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Interview zum Thema Ernährung

Seite 3 von 3

Stand: 9. Juni 2010Autor: Onmeda-Redaktion

"Hören Sie sich beim Essen zu! "

Onmeda: Kommen wir zurück auf das Essverhalten: Was raten Sie all jenen, die tatsächlich das Gefühl des "echten Hungers" nicht mehr kennen?

Uwe Knop: Diesen Menschen helfen vier ganz einfache Regeln: Erstens: Verbannen Sie alles Wissen zu "gesundem" Essen aus Ihrem Kopf! Wählen Sie Lebensmittel nicht nach rationalen Kriterien aus, sondern weil sie Ihnen gut schmecken. Zweitens: Durchbrechen Sie Routinen! Beispielsweise frühstücken Sie nicht, wenn Sie keinen Hunger haben, nur weil es "ja so gesund ist". Drittens: Reizen Sie Ihr Hungergefühl aus! Essen Sie nicht sofort, wenn Sie denken, Sie sind hungrig. Warten Sie, bis Sie Ihren echten Hunger richtig spüren. Viertens: Hören Sie sich beim Essen zu! Kommt das wohlige "mmmhhhh"-Stöhnen aus der Tiefes des Bauches bis über Ihre Lippen, dann belohnt Ihr Körper Sie, weil Sie den echten Hunger mit dem richtigen Essen stillen; in Gesellschaft stöhnt man oft nur innerlich.

Onmeda: Am wohligen Stöhnen soll man erkennen, das Richtige zur richtigen Zeit zu essen?

Das Bild zeigt eine Person, die Schokolade isst.
Ein Traum vieler: Beherzt in die Schokolade beißen.

Uwe Knop: Davon können Sie ausgehen. Wenn der Körper etwas Schönes genießt und dieses "Verwöhnprogramm" mit guten Gefühlen belohnt, äußert sich das auch hörbar – durch "Stöhnen". Wer sein Essen nicht vor Wonne leicht stöhnend genießt, wenn auch "umweltbedingt" nur innerlich, sollte Folgendes bedenken: Entweder ist der echte Hunger noch nicht groß genug und man isst vielleicht nur, weil gerade Mittagspause ist und alle essen. Oder man isst das Falsche, weil nicht die gefühlten Signale Hunger und Lust das körperlich benötigte, richtige Essen wählen, sondern Mangel, gesellschaftliche Rücksichtnahme oder vermeintlich "gesunde" Kriterien vernunftgesteuert eine andere Mahlzeit bestimmen. Kurzum: Wer stöhnt, isst recht.

Onmeda: Heutzutage arbeiten die meisten Menschen im Büro, bewegen sich wenig und verbrauchen verhältnismäßig wenig Kalorien. Könnte es nicht sein, dass das Stöhnen wie ein Programm aus "alten Zeiten" abläuft, das ursprünglich als Belohnung nach hohem Energieverbrauch durch körperliche Arbeit gedacht war?

Uwe Knop: Das Wohlgefühl, was Sie stöhnen lässt, ist die körperliche Belohnung dafür, dass Sie sich mit dem richtigen Essen am Leben erhalten. Dieses Stöhnen ist also ein ganz elementares Körpersignal, das selbstverständlich noch heute "gilt". Ob Sie akut viel Energie brauchen oder weniger, das spielt für Ihren Körper dabei keine Rolle. Wenn Menschen nur mit echtem Hunger essen, wird ein Bauarbeiter sicher mehr essen als ein Pförtner oder ein Buchhalter. Wichtig ist der echte Hunger und satt essen.

"In der Ernährungsforschung gibt es keine abschließenden Beweise"

Onmeda: Die Vorstellung, dass man bei echtem Hungergefühl isst, worauf man Lust hat, klingt verführerisch. Wie können Sie belegen, dass sich alles vernünftig einpendelt und der Körper wirklich mit der Zeit erkennt, jetzt brauche ich dies, morgen das? Gibt es hierzu Studien?

Uwe Knop: Der gesunde Mensch, der isst, wenn er echten Hunger hat – der mündige Essbürger –, das ist der lebende Beