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Sub-Sahara Afrika

Gesundheitsrisiken für den Reisenden

Stand: 1. Dezember 2006Autor: Onmeda-Redaktion

Zentralafrika ist weltweit einer der traurigen Spitzenreiter hinsichtlich Infektionskrankheiten und Gesundheitsgefahren. Zwar treten viele Infektionen örtlich begrenzt auf und beschränken sich vor allem auf ländliche Gebiete. Dennoch sollten Reisende in die Länder Zentralafrikas unbedingt über drohende Infektionskrankheiten informiert sein und die allgemeinen und speziellen Impfempfehlungen beachten. Insbesondere Reisende, die sich z.B. aus beruflichen Gründen häufig oder länger in einem zentralafrikanischen Land aufhalten, selbstständig reisen (z.B. Rucksacktouristen) oder von vornherein gesundheitliche Probleme haben, sind einem erhöhten Infektions- und Erkrankungsrisiko ausgesetzt und sollten sich gut auf die Reise vorbereiten.

Gesundheitsrisiken durch Insekten

Hauptüberträger für Infektionskrankheiten in Zentralafrika sind Insekten und Spinnentiere. Schutz vor Insektenstichen bieten spezielle Insektenschutzmittel, Insektennetze und bedeckende Kleidung. Folgende durch Insekten oder Spinnentiere übertragbare Infektionskrankheiten sollten Reisenden bekannt sein:

