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Forenexperte: Dr. Tomas Jelinek
Forum Reisemedizin
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Stand: 15. Juni 2010Autor: Onmeda-Redaktion
Die Ursache der Reisekrankheit (Kinetose) sind ungewohnte Beschleunigungen. Diese treten beispielsweise bei kurvenreichen Autofahrten, Turbulenzen im Flugzeug oder Wellengang auf Schiffen auf und wirken über verschiedene Reize auf das Gleichgewichtsorgan im Innenohr. Verfolgt man Bewegungsänderungen nicht ständig mit den Augen, kann das Gehirn die Bewegungen im Innenohr nicht zuordnen. Die Bewegungen werden als Fehlermeldung registriert und lösen dadurch die typischen Symptome einer Reisekrankheit aus.
Das Zusammenspiel von Gleichgewichtsorgan, optischer Wahrnehmung sowie Nerven und Rezeptoren der Muskeln ist notwendig für den aufrechten Gang des Menschen. Durch dieses Zusammenspiel sowie durch Erfahrungswerte entsteht im Gehirn ein Bewegungsmodell, das eine schnelle Auswertung und Kontrolle der Bewegungen ermöglicht. Auf diese Weise ist dem Gehirn eine Vorausberechnung dieses Bewegungsmodells möglich. So erkennt das Gehirn zum Beispiel eine bestimmte Lage des Gleichgewichtsorgans im Innenohr, die Anspannung in der Beinmuskulatur und die Information Keine Bewegung von den Augen als das Modell Stillstehen.
Ungewohnte Bewegungen und Beschleunigungen bringen das Gehirn jedoch durcheinander. Beim Autofahren zum Beispiel registrieren Nerven und Rezeptoren in den Muskeln keine Bewegung, da der Körper stillsitzt. Die Augen melden dem Gehirn jedoch schnelle Fortbewegung. Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr wiederum liefert Informationen über Kurven, Beschleunigungen oder Steigungen, die den ersten beiden Meldungen widersprechen. Diese nicht übereinstimmende Flut von Informationen führt im gesunden Gleichgewichtssinn zu einer Überlastung, die das Gehirn als Gefahrensituation interpretiert. Daher sorgt es für die Ausschüttung von Stresshormonen, die wiederum Symptome wie Schwindel und Übelkeit bewirken.
Die Reisekrankheit ist somit keine Krankheit im eigentlichen Sinne, sondern eine ganz natürliche Reaktion auf ungewöhnliche Einflüsse. Psychische Einflüsse, wie zum Beispiel Ängste, können ebenfalls eine große Rolle bei der Entstehung der Reisekrankheit spielen beziehungsweise diese verstärken.
Wird das Gehirn solchen ungewohnten Bewegungen dauerhaft oder regelmäßig ausgesetzt, ist eine Gewöhnung (bzw. genaugenommen eine Anpassung des Bewegungsmodells im Gehirn) möglich. Sind die Abweichungen zu diesem Bewegungsmodell im Gehirn jedoch zu groß, kann man erneut reisekrank werden. Durch aktives Eingreifen in die Bewegung (z.B. selbst fahren) lässt sich das Gehirn aber überlisten und der Reisekrankheit vorbeugen.
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