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Rund um die Reisemedizin
Südasien
Gesundheitsrisiken für den Reisenden
Stand: 1. Dezember 2006Autor: Onmeda-Redaktion
Vor allem Reisende, die sich zum Beispiel aus beruflichen Gründen häufig oder sehr lange in einem südasiatischen Land aufhalten, selbstständig reisen (z.B. Rucksacktouristen) oder von vornherein gesundheitliche Probleme haben, sollten über drohende Infektionskrankheiten informiert sein und die allgemeinen und speziellen Impfempfehlungen beachten.
Gesundheitsrisiken durch Insekten
Bedeutender Überträger für Infektionskrankheiten im mittleren Südasien sind Insekten und Spinnentiere. Schutz vor Insektenstichen bieten spezielle Insektenschutzmittel, Insektennetze und bedeckende Kleidung.
- Bei den durch Insekten übertragenen Krankheiten spielt in den südasiatischen Ländern die so genannte Japanische Enzephalitis eine große Rolle. Dabei handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung des Gehirns, die von Mücken übertragen wird. Eine Infektion führt zwar nur selten zur Erkrankung, diese ist jedoch mit einer hohen Sterblichkeit verbunden. Die Hauptinfektionszeit ist während des Sommermonsuns von Mai bis Oktober. Der Erreger der Japanischen Enzephalitis ist vor allem in ländlichen und vorstädtischen Gebieten in Bangladesch, im Süden Bhutans, in Indien, im Süden Nepals, in Pakistan und in Sri Lanka verbreitet. Eine Schutzimpfung gegen die Erkrankung wird bei Aufenthalten von mehr als zwei Wochen in Risikogebieten der betroffenen Länder empfohlen. Zur Vermeidung einer Infektion sind unbedingt Maßnahmen für ausreichenden Mückenschutz zu ergreifen. Aktuelles: In Indien wurden aus dem Bundesstaat Assam sowie den Grenzgebieten zu Nepal zuletzt eine große Anzahl an Erkrankungen mit Japanischer Enzephalitis gemeldet. (Stand: Dezember 2006)
- Ebenfalls durch Mücken übertragen wird das Dengue-Fieber, das zu lebensbedrohlichen Blutungen und Blutgerinnungsstörungen führen kann. Es tritt in Bangladesch, Bhutan, Indien, auf den Malediven, in Nepal, Pakistan und Sri Lanka auf. Die örtlichen Behörden Sri Lankas registrierten im Jahr 2004 eine Zunahme der Erkrankung um fast 90 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Da Dengue-Fieber durch tag- und nachtaktive Mücken übertragen wird, sollten Reisende rund um die Uhr für Mückenschutz sorgen. Aktuelles: In den vergangenen Monaten traten auf den Malediven, vor allem im Atoll Male, vermehrt Dengue-Fieber-Infektionen auf. Mehr als 300 Erkrankungen werden hier mittlerweile pro Monat registriert. Die örtlichen Gesundheitsbehörden vermelden eine starke Zunahme der Infektion auf allen Atollen, wobei auch die lebensgefährlichen Formen Dengue hämorrhagisches Fieber und Dengue Schock Syndrom auftreten. Auch aus der Hauptstadt Bangladeshs Dhaka, aus Indien, aus Nepal (v.a. im Grenzgebiet zu Indien) sowie aus Pakistan (v.a. Stadt Karatschi) wurden zuletzt verstärkt Fälle von Dengue-Fieber gemeldet. (Stand: Dezember 2006)
- In Bangladesch, Bhutan, Indien, Nepal, Pakistan und Sri Lanka kommt Malaria ganzjährig vor. Das Risiko für eine Infektion ist in den verschiedenen Landesteilen unterschiedlich hoch. Als malariafrei beziehungsweise mit geringem Infektionsrisiko gelten häufig Städte und Hochlagen. In Afghanistan, Armenien, Aserbeidschan, Georgien, Iran, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan herrscht vor allem in den Sommer- und Herbstmonaten ein erhöhtes Risiko für Malaria-Infektionen. Lediglich die Malediven gelten als völlig malariafrei. Aktuelles: In Indien kam es zuletzt in West-Bengalen, im Nordosten des Landes (Touristenzentrum Darjeeling) sowie im Bundesstaat Assam zu einer vermehrten Anzahl an Malaria-Infektionen. Auch in Kirgisistan (insbesondere in Kalis-Ordo, Ak-Bata und Ak-Bosogo) wurden verstärkt Fälle registriert. (Stand: Dezember 2006)
- In Indien und Sri Lanka ist Chikungunya verbreitet. Die Erkrankung wird durch Viren ausgelöst, die von tag- und nachtaktiven Mücken übertragen werden. Sie geht mit hohem Fieber, Hautrötung und extrem starken Muskel- und Gliederschmerzen einher. Häufig nehmen die Betroffenen wegen der Schmerzen eine gekrümmte Schonhaltung ein, daher der Name Chikungunya - "sich zusammenkrümmen". Aktuelles: Aus Indien wurden im Jahr 2006 vermehrt Fälle von Chikungunya gemeldet, insgesamt sollen bis Mitte Oktober 1,25 Millionen Menschen erkrankt sein. Besonders betroffen waren Andhra Pradesh, Andaman und Nicobar Islands, Tamil Nadu, Karnataka, Maharashtra, Gujarat, Madhya Pradesh, Kerala sowie Delhi. (Stand: Dezember 2006)
- In Bangladesch, im Nordwesten Indiens, im Iran, in Nepal und im Norden Pakistans haben in den letzten Jahren Erkrankungen mit viszeraler Leishmaniose, "Kala-Azar" genannt, stark zugenommen. Kleinere Infektionsherde kommen in Aserbeidschan und Tadschikistan vor. Leishmanien sind Parasiten, die durch die Weibchen von Schmetterlingsmücken, insbesondere Sandmücken ("sand flies"), auf den Menschen übertragen werden. Die Erkrankung befällt verschiedene Organe wie Lunge, Magen-Darm, Milz, Leber und Knochenmark. Die kutane Leishmaniose (Haut-Leishmaniose), die zu geschwürigen Hautveränderungen führt, ist aus Afghanistan, Aserbeidschan, Indien, Iran, Nepal, Pakistan und Tadschikistan bekannt. In Afghanistan besteht in Kabul sowie in den Regionen Jalalabad, Kandahar, Pawan, Balkh, Mazar-i-Sharif und Herat ein hohes Infektionsrisiko. Allein in Kabul gelten 67.000 Menschen als infiziert. In Pakistan erkrankten in der Region Kuram (Northwest Frontier Province) im Grenzgebiet zu Afghanistan im Jahr 2003 etwa 5.000 Menschen, dabei vorwiegend Kinder unter 15 Jahren. Die Infektionsgefahr kann durch gute Mückenschutzmaßnahmen erheblich reduziert werden.
