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Stand: 27. Januar 2011Autor: Onmeda-Redaktion
Melatonin kennen die meisten wahrscheinlich im Zusammenhang mit einem Jetlag – den wenigsten ist vermutlich bewusst, dass es sich bei Melatonin um ein körpereigenes Hormon handelt. Noch vor ein paar Jahren galt Melatonin zudem als Wundermittel, das Alterungsprozesse verlangsamt und vor Krebs schützt. Viele dieser "Wunschwirkungen" haben sich bislang nicht bestätigt – oder wurden widerlegt.
Melatonin ist ein Hormon des menschlichen Körpers, das in einem Teil des Zwischenhirns, der sogenannten Zirbeldrüse, gebildet und dann in den Blutkreislauf abgegeben wird. Das geschieht hauptsächlich bei Dunkelheit – also in der Nacht. Man bezeichnet Melatonin deshalb auch als Schlafhormon oder Hormon der Dunkelheit. Tageslicht unterdrückt dagegen die Produktion: Bei Tag ist der Melatoninspiegel etwa zehnfach niedriger als in der Nacht. Elektrisches Licht hemmt die Ausschüttung des Hormons ebenfalls, wenn auch nicht ganz so stark. Mit zunehmendem Alter nimmt die Melatonin-Produktion zudem immer mehr ab.
Das Hormon Melatonin beeinflusst unter anderem die innere Uhr, ist wichtig für den Schlaf-Wach-Rhythmus und fördert das abendliche Einschlafen. Bei leichteren Schlafproblemen kann zusätzliches Melatonin deshalb helfen – richtige Schlafstörungen lassen sich damit jedoch nicht behandeln. Wer einen Jetlag überwinden will, der findet mithilfe von Melatonin-Tabletten möglicherweise schneller in seinen Schlaf-Wach-Rhythmus zurück. Eine langfristige Einnahme ohne ärztlichen Rat ist jedoch aufgrund mangelnder Erkenntnisse zur Langzeitwirkung nicht zu empfehlen.
In den USA kann man Melatonin ganz einfach im Drugstore oder sogar im Supermarkt kaufen, es gilt dort als Nahrungsergänzungsmittel. In Deutschland gelten Melatonin-Tabletten dagegen als Medikament und sind verschreibungspflichtig. Sie werden normalerweise kurz vor dem Schlafengehen eingenommen. Wer Melatonin einnimmt, muss vereinzelt mit Nebenwirkungen rechnen (z.B. Albträumen, Schwindel oder Kopfschmerzen). Derzeit gibt es in Deutschland nur ein einziges zugelassenes Medikament, das Melatonin enthält.
Melatonin kommt zudem natürlicherweise in verschiedenen Obst- und Gemüsesorten vor – allerdings in so kleinen Mengen, dass man Berge davon verzehren müsste, um eine nennenswerte Konzentration zu erreichen: So müsste man zum Beispiel entweder 1 Tonne Gurken oder 200 Kilogramm Bananen verspeisen, um wenigstens 0,1 Milligramm Melatonin zusammenzubekommen. Verschreibungspflichtige Melatonin-Tabletten enthalten dagegen meist 2 Milligramm pro Stück.
Sogenannte Nachtmilchkristalle sind Milchkristalle aus Milch von nachts gemolkenen Kühen, die man portioniert erwerben und einnehmen kann. Es handelt sich hierbei im Grunde um Milchpulver aus der Nachtmilch. Nachtmilchkristalle enthalten etwas höhere Mengen an Melatonin als "Tagmilchkristalle" und sollen sich deshalb schlaffördernd auswirken. Experten zweifeln diese Wirkung jedoch an: Denn im Vergleich zu normalen Milchkristallen mögen Nachtmilchkristalle zwar mehr Melatonin enthalten, die Menge ist aber immer noch so gering, dass man circa 2 Millionen Portionen zu sich nehmen müsste, um zum Beispiel auf 2 Milligramm zu kommen. Eventuell verspürte Wirkungen sind daher am ehesten einem Placebo-Effekt zuzurechnen.
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