Tests & Checks
Rund um die Reisemedizin
Tropisches Südamerika
Gesundheitsrisiken für den Reisenden
Stand: 1. Dezember 2006Autor: Onmeda-Redaktion
Das tropische Südamerika ist weltweit einer der traurigen Spitzenreiter bei möglichen Infektionen und Gesundheitsgefahren. Zwar treten viele Erkrankungen örtlich begrenzt auf und beschränken sich vor allem auf ländliche Gebiete. Dennoch sollten Reisende in die tropischen Länder Südamerikas unbedingt über drohende Infektionskrankheiten informiert sein und die allgemeinen und speziellen Impfempfehlungen beachten. Insbesondere Reisende, die sich z.B. aus beruflichen Gründen häufig oder länger in einem südamerikanischen Land aufhalten, selbstständig reisen (z.B. Rucksacktouristen) oder von vornherein gesundheitliche Probleme haben, sind einem erhöhten Infektions- und Erkrankungsrisiko ausgesetzt und sollten sich gut auf die Reise vorbereiten.
Gesundheitsrisiko durch Insekten

Flamingos auf den Galapagos-Inseln
Hauptüberträger für Infektionskrankheiten im tropischen Südamerika sind Insekten und Spinnentiere. Vor allem während der Regenzeit herrscht ein hohes Risiko für Erkrankungen, die von Mücken übertragen werden, z.B. Malaria und Dengue-Fieber. Schutz vor Insektenstichen bieten spezielle Insektenschutzmittel, Insektennetze und bedeckende Kleidung.
- In allen tropischen Ländern Südamerikas ist in den tiefer gelegenen ländlichen Regionen (unter 2500 m) das Infektionsrisiko für Malaria ganzjährig sehr hoch. Lediglich einige vorgelagerte Inseln wie die Galapagos-Inseln und die Insel Andrés (Kolumbien) gelten als malariafrei. In Paraguay besteht nur in wenigen Landesteilen (besonders Alto Paraná, Caaguazuú und Canedndiyú) und ausschließlich während der Sommermonate ein gewisses Risiko für Malariainfektionen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken weltweit jährlich 300 bis 500 Millionen Menschen an Malaria, mehr als eine Million sterben jedes Jahr an den Folgen. Bei Reisen nach Südamerika sollte grundsätzlich für ausreichenden Mückenschutz gesorgt werden.
- Ebenfalls durch Mücken übertragen wird Dengue-Fieber, das zu lebensbedrohlichen Blutungen und Blutgerinnungsstörungen führen kann. Es tritt in allen südamerikanischen Ländern vor allem in den Monaten November bis April auf. Besonders betroffen sind Brasilien (v.a. Bundesstaaten Bahia, Espirito Santo, Pernambuco, Ceara und Sao Paolo an der Ostküste), Bolivien (Departemente Santa Cruz und Cochabamba), Ecuador (östlich des Andenhauptkammes), Kolumbien (v.a. nördliche Provinz Norte de Santander) und Venezuela (v.a. Norden des Landes). Da die Erkrankung durch tag- und nachtaktive Mücken übertragen wird, sollten Reisende rund um die Uhr für ausreichenden Mückenschutz sorgen. Aktuelles: In den vergangenen Wochen und Monaten traten in mehreren Ländern verstärkt Fälle von Dengue-Fieber auf. Betroffen sind Bolivien (v.a. Provinzen La Paz, Beni, Santa Cruz), Brasilien (bis zur Jahreshälfte fast 200.000 Fälle, v.a. in Pernambuco, Sergipe, Minas Gerais, Espirito Santo, Rio de Janeiro, Sao Paulo, Parana, Santa Catarina, Rio Grande do Sul, Mato Grosso do Sul, Mato Grosso, Goias, Umgebung von Brasilia sowie Foz de Iguacu nahe der Iguacu-Wasserfälle), Französisch Guayana (v.a. Küstenregionen am Atlantischen Ozean) und Venezuela (v.a. Distrikte Merida, Zulia, Lara, Miranda). (Stand: Dezember 2006)
- In den meisten tropischen Ländern Südamerikas, vor allem in den Amazonasgebieten, tritt Gelbfieber endemisch, also regelmäßig und örtlich auf bestimmte Regionen begrenzt, auf. Die Erkrankung wird durch Mücken übertragen und geht mit hohem Fieber, Blutungen und Blutgerinnungsstörungen einher. Jedes Jahr erkranken vor allem Einheimische in Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Peru und Venezuela an Gelbfieber. Lediglich Paraguay gilt weitgehend als gelbfieberfrei. Allerdings wurde hier im Dreiländereck im Südosten des Landes und in den angrenzenden argentinischen Provinzen entlang des Uruguay das Gelbfiebervirus in Affen nachgewiesen. Aktuelles: Aus den Gelbfiebergebieten in Bolivien (Beni, Cochabamba, Santa Cruz, Chuquisaca, Pando, Tarija und subtropische Regionen von La Paz), Kolumbien (Provinz Norte de Santander, am Magdalena Fluss, Cordillera Oriental, Sierra Nevada sowie östliches Flachland Orinoquia und Amazonas) und Peru (Regenwälder von Ayacucho) werden seit einigen Monaten vermehrt Erkrankungsfälle gemeldet. (Stand: Dezember 2006)
- In allen tropischen Ländern Südamerikas kommt die sog. Amerikanische Haut- und Schleimhaut-Leishmaniose vor. Leishmanien sind Parasiten, die durch die Weibchen von Schmetterlingsmücken, insbesondere Sandmücken ("sand flies"), auf den Menschen übertragen werden. Die Erkrankung führt beim Menschen zu geschwürigen Haut- und Schleimhautveränderungen. Die viszerale Leishmaniose ("Kala-Azar"), die verschiedene Organe wie Lunge, Magen-Darm, Milz, Leber und Knochenmark befällt, ist v.a. in Bolivien im La Paz Tal und in Brasilien in der Provinz Sao Paolo verbreitet.