- Eine Infektion mit Fadenwürmern, sog. Filarien, führt zur Ausbildung einer Filariose. Filarien werden durch Mücken auf den Menschen übertragen. Sie sammeln sich bevorzugt im Bindegewebe verschiedener Organe und in den Lymphgefäßen an und verursachen je nach Art des Erregers unterschiedliche Erkrankungen. In Bangladesch, Indien und Sri Lanka sind Bancroft- und Brugia-Filariosen verbreitet, die durch die Erreger Wuchereria bancrofti bzw. Brugia malayi hervorgerufen und auch als "lymphatische Filariosen" bezeichnet werden. Sie führen zu Fieber, Entzündung der Lymphknoten und erheblichen Schwellungen der Gliedmaßen, vor allem der Beine ("Elephantiasis").
- Sandflohfieber ist eine juckende Hautkrankheit, die durch Befall mit Sandflöhen ausgelöst wird. Sie hat in den letzten Jahren in der gesamten Region an Häufigkeit stark zugenommen.
- Im Norden und Westen Pakistans, im Süden Sri Lankas, im Nordosten Indiens und landesweit in Kasachstan sind regelmäßig Fälle von Fleckfieber zu beobachten. Die Erkrankung wird durch eine Infektion mit Bakterien, sog. Rickettsien, verursacht, die durch Kleiderläuse oder Rattenflöhe auf den Menschen übertragen werden.
- In feuchten Wald- und Wiesengebieten in Armenien, Aserbeidschan, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan sind Zecken verbreitet, die Lyme- Borreliose übertragen können. Dabei handelt es sich um eine in Stadien verlaufende Erkrankung, die zunächst mit Hautrötung (Erythem) und Allgemeinsymptomen wie Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen einhergeht und im weiteren Verlauf zu Hirnhautentzündung, Nervenschädigungen, Herzentzündung, Hautveränderungen und chronischen Gelenkschmerzen führen kann. Daneben ist auch eine Übertragung der sog. Früh-Sommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) durch Zeckenbisse möglich, die in Aserbeidschan, Kasachstan, Kirgisistan und Usbekistan vorkommt und zu schwerer Hirnhautentzündung, Fieber, allgemeinen Krankheitszeichen und Krämpfen führen kann. Zeckensaison ist von April bis Oktober mit einem Häufigkeitsgipfel in den Monaten Juni und Juli.
- Im Süden Afghanistans und im Südosten Irans (Provinz Sistan-Baluchistan) treten ganzjährig vereinzelte Fälle von Krim-Kongo-Fieber auf. Das auslösende Virus wird von Nutztieren (Schafen, Ziegen, Rindern, Kamelen) durch Zecken auf den Menschen übertragen und kann zu Fieber mit teilweise lebensbedrohlichen Blutungen führen. Ebenfalls durch Zecken übertragen wird ein Virus, das die sog. Kyasanur-Wald-Krankheit auslöst. Ende des Jahres 2003 wurden mehrere Hundert Erkrankungsfälle, darunter auch Todesfälle, aus dem Shimoga-Distrikt (Bundesstaat Karnataka) in Indien gemeldet. Die Erkrankung geht mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und bei schwerwiegenderen Verläufen mit Blutungen im Nasen-, Rachenraum bzw. Magen-Darm-Kanal einher. Eine weitere fieberhafte Erkrankung, die von Zecken übertragen wird, ist das sog. Endemische Rückfallfieber. Rückfallfieber ist eine Borrelienerkrankung und zeichnet sich durch periodisch wiederkehrende Fieberschübe aus. Fälle sind aus Afghanistan, Indien und Iran bekannt.
- Die Pest kommt unter Nagetieren regelmäßig in Indien (Maharashtra, Gujarat) und Kasachstan vor. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt meist indirekt über Flöhe. Unterschieden werden vier Formen der Krankheitsausprägung: Beulenpest (Bubonenpest), Pestsepsis, Lungenpest und abortive Pest. Pesterkrankungen bei Menschen sind heute eher selten.