  • In den meisten Ländern Zentralafrikas ist das Infektionsrisiko für Malaria in ländlichen Regionen ganzjährig sehr hoch. Die Seychellen gelten als das einzige Malaria-freie Land. In Kap Verde besteht lediglich auf der Insel Sao Tiago ein minimales Infektionsrisiko. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken weltweit jährlich 300 bis 500 Millionen Menschen an Malaria, wobei rund 90% dieser Erkrankungen in Afrika, südlich der Sahara auftreten. Mehr als 1 Million Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen der Infektion. In den letzten zwei Jahren nahm die Anzahl an Malariafällen unter Reisenden aus zentralafrikanischen Ländern (v.a. Gambia und Senegal), darunter auch deutschen Touristen, stark zu. Dies wird u.a. darauf zurückgeführt, dass das Infektionsrisiko und die möglichen Folgen einer Erkrankung unterschätzt und entsprechend nur mangelhafte Vorbeugemaßnahmen ergriffen werden. Grundsätzlich wird deshalb empfohlen, bei Reisen nach Zentralafrika für ausreichenden Mückenschutz zu sorgen. Hinsichtlich der medikamentösen Prophylaxe gegen Malaria sind bei dem zuständigen Arzt bzw. städtischen Tropeninstitut unbedingt Erkundigungen nach der jeweils aktuellen Situation im Reiseland einzuholen.
  • Eine Infektion mit Fadenwürmern, sog. Filarien, führt zur Ausbildung einer Filariose. Filarien werden durch Mücken auf den Menschen übertragen. Sie sammeln sich bevorzugt im Bindegewebe verschiedener Organe und in den Lymphgefäßen an und verursachen je nach Art des Erregers unterschiedliche Erkrankungen. Bei der Onchozerkose, hervorgerufen durch die Filarienart Onchocerca volvulus, kommt es zu schweren Hautveränderungen und Augenschäden bis hin zur Blindheit (s. Flussblindheit). Der Erreger der Flussblindheit ist im tropischen Afrika weit verbreitet. Der auch als "Wanderfilarie" bezeichnete Parasit Loa loa kommt ausschließlich in den tropischen Regenwaldgebieten West, Zentral- und Ostafrikas vor. In besonders stark betroffenen Gebieten können bis zu 30% der Einwohner infiziert sein. Loa-Loa-Filarien wandern nach erfolgter Infektion im Bindegewebe umher und verursachen an Gliedmaßen, Gesicht und Rumpf Hautschwellungen ("Calabar-" oder "Kamerunschwellungen" genannt) und juckende Knötchen. Auch die Bindehaut des Auges kann befallen sein, Rötungen und Tränenfluss sind die Folge. Die sog. Bancroft-Filariose wird durch den Erreger Wuchereria bancrofti hervorgerufen und auch als "lymphatische Filariose" bezeichnet. Sie führt zu Fieber, Entzündung der Lymphknoten und erheblichen Schwellungen der Gliedmaßen, vor allem der Beine ("Elephantiasis").
  • Eine andere durch Insekten übertragbare Erkrankung ist die Leishmaniose. Leishmanien sind Parasiten, die durch die Weibchen von Schmetterlingsmücken, insbesondere den Sandmücken ("sand flies"), auf den Menschen übertragen werden und kutane ("Orientbeule") oder viszerale ("Kala-Azar") Leishmaniose auslösen können. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu Folge erkranken weltweit jährlich etwa 400.000 Menschen an viszeraler Leihmaniose, die in den meisten Fällen tödlich endet. Zu den weltweit am stärksten von viszeraler Leishmaniose betroffenen Gebieten zählt der Süden Sudans, eine touristisch nicht zugängliche Region. Hier sind regelrechte Epidemien der Erkrankung zu beobachten.
  • Die Schlafkrankheit wird durch Tsetsefliegen übertragen. Sie tritt ausschließlich in Afrika auf. Besonders hoch ist die Erkrankungsrate im Norden Angolas, im Tsavo-Nationalpark Kenias, im Kongo (zentrale Landesteile entlang des Kongo), in Teilen Sambias und in den Serengeti-Gebieten der Vereinigten Republik Tansania. In Burkina Faso, Guinea, Kamerun, Liberia, Malawi, Senegal, Sierra Leone, Simbabwe, Togo, Tschad und der Zentralafrikanischen Republik kommt der Erreger der Schlafkrankheit landesweit vor. Vereinzelte Herde mit relativ geringem Infektionsrisiko finden sich in Äquatorialguinea, Äthiopien (v.a. im Westen unter 2000 m Höhe), Benin, Elfenbeinküste, Gabun, Guinea-Bissau, Mali (v.a. Koulikero, Sikasso), Mosambik (Provinz Tete), Ruanda (v.a. im Westen), Sudan (v.a. im Süden) und Uganda (nördlich der Seen Viktoria und Edward). In Uganda entstand nach Meldungen der International Society for Infectious Diseases (ISTM) Ende August 2005 durch die starke Ausbreitung des Erregers im Kaberamaido Distrikt ein neues Risikogebiet. Auch für Touristen besteht ein Infektionsrisiko. So erkrankt nach Angaben der CDC (Centers for Disease Control and Prevention) jedes Jahr mindestens ein Tourist an der Schlafkrankheit. Vor allem Besuchern der ostafrikanischen Nationalparks wird zum Schutz das Tragen langer Kleidung empfohlen. Allerdings ist zu beachten, dass Tsetsefliegen durch dünneren Stoff hindurch stechen können.
