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Stammzellen aus Nabelschnurblut

Autor: Onmeda-Redaktion

Allgemeines

Wohl alle Eltern wünschen sich für ihr Baby ein Leben ohne Sorgen und Krankheiten. Seit einigen Jahren scheint die moderne Medizin eine Chance zu bieten, diesem elterlichen Wunsch ein wenig nachzuhelfen: Forschung an Stammzellen, die man nach der Geburt ohne großen Aufwand aus dem Nabelschnurblut entnehmen kann, eröffnen zukünftige Therapiemöglichkeiten.

Man sieht ein kleines Baby auf einer Babywaage.

Ursprünglich hat man Stammzellen vor allem aus Knochenmark gewonnen. Daneben ist es möglich, Stammzellen aus dem Blut herauszufiltern. Mittlerweile arbeiten Ärzte auch mit Stammzellen aus Nabelschnurblut. Aber was sind Stammzellen überhaupt?

Alle Stammzellen – egal ob sie aus Knochenmark, Nabelschnurblut oder anderen Quellen stammen – sind eine Art Ausgangsform von Körperzellen: Sie erfüllen noch keine bestimmte Aufgabe, können sich aber durch Zellteilung in spezialisierte Zellen wie beispielsweise Haut- oder Nervenzellen entwickeln (d.h. sich differenzieren). Somit spielen Stammzellen im menschlichen Körper eine Rolle bei der Reparatur beschädigter Gewebe. Man unterscheidet zwei Typen von Stammzellen:

  • Embryonale Stammzellen finden sich nur in befruchteten Eizellen beziehungsweise Embryonen. Man bezeichnet sie im frühen Stadium als totipotente (d.h. alle Entwicklungsmöglichkeiten in sich tragende) Stammzellen, weil sie die Fähigkeit haben, sich in jeden Zelltyp des Körpers zu entwickeln. Später ist ihre Fähigkeit zur Differenzierung begrenzter – dann sind es pluripotente (d.h. mehrere Entwicklungsmöglichkeiten in sich tragende) Stammzellen.
  • Adulte Stammzellen sind in Gewebe ausgereifter Organe, im Knochenmark oder (in geringer Menge) auch im Blut enthalten. Ihre Differenzierungsmöglichkeiten sind noch begrenzter als die von embryonalen Stammzellen: Manche adulten Stammzellen sind multipotent (d.h. sie tragen viele Entwicklungsmöglichkeiten in sich), andere können sich nur zu ganz bestimmten Gewebszellen entwickeln.

Stammzellen aus Nabelschnurblut gehören also zu den adulten Stammzellen. Anders als andere adulte Stammzellen, deren Anzahl und Vitalität sich mit zunehmendem Alter verringert, sind die aus Nabelschnurblut gewonnenen Stammzellen sehr jung und vital – sie können sich noch deutlich häufiger teilen.

Neben Stammzellen, aus denen sich zum Beispiel Knorpel, Muskeln oder Gefäße entwickeln können, enthält das Nabelschnurblut vor allem sogenannte hämatopoetische Stammzellen (bzw. Blutstammzellen), die als multipotente Stammzellen in der Lage sind, sich durch Teilung in verschiedene spezialisierte Zellen zu entwickeln – zum Beispiel in rote und weiße Blutkörperchen oder Blutplättchen. Auch eine Differenzierung in Muskel-, Knochen- oder Leberzellen kann möglich sein – allerdings findet diese Fähigkeit bislang beim Menschen keine therapeutische Verwendung.

Stammzellen aus Nabelschnurblut kommen vor allem zur Therapie von Leukämie (Blutkrebs), Erkrankungen des Lymphsystems sowie in Zukunft möglicherweise zur Behandlung von Diabetes mellitus oder Autoimmunerkrankungen wie multiple Sklerose zum Einsatz. Die Menge der Stammzellen, die man aus dem Restblut der Nabelschnur gewinnen kann, reicht in der Regel vor allem für die Behandlung von Kindern aus. Es ist jedoch auch möglich, für die Behandlung Erwachsener Stammzellen aus mehreren Nabelschnurblutspenden einzusetzen.

Der Einsatz von Stammzellen aus Nabelschnurblut bei chronischen Herzerkrankungen, Parkinson, Rückenmarksverletzungen, Alzheimer und Diabetes mellitus befindet sich noch in der Forschungsphase. Es ist anzunehmen, dass Stammzellen in der Lage sind, zerstörtes Gewebe künstlich nachwachsen zu lassen. Verletzte oder zerstörte Organe könnte man auf diese Weise theoretisch ersetzen.

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