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Forenexperte: Dr. Tomas Jelinek
Forum Reisemedizin
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Stand: 15. Juni 2010Autor: Onmeda-Redaktion
Medizinisch korrekt spricht man bei der Reisekrankheit von einer Kinetose. Man versteht darunter sogenannte Bewegungskrankheiten, die durch ungewohnte Bewegung und Beschleunigung von Verkehrsmitteln, zum Beispiel Autos, Schiffen (Seekrankheit), Zügen oder Flugzeugen, hervorgerufen werden.
Auch Kinofilme, Flugsimulatoren oder Computerspiele können eine Reisekrankheit auslösen. Hier spricht man jedoch von sogenannten Pseudokinetosen ("Scheinkinetosen"), da sie ausschließlich über die optische Wahrnehmung und nicht durch ungewohnte Bewegung ausgelöst werden.
Der Begriff Seekrankheit rührt von den Reaktionen der Menschen auf die Schiffsbewegung her. Während einige Seeleute nie seekrank sind, werden es andere plötzlich noch nach vielen Jahren. Andere werden praktisch bei jeder Reise erneut seekrank. Bei Seglern, die längere Törns unternehmen, tritt in der Regel nach einigen Tagen eine Gewöhnung an die Bewegung auf. Danach sinkt die Wahrscheinlichkeit, wieder seekrank zu werden.
Etwa 5 bis 10 Prozent aller Menschen sind sehr empfindlich für das Auftreten der Reisekrankheit, 5 bis 15 Prozent gelten als relativ unempfindlich und etwa 75 Prozent als "normal" anfällig. Etwa 45 Prozent aller Reisekranken fühlen sich nach der Einnahme von Scheinmedikamenten (Placebos) besser, sodass ein Rückschluss auf psychische Einflüsse – wie zum Beispiel auch bei der Flugangst – nahe liegt. Frauen sind häufiger von der Reisekrankheit betroffen als Männer, besonders zu Beginn der Menstruation oder in der Schwangerschaft, was außerdem auf einen hormonellen Einfluss hindeutet.
Bei Menschen mit einer gewissen Erwartungshaltung (wie auch bei Flugangst oder dem Wissen um Übelkeit beim Autofahren), tritt die Reisekrankheit besonders häufig in Erscheinung. Auch Migräne-Patienten sind besonders anfällig für die Reisekrankheit. Meist gewöhnt man sich jedoch nach einer Weile an die ungewohnte Bewegung, wodurch die Symptome in der Regel nachlassen.
Säuglinge sind gewöhnlich nicht von Reisekrankheit betroffen, weil bei ihnen das Gleichgewichtsorgan im Innenohr noch nicht vollständig entwickelt ist. Am häufigsten ist die Reisekrankheit bei Zwei- bis Zwölfjährigen zu beobachten, ab dem 50. Lebensjahr kommt sie eher selten vor.
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