  • Die Pest kommt bei wildlebenden Nagetieren in weiten Teilen Zentralafrikas endemisch, also regelmäßig, jedoch in der Regel auf ein bestimmtes Gebiet begrenzt, vor. Die krankheitserregenden Bakterien (Yersinia pestis) können beim Menschen lebensbedrohliche Erkrankungen hervorrufen. Unterschieden werden vier Formen der Krankheitsausprägung: Beulenpest (Bubonenpest), Pestsepsis, Lungenpest und abortive Pest. Die Übertragung der Pesterreger vom Nagetier auf den Menschen erfolgt meist indirekt über Flöhe, die Lungenpest ist auch direkt von Mensch zu Mensch übertragbar. Pesterkrankungen treten beim Menschen heute nur noch sporadisch auf. Bekannt sind Fälle aus Kenia (Süden), der Demokratischen Republik Kongo, Madagaskar, Malawi (Nsanje-Distrikt), Mosambik (Provinzen Tete und Zambezia), Sambia (v.a. Southern Province), Simbabwe (Matabeleland North), der Vereinigten Republik Tansania (Tanga-Provinz am Westhang der Usambara-Berge) und Uganda (im Landesinneren, v.a. Nebbis-Distrikt). Madagaskar gilt mit schätzungsweise 2.000 Fällen pro Jahr weltweit als das Land mit den meisten Pesterkrankungen (Provinzen Antananarivo, Antsiranana, Fianarantsoa, Mahajanga, Toamasina). Da die Pest, wird sie rechtzeitig erkannt und behandelt, heilbar ist, sollten sich vor allem Rucksackreisende über diese Erkrankung vor Reiseantritt ausreichend informieren. Aktuelles: Zuletzt wurden vereinzelte Fälle von Pest aus den Regionen Ndamera und Chimombo im Nsanje-Distrikt von Malawi gemeldet. (Stand: Dezember 2006)
  • In Zentralafrika verbreitet sind Borrelienarten, die so genanntes endemisches Rückfallfieber verursachen können. Die Übertragung der Borrelien auf den Menschen erfolgt durch Zecken. Rückfallfieber zeichnet sich durch periodisch wiederkehrende Fieberschübe aus.
  • In den meisten Ländern Zentralafrikas treten regelmäßig Gelbfieber-Epidemien auf. Die Erkrankung wird durch Mücken übertragen und geht mit hohem Fieber, Blutungen und Blutgerinnungsstörungen einher. Als Gelbfiebergebiete gelten Angola, Äquatorialguinea, Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Gabun, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kamerun, Kenia, Kongo, Liberia, Mali (südlich von 15° nördlicher Breite), Niger (südlich von 15° N), Nigeria, Ruanda, Sambia, São Tomé und Prìncipe, Senegal, Sierra Leone, Somalia, Sudan (südlich von 12° N), Tansania, Togo, der Süden von Tschad, Uganda und die Zentralafrikanische Republik.
  • In Angola, Äthiopien, Burkina-Faso, Dschibuti, Elfenbeinküste, Gabun, Ghana, Guinea, Kap Verde, Kenia, Komoren, Mauritius, Mosambik, Nigeria, Ruanda, Sambia, São Tomé und Prìncipe, Senegal, den Seychellen, Sierra Leone, Somalia, Sudan, Tansania und Togo tritt das sog. Dengue-Fieber auf. Die Krankheit wird von Mücken übertragen und kann mit lebensbedrohlichen Blutungen und Blutgerinnungsstörungen einhergehen.
  • Auf Mauritius traten im Jahr 2006 vermehrt Krankheitsfälle mit Chikungunya auf. Auch ein deutscher Tourist war davon betroffen. Die Erkrankung wird durch Viren ausgelöst, die von tag- und nachtaktiven Mücken übertragen werden. Sie geht mit hohem Fieber, Hautrötung und extrem starken Muskel- und Gliederschmerzen einher. Häufig nehmen die Betroffenen wegen der Schmerzen eine gekrümmte Schonhaltung ein, daher der Name Chikungunya - "sich zusammenkrümmen".
  • In Mauretanien tritt sporadisch das so genannte Krim-Kongo-Fieber auf. Zuletzt wurden im März 2003 mehrere Fälle in der Gegend um Nouakchott beobachtet. Das Virus wird von Nutztieren (Schafen, Ziegen, Rindern, Kamelen) über Zecken auf den Menschen übertragen.
  • In Äquatorialguinea werden regelmäßig Fälle der Japanischen Enzephalitis beobachtet. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung des Gehirns, die von Mücken übertragen wird. Eine Infektion führt zwar nur selten zur Erkrankung, diese jedoch ist mit einer hohen Sterblichkeit verbunden. Eine Schutzimpfung gegen Japanische Enzephalitis ist möglich.
  • Große Bedeutung hat Bilharziose, eine Infektion mit Pärchenegeln (Schistosoma). Die Infektion erfolgt über Schwanzlarven der Egel, die Zerkarien genannt werden. Diese schwimmen im Süßwasser umher und dringen bei Kontakt mit einem Menschen in dessen Haut ein. Verschiedene Erkrankungserscheinungen wie Fieber, Hautveränderungen, Kopf- und Gliederschmerzen, Bauchschmerzen, Störungen der Harnblasenfunktion sowie Schädigungen der Lunge, der Leber, des Herzens oder des Gehirns können die Folge sein. Bilharziose ist in Zentralafrika weit verbreitet. Reisende werden deshalb im Allgemeinen davor gewarnt, in Seen und Flüssen zu baden.
  • Sandflohfieber ist eine juckende Hautkrankheit, die durch Befall mit Sandflöhen ausgelöst wird und in ganz Afrika verbreitet ist.

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