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Normale Geburt

Faktoren

Stand: 2. September 2010Autor: Onmeda-Redaktion

Geburtskanal

Der Geburtskanal besteht aus dem knöchernen Becken und einem sogenannten Weichteilansatzrohr (Gebärmutterhals, Scheide, Beckenboden). Der Beckeneingang ist queroval, die Beckenmitte ist rund und der Beckenausgang längsoval. Die knöchernen Verhältnisse im kleinen Becken sind für den eigentlichen Geburtsvorgang entscheidend.

Während der Passage durch den Geburtskanal passt sich das Kind durch eine schraubenartige Drehung diesen anatomischen Vorgaben an. Die Weite des Beckeneingangs gibt vor, ob eine normale Geburt überhaupt möglich ist. Der Abstand zwischen der Hinterkante des Schambeins und der Oberkante des Kreuzbeins sollte mindestens elf Zentimeter betragen, allerdings besteht sowohl im mütterlichen Becken, als auch durch die noch nicht miteinander verwachsenen kindlichen Schädelknochen, eine gewisse Flexibilität.

Unter der Geburt sind die Iliosakralgelenke und die beiden Schambeinäste durch hormonelle Einflüsse in gewissen Grenzen beweglich. Diese Lockerung des Beckenrings kann den Abstand um bis zu einem Zentimeter vergrößern. Das Steißbein kann während der Geburt zusätzlich um etwa zwei Zentimeter nach hinten ausweichen.

Lage und Anatomie des Kindes

Der bei der Geburt entscheidende Teil des Kindes ist aufgrund seiner Größe der Kopf. Er kann sich jedoch etwas verformen und dem engen Geburtskanal anpassen.

Bei einer vorgeburtlichen Untersuchung können die genaue Lage und die Strukturen des Kopfes und die Achse, in der sich das Kind befindet (längs oder quer) festgestellt werden. Der mit dem Kinn auf den Brustkorb gebeugte Kopf hat den kleinsten Umfang und benötigt demzufolge den geringsten Raum.

Der übrige Körper des Kindes nimmt während der Geburt durch die dabei wirkenden Kräfte die Form eines Zylinders (Geburtswalze) an. Dabei liegen die Arme gekreuzt vor dem Brustkorb, die Schultern sind in Richtung Hals nach oben geschoben und die Oberschenkel sind stark gebeugt und überkreuzt an den Bauch gepresst.

Die kindliche Körperachse kann zur Achse der Mutter längs (99 % aller Geburten), schräg oder quer (1 % aller Geburten) ausgerichtet sein. Bei den Längslagen wird zwischen der Schädellage und der seltenen Beckenendlage, bei der das Kind mit dem Kopf nach oben liegt, unterschieden. Nur aus den Längslagen ist eine normale Geburt möglich.

Wehentätigkeit

Als Wehen werden die rhythmischen Kontraktionen der Gebärmutter bezeichnet. Wehen, die vor der 30. Schwangerschaftswoche auftreten, werden als Schwangerschaftswehen bezeichnet. Sie sind schmerzlos und werden von Schwangeren als unregelmäßige Verhärtung des Bauchs gefühlt. Etwa drei bis vier Wochen vor der Geburt treten unregelmäßige und leicht schmerzhafte Senk- und Vorwehen auf. Durch sie können sich die unteren Gebärmutteranteile und der Gebärmutterhals entfalten. Die Vorwehen drücken den Kopf des Kindes fest in den Beckeneingang.

Der Übergang von den Vorwehen in die Geburtswehen während der Geburt ist fließend. Häufigkeit und Stärke der Wehen nehmen bei der normalen Geburt zu, je weiter der Muttermund sich öffnet. Nach jeder Kontraktion kehren die Muskelfasern der Gebärmutter nicht mehr auf ihre ursprüngliche Länge zurück, sondern bleiben etwas verkürzt.

In der Eröffnungsperiode treten innerhalb von zehn Minuten eine bis drei Wehen auf, in der Austreibungsperiode bis zu fünf Wehen je zehn Minuten. Der Druck, der durch die Wehen ausgelöst wird, wird in der Austreibungsperiode zusätzlich durch die Mitwirkung der Bauchmuskulatur (Bauchpresse) erhöht.

Nach der Geburt treten die sogenannten Nachwehen auf, durch welche der Mutterkuchen (Plazenta) ausgestoßen wird.

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