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Schlafstörungen

Definition

Stand: 30. August 2011Autor: Onmeda-Redaktion

Schlafstörungen bestehen per Definition dann, wenn der Schlaf zu kurz oder zu lang ausfällt, zu häufig unterbrochen wird und nicht erholsam ist – wenn also Schlafdauer, Schlafzyklen und Schlafstadien vom normalen Schlaf abweichen. Chronische Schlafstörungen liegen vor, wenn der Betroffene pro Woche drei Nächte nicht richtig schlafen kann und dieser Zustand länger als einen Monat anhält.

Nach der ICSD-2 (International Classification of Sleep Disorders) werden Schlafstörungen folgendermaßen eingeteilt:

  • Insomnie (Einschlaf- und Durchschlafstörungen)
  • Hypersomnie (erhöhte Tagesmüdigkeit mit Ursprung im zentralen Nervensystem)
  • schlafbezogene Atmungsstörungen (z.B. Schlafapnoe)
  • schlafbezogene Bewegungsstörungen (z.B. Restless-Legs-Syndrom)
  • Parasomnie (Verhaltensauffälligkeiten im Schlaf)
  • zirkadiane Rhythmusstörungen (Störungen im Ablauf des Schlafrhythmus)

Die einzelnen Kategorien können weiter unterteilt werden in leichte, mittlere und schwere Schlafstörungen.

Insomnie: Einschlafstörungen / Durchschlafstörungen

Einschlafstörungen und Durchschlafstörungen, die auch unter dem Begriff Insomnie zusammengefasst werden, sind die häufigsten Schlafstörungen. Einschlafstörungen liegen vor, wenn mehr als eine halbe Stunde bis zum Einschlafen vergeht. Von Durchschlafstörungen spricht man, wenn nach einem nächtlichen Aufwachen mehr als eine halbe Stunde vergeht, bis der Betroffene wieder einschlafen kann. Auch wer zu früh am Morgen wach wird und nicht mehr einschlafen kann, leidet unter einer Insomnie.

Je nach ihrer Ursache werden Einschlafstörungen und Durchschlafstörungen weiter unterteilt:

  • Die akute Insomnie tritt in der Regel vorübergehend auf und hängt mit belastenden Lebensumständen zusammen, so zum Beispiel eine bevorstehende Prüfung oder ein Konflikt in der Partnerschaft. Entfällt die Belastung, normalisiert sich auch der Schlaf, insofern die Schlafstörung bis dahin nicht chronisch geworden ist.
  • Die psychophysiologische Insomnie hat ihre Ursachen in Übererregbarkeit (Hyperarousal) und einem falschen Schlafverhalten.
  • Bei der Pseudoinsomnie liegt keine tatsächliche Schlafstörung vor, der Betroffene empfindet seinen objektiv gesunden Schlaf aber als gestört.
  • Die idiopathische Insomnie reicht bis in die Kindheit zurück und beruht auf erlerntem Verhalten.
  • Im Kindesalter kann es zu sogenannten verhaltensbedingten Schlafstörungen kommen.
  • Schlafstörungen aufgrund von Erkrankungen (sowohl körperlichen als auch psychischen), Medikamenten, Drogen, Alkohol und anderen – häufig auch als sekundäre Schlafstörungen bezeichnet.

Andere Begriffe für Insomnie sind: Schlaflosigkeit, Hyposomnie oder Asomnie.

Hypersomnie: übermäßige Tagesmüdigkeit

Bei einer Hypersomnie (auch: übermäßige Tagesmüdigkeit oder Tagesschläfrigkeit) haben die Betroffenen in der Regel keine Probleme mit dem Ein- oder Durchschlafen. Sie leiden jedoch trotz ausreichender Schlafdauer unter einem vermehrten Schlafdrang am Tag oder haben ein allgemein erhöhtes Schlafbedürfnis (mehr als zehn Stunden).

Subjektiv bezeichnen Betroffene ihren Schlaf häufig als zufriedenstellend, da sie eher mehr schlafen und selber keine Probleme beobachten können. Gesundheitliche Probleme bringen sie nicht mit ihrem Schlafverhalten in Verbindung. Objektiv gesehen liegt dennoch eine Schlafstörung vor.

Schlafbezogene Atmungsstörungen

Im Schlaf wird die Atmung nicht bewusst gesteuert, sondern erfolgt über das sogenannte autonome Nervensystem. Schlafbezogene Atmungsstörungen treten auf, wenn der Schlaf diese Steuerung beeinflusst.