- Zu den häufigen von Insekten übertragenen Erkrankungen zählt die Chagas-Krankheit. Sie ist im gesamten tropischen Südamerika in ländlichen Gebieten verbreitet. Der Erreger (Trypanosoma cruzi) wird durch Raubwanzen übertragen und führt zu Fieber, Hautveränderungen, Schwellung der Lymphknoten, Herzmuskelentzündung, Vergrößerung der Leber und der Milz und in seltenen Fällen auch zu Hirnhautentzündung. Spezielle Insektenschutzmittel und Insektennetze können vor Stichen der Raubwanzen schützen. Reisenden wird darüber hinaus empfohlen, in den betroffenen Gebieten nicht in einfachen Hütten zu übernachten, da die Insekten hier besonders häufig sind.Aktuelles: Aus Peru wurde zuletzt ein Fall von Chagas aus dem Pozuzo Distrikt in der Provinz Oxapampa gemeldet, einer Region, in der die Krankheit bislang nicht vorkam. (Stand: Dezember 2006)
- Die Infektion mit Fadenwürmern, sog. Filarien, führt zur Ausbildung einer Filariose. Filarien werden durch Mücken, insbesondere Kriebelmücken, und Fliegen auf den Menschen übertragen. Sie sammeln sich bevorzugt im Bindegewebe verschiedener Organe und in den Lymphgefäßen an und verursachen je nach Art des Erregers unterschiedliche Erkrankungen. Bei der Onchozerkose, hervorgerufen durch die Filarienart Onchocerca volvulus, kommt es zu schweren Hautveränderungen und Augenschäden bis hin zur Blindheit (s. Flussblindheit). Der Erreger der Flussblindheit ist in Südamerika weit verbreitet, insbesondere in Brasilien und Kolumbien. Die Bancroft-Filariose wird durch den Erreger Wuchereria bancrofti hervorgerufen und geht mit Fieber, Entzündung der Lymphknoten und erheblichen Schwellungen der Gliedmaßen, vor allem der Beine ("Elephantiasis") einher. Die Erkrankung kommt in Brasilien, Ecuador, Guyana, Surinam und Venezuela vor.
- Oroyafieber wird durch Sandfliegen übertragen. Der Erreger der Krankheit ist das Bakterium Bartonella bacilliformis, das in höher gelegenen, trockenen Flusstälern der westlichen und zentralen Anden vorkommt. Oroyafieber verursacht hohes Fieber, Schwellung von Leber und Milz, Entzündung der Lymphknoten und eine Zerstörung der roten Blutkörperchen (hämolytische Anämie), die unbehandelt zum Tod führen kann. Antibiotika wie Penicillin oder Tetracycline sind dagegen wirksam und sollten fester Bestandteil der Reiseapotheke sein.
- Die Pest kommt unter wildlebenden Nagetieren in weiten Teilen Südamerikas endemisch, also regelmäßig, jedoch in der Regel auf ein bestimmtes Gebiet begrenzt, vor. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt meist indirekt über Flöhe. Unterschieden werden vier Formen der Krankheitsausprägung: Beulenpest (Bubonenpest), Pest sepsis, Lungenpest und abortive Pest. Pesterkrankungen bei Menschen treten heute eher selten auf. Aus Bolivien (im Süden von La Paz), Brasilien (Nordosten des Landes in Bahia), Ecuador (Provinz Chimborazo) und Peru werden immer wieder vereinzelte Fälle gemeldet.
- In den kühleren Andenhochtälern Südamerikas sind regelmäßig Fälle von Fleckfieber zu beobachten. Die Erkrankung wird durch eine Infektion mit Bakterien, sog. Rickettsien, verursacht, die durch Kleiderläuse oder Rattenflöhe auf den Menschen übertragen werden. Vor allem aus Kolumbien und Peru werden immer wieder Fälle bekannt.
- Große Bedeutung hat Bilharziose, eine Infektion mit Pärchenegeln (Schistosoma). Die Infektion erfolgt über Schwanzlarven der Egel, die Zerkarien genannt werden. Diese schwimmen im Süßwasser umher und dringen bei Kontakt mit einem Menschen in dessen Haut ein. Verschiedene Erkrankungserscheinungen wie Fieber, Hautveränderungen, Kopf- und Gliederschmerzen, Bauchschmerzen, Störungen der Harnblasenfunktion sowie Schädigungen der Lunge, der Leber, des Herzens oder des Gehirns können die Folge sein. Bilharziose ist in den tropischen Gebieten Südamerikas, vor allem in Brasilien, Surinam und Venezuela weit verbreitet. Reisende werden im Allgemeinen davor gewarnt, in den Seen und Flüssen der betroffenen Regionen zu baden.