: Gibt es eine Obergrenze für das Volumen der Brustimplantate?

Dr. Lüerßen: Ich darf Ihnen ein Extrembeispiel nennen: Ein Silikonimplantat von 800 Millilitern pro Brust erinnert eher an einen mit etwas Haut überzogenen Luftballon als an einen sinnlichen Busen.

Onmeda: Sie sprachen eben die Körbchengröße an. Welche Größe erzielen sind in der Regel mit einer Brustvergrößerung?

Dr. Lüerßen: Meist vergrößern wir maximal auf ein C-Körbchen, ganz selten auf ein D-Körbchen. Das Volumen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Vor etwa 20 Jahren war ein Volumen von 180-200 Millilitern schon viel. Heute sind 250, 280 oder 300 Milliliter pro Implantat beinahe normal.

Onmeda: Liegt das eher an den Wünschen der Frauen oder auch an technischen Umständen?

Dr. Lüerßen: Das liegt an Wünschen, den exakten Maßen, die wir heute nehmen, und der Art, wie wir vorgehen. Wie schon gesagt, berücksichtigen wir bei der Auswahl des Implantats die Breite der Brust und wie weit sie in der Projektion nach vorne tritt.

"Von Computeranimationen rate ich ab"

Onmeda: Wie gelingt es Ihnen in der Beratung, den Frauen einen Eindruck über die spätere Größe ihrer Brüste zu geben?

Arzt fotografiert Brüste einer Frau
Fotos dokumentieren den Zustand vor und nach der OP.

Dr. Lüerßen: Ich veranschauliche das vor allem anhand von Bildmaterial: Ich zeige Fotos von bereits operierten Frauen – so bekommt die Patientin einen Eindruck über verschiedene Brustformen. Außerdem finde ich auf diese Weise heraus, welche Form ihr am besten gefällt. Vorher-Nachher-Bilder mit Angaben über die Größe der eingesetzten Brustimplantate erleichtern die Veranschaulichung zusätzlich. Um einen genauen Vorschlag für die Größe des Implantats machen zu können, messe ich die Brüste aus. Dann entscheidet sich auch, welcher Implantattyp zu der Frau passt: rund oder tropfenförmig.

Onmeda: Manche Ihrer Kollegen arbeiten mit Computeranimationen. Was halten Sie davon?

Dr. Lüerßen: Von Computeranimationen rate ich ab, auch wenn einige Ärzte darauf setzen. Schaut eine Frau eine solche Animation an, macht sie sich meist ein sehr exaktes Bild und eine genaue Vorstellung davon, wie das Ergebnis der Brustvergrößerung bei ihr aussehen könnte. Das finde ich problematisch, da es nie möglich ist, eine Animation eins zu eins umzusetzen. Ich möchte meine Patientinnen vor überzogenen Erwartungshaltungen und den damit verbundenen Enttäuschungen bewahren.

Onmeda: Von der Größe einmal abgesehen, wird viele Frauen die Frage nach der Familienplanung und der Stillfähigkeit interessieren.

Dr. Lüerßen: Ja, manche Frauen sprechen dieses Thema an. Dazu muss ich sagen, dass ich es automatisch erwähne, wenn es junge Frauen sind und der Schnitt bei der Operation am Warzenvorhof entlang läuft.

Onmeda: Birgt nur dieser Schnitt am Warzenvorhof ein Risiko für die Stillfähigkeit?

Dr. Lüerßen: Nein, das stimmt nicht ganz. Auch bei einem Schnitt in der Unterbrustfalte kann der Druck, den das Implantat auf das Drüsengewebe ausübt, das Gewebe schädigen. Weitaus typischer ist aber der direkte Schaden, der beim Schnitt um den Warzenvorhof entsteht. Der Chirurg kann dabei nicht verhindern, dass er einige Milchgänge durchtrennt. In aller Regel bleiben die Frauen trotzdem stillfähig.

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