Der Schlaf führt zu einer Störung in der Atmung, beispielsweise einem kurzen Atemstillstand. Mechanismen im Gehirn beheben diese Störung in der Regel schnellstmöglich – der Schlaf ist aber für diesen Moment kurzzeitig gestört, was sich wiederum auf das Gesamtbefinden auswirkt. Mit der Zeit kann sich die gesamte Schlafstruktur ändern, ohne dass dem Betroffenen das unmittelbar bewusst ist.

Zu den schlafbezogenen Atmungsstörungen zählen das:

  • obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (übermäßige Schläfrigkeit, unregelmäßiges Schnarchen, regelmäßige Atemstillstände im Schlaf)
  • zentrale Schlafapnoe-Syndrom (ähnlich dem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom, aber andere Ursachen)
  • zentral-alveoläre Hypoventilationssyndrom (nachlassende Belüftung der Lunge im Schlaf, oft mit Erstickungsgefühl beim Aufwachen)

Schlafbezogene Bewegungsstörungen

Häufige schlafbezogene Bewegungsstörungen sind das Restless-Legs-Syndrom (RLS) und die periodischen Bewegungen der Gliedmaßen (Periodic Limb Movement Disorder = PLMD).

Das Restless-Legs-Syndrom ist durch starke Missempfindungen in den Beinen gekennzeichnet, die sich bessern, wenn der Betroffene die Beine bewegt. Das führt zu den typischen "unruhigen Beinen". Dieser andauernde Bewegungsdrang tritt in der Regel vor dem Einschlafen auf und kann dieses verhindern oder verzögern.

Im Gegensatz zum RLS bemerken Betroffene periodische Bewegungen der Gliedmaßen im Schlaf nicht. Dabei bewegen sich vor allem die Beine in regelmäßigen Abständen derart, dass der Schlafablauf gestört sein kann. PLMD treten oft gemeinsam mit einer Schlafapnoe auf.

Parasomnie: Verhaltensauffälligkeiten im Schlaf

Als Parasomnie werden Verhaltensauffälligkeiten im Schlaf bezeichnet, die nicht zwingend die Erholung beeinflussen, aber andere Probleme nach sich ziehen können. Typische Parasomnien sind beispielsweise Zähneknirschen, Schlafwandeln, Umsichschlagen und Kopfschlagen (heftiges Hin- und Herbewegen des Kopfes) sowie Sprechen / Schreien im Schlaf.

Der Betroffene nimmt die Parasomnie meistens nicht unmittelbar wahr. Sie stellt aber häufig eine Gefahr für die Gesundheit des Betroffenen oder anderer Personen dar: Schlafwandeln beispielsweise kann gefährliche Ausmaße annehmen, wenn Treppen und Fenster nicht gesichert sind. Umsichschlagen kann den Bettpartner verletzen. Zähneknirschen kann weitreichende Folgen für die Kiefermuskulatur und den Kauapparat haben.

Parasomnien im Kindesalter sind beispielsweise der sogenannte Nachtschreck (Pavor nocturnus) und die Schlaftrunkenheit. In beiden Fällen schreien die Kinder praktisch ohne Grund im Schlaf und lassen sich nicht beruhigen. Nach kurzer Zeit hört das Schreien auf, die Kinder schlafen weiter oder wachen auf, als sei nichts geschehen. Beim Nachtschreck schlagen die Kinder häufig um sich. Der Nachtschreck zeigt sich häufig bei Kindern zwischen zwei und fünf Jahren, die Schlaftrunkenheit kommt eher bei Säuglingen vor.

Zirkadiane Rhythmusstörungen

Im Verlauf der Nacht wiederholen sich unterschiedliche Schlafphasen in einem bestimmten Muster wieder und wieder – gemeinsam mit der Wachphase am Tag wird das als zirkadianer Rhythmus bezeichnet. Der zirkadiane Rhythmus (auch: Schlaf-Wach-Rhythmus) umfasst etwa 24 Stunden, wobei die Dauer der Wachphasen sowie die der Schlafphasen und deren Wiederholungsrate von Mensch zu Mensch unterschiedlich sind.

Der zirkadiane Rhythmus ist gestört, wenn die individuelle Verteilung von Schlafphasen und Wachphasen durcheinandergerät. Das ist zum einen der Fall, wenn sich der komplette Zyklus verschiebt, die Schlafphase etwa nach vorne oder nach hinten verlagert wird. Aber auch, wenn das Schlaf-Wach-Verhalten vom 24-Stunden-Rhythmus abweicht, also deutlich länger oder kürzer ist, liegt eine zirkadiane Rhythmusstörung vor.

Typische zirkadiane Rhythmusstörungen sind beispielsweise Beschwerden aufgrund von Zeitverschiebung (Jetlag) und Schichtarbeit.

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