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Forenexpertin: Dr. Sabine Ellinger
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Stand: 29. Oktober 2010Autor: Onmeda-Redaktion
Bestimmte probiotische Bakterien überleben die Passage durch den Magen mit seiner Magensäure sowie die Angriffe von Verdauungsenzymen und Gallensäuren im Darm in hoher Zahl. So können sie sich in der dort vorhandenen Darmflora, die aus etwa 500 verschiedenen Arten an Mikroorganismen besteht, behaupten. Dies kann gesundheitsförderliche Auswirkungen haben. Da sie sich nicht dauerhaft ansiedeln, müssen probiotische Produkte regelmäßig verzehrt werden.
Probiotika haben verschiedene positive Effekte. Studienergebnissen zufolge beeinflussen sie den Stoffwechsel im Darm positiv und führen dazu, dass nützliche Darmbakterien sich vermehren können. Probiotika stellen zum Teil auch Abwehrstoffe her und unterstützen so bei der Erregerabwehr. Sie geben außerdem Stoffe ab, von denen die Darmschleimhaut profitiert. Im Tierversuch konnte diese sich durch Probiotika schneller erneuern.
Die Zeit, die der Nahrungsbrei von der Aufnahme der Nahrung bis zur Ausscheidung benötigt, bezeichnet man als Transitzeit. Wer eine eher langsame Verdauung und dadurch eine längere Transitzeit hat, kann diese mithilfe bestimmter Probiotika möglicherweise beschleunigen und somit einer "trägen Verdauung" entgegenwirken. Denn probiotische Bakterienkulturen können dazu beitragen, dass die Nahrung den Darm bei einer langsamen Verdauung schneller passiert. Nach 14-tägigem Verzehr eines bestimmten probiotischen Produkts mit Bifidobakterien verkürzte sich laut einer Studie die Transitzeit bei über 60-Jährigen beispielsweise um bis zu 40 Prozent.
Die Darmwand stellt eine mechanische Barriere für Mikroorganismen dar. Nur winzige Moleküle wie Nährstoffe, Elektrolyte und Wasser sollten sie im Idealfall überwinden können. Bei einigen chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (wie Colitis ulcerosa) ist die Zellschicht der Darmwand jedoch "durchlässiger". Krankheitserreger oder ihre abgegebenen Gifte können dadurch leichter eindringen und gesundheitliche Probleme hervorrufen. Für einige Probiotika (Lactobacillus casei DN-114 001) konnte im Experiment gezeigt werden, dass sie den Zellverband der Darmwand stärken und die Barriere dadurch besser "abdichten".
Die Darmflora stellt außerdem bereits selbst einen Schutz gegen Erreger dar. Etwa 500 Arten mit insgesamt mehr als 10 Billionen Organismen haben sich in einer gesunden Darmflora an der Darmwand angeheftet. Dies bewirkt, dass andere, krankmachende Mikroorganismen sich nicht so leicht ansiedeln können. Probiotische Bakterien unterstützen eine gesunde Darmflora und erschweren damit eine Ansiedlung der Eindringlinge zusätzlich.
Die Vielzahl an Bakterien in der Darmflora trainiert außerdem das darmeigene Immunsystem, das sogenannte GALT (gut-associated lymphoid tissue). Über 70 Prozent aller Immunzellen befinden sich im Darm. Im Kampf gegen mögliche Krankheitserreger prüft das darmeigene Abwehrsystem ständig Zellbestandteile der in der Darmflora lebenden Bakterien sowie der Mikroorganismen, die mit dem Nahrungsbrei den Darm passieren. So bleibt es ständig fit und kann im Fall einer Bedrohung rasch eingreifen. Einige Probiotika scheinen sich hier förderlich auf das Immunsystem auszuwirken – Experten nennen dies modulieren. Wie das genau geschieht, ist noch nicht im Detail erforscht.
Dass probiotische Lebensmittel einen positiven Effekt auf die Immunantwort haben können, konnte eine Studie mit älteren Menschen bekräftigen: Eine Gruppe der Studienteilnehmer nahm über mehrere Wochen zweimal täglich ein probiotisches Getränk mit Laktobazillen (Lactobacillus casei DN-114 001) zu sich; eine Kontrollgruppe erhielt keine Probiotika. Nach vier Wochen wurden die Senioren gegen Grippe geimpft. Einige Wochen später untersuchte man die Antikörperlevel im Blut der Testteilnehmer und fand heraus, dass Probanden, die zuvor regelmäßig das probiotische Getränk genossen hatten, deutlich höhere Antikörperlevel besaßen und somit auch eine bessere Immunantwort aufwiesen.
Probiotika scheinen auch den Verlauf von Atemwegsinfekten beziehungsweise Erkältungskrankheiten positiv zu beeinflussen. In Studien, in denen Kinder und ältere Menschen über die Wintermonate dreimal täglich einen probiotischen Milchtrunk (mit Laktobazillen) verzehrt hatten, traten solche Infekte etwas seltener auf. Bereits nach einer dreimonatigen Einnahme verliefen die Erkrankungen zudem um bis zu zwei Tage kürzer und milder. Allerdings konnte dies bislang nur für bestimmte Probiotikakulturen beziehungsweise probiotische Produkte gezeigt werden.
Nachweislich können bestimmte Probiotika beziehungsweise probiotische Produkte das Auftreten und die Dauer von Durchfällen, die durch bestimmte Bakterien, Viren (z.B. Rotaviren) oder andere Gründe verursacht werden, verringern. Nach einer Antibiotika-Therapie etwa ist die Darmflora häufig aus dem Gleichgewicht geraten, da durch die Antibiotika nicht nur die Krankheitserreger, sondern auch viele Bakterien aus der Darmflora abgetötet werden. In der Folge kann es zu Durchfällen kommen, auch weil sich unerwünschte Eindringlinge nun leichter ansiedeln können. Einige Probiotika können hier helfen, die Darmflora wieder aufzubauen und die Durchfalldauer zu verkürzen. Vor allem probiotische Laktobazillen erwiesen sich hier als hilfreich.
Auch für Personen, die Beschwerden in Verbindung mit Reizdarm auftreten, können Probiotika hilfreich sein. Insbesondere, wenn es im Rahmen des Reizdarm-Syndroms häufig zu Verstopfung kommt.
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