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Forenexperte: Dr. Tomas Jelinek
Forum Reisemedizin
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Stand: 10. Oktober 2007Autor: Onmeda-Redaktion
Da sich der Umgebungsdruck mit zunehmender Höhe reduziert, dehnen sich im Körper eingeschlossene Gase aus. Gesunde Menschen haben mit dieser Veränderung in der Regel keine Probleme, jedoch können unter bestimmten Bedingungen beziehungsweise bei bestehenden Vorerkrankungen Beschwerden auftreten.
Passagiere mit Lungen-Ventilationsstörungen, mit einem gestörten Sauerstofftransfer oder einer Anämie können aufgrund des verringerten Sauerstoffpartialdrucks eine Hypoxie erleiden. Unter Hypoxie versteht man eine Erniedrigung des Sauerstoffpartialdrucks im arteriellen Blut beziehungsweise eine verminderte Sauerstoffversorgung des gesamten Organismus oder einzelner Organe. Auch Passagiere mit einer pulmonalen Hypertonie, also einem erhöhten Blutdruck im Lungenkreislauf, sowie mit einer Herzinsuffizienz sind gefährdet. In diesen Fällen sollte man vor einem längeren Flug unbedingt einen Arzt zu Rate ziehen. Falls erforderlich, kann man betroffenen Passagieren während des Flugs eine Sauerstoffflasche oder Ähnliches zur Verfügung stellen.
Nach allgemein-chirurgischen Eingriffen, besonders aber nach Eingriffen an den Augen und im HNO-Bereich kann es aufgrund der Druckdifferenz der Nasennebenhöhlen zum Flugzeuginneren zu Problemen, vor allem starken Schmerzen, kommen. Daher sollten Personen mit einer HNO-Erkrankung vor dem Flug vorsichtshalber den Arzt zu Rate ziehen.
Infekte der oberen Luftwege sowie ein Ileus, also eine Störung der Darmpassage, können ebenfalls zu Beschwerden führen. Blähende Speisen und kohlensäurehaltige Getränke sollte man an Bord nach Möglichkeit vermeiden. Personen, die am Darm operiert wurden, sollten mit dem nächsten Flug warten, bis die Operationswunde vollständig verheilt ist.
Auch kranke Zähne können in der Höhe zum Problem werden, weil sich die Durchblutung bei niedrigerem Umgebungsdruck verändert: Durch schlecht verarbeitete Füllungen oder einer Erkrankung des Zahnmarks (Pulpa) kann es zu druckbedingten Zahnschmerzen (sog. Barodontalgie) kommen.
Menschen, die unmittelbar nach einem Tauchurlaub ein Flugzeug besteigen, sind in einem erheblichen Maß gefährdet, die so genannte Dekompressionskrankheit (Caissonkrankheit) zu erleiden. Diese sehr ernste Erkrankung hat ihre Ursache in einem zu schnellen Ausperlen des unter erhöhtem Wasserdruck im Organismus gelösten Stickstoffs. Um derartige, möglicherweise dramatische Folgen, zu vermeiden, ist es unerlässlich, sich vor dem Rückflug in entsprechenden Tauchtabellen über die notwendigen Erholungszeiten zu informieren. Nach dem Tauchgang sollte man für mindestens 24 Stunden nicht fliegen, nach dekompressionspflichtigen Tauchgängen länger.
Aufgrund der Tatsache, dass ein großer Teil der aktuell vorhandenen Luft "verbraucht" und wieder aufbereitet ist, ist es nicht zu vermeiden, dass sich in der Luft befindliche Keime in der gesamten Maschine ausbreiten können. Das Risiko, sich auf diese Weise eine Infektion zuzuziehen ist allerdings nicht höher als zum Beispiel im Freien. Durch die niedrige Luftfeuchtigkeit im Flugzeug werden Mikroorganismen rasch unschädlich gemacht.
Natürlich sollten Menschen, die an infektiösen Erkrankungen leiden, die über die Luft übertragbar sind, aus Rücksicht auf ihre Mitmenschen auf Flugreisen verzichten oder zumindest dafür sorgen, dass andere nicht gefährdet werden können. Besonders sorgfältig sollten Organtransplantierte eine Flugreise planen.
Aus verschiedenen Gründen kann es zu einem (plötzlichen) Druckabfall in der Kabine eines Flugzeugs kommen. In größeren Höhen muss in einem solchen Fall mit schweren Folgen bis hin zum Tod der Passagiere und der Crew gerechnet werden. Aus diesem Grund besitzt jedes Flugzeug eine von der sonstigen Luftversorgung unabhängige Luftversorgung. Diese Luft besteht zu einem hohen Anteil aus reinem Sauerstoff. Bei einem Luftdruckabfall fallen dazu spezielle Masken, die sich über den Passagiersitzen befinden, automatisch heraus. Ihre Benutzung und Funktion wird vor jeden Flug von der Crew oder oft auch über Monitore für die Passagiere demonstriert. Je nach Flughöhe wird eine Person nach wenigen Sekunden bis Minuten ohnmächtig, wenn sie nicht zusätzlich mit Sauerstoff versorgt wird.
Die sich im Blut und anderen Körperflüssigkeiten befindlichen gelösten Gase können sehr schnell ausgasen, was unter anderem zu lebensbedrohlichen Embolien führen kann. Dieser Vorgang wird als Ebullismus bezeichnet und ist vom Tauchen her als Dekompressionskrankheit (Caissonkrankheit) bekannt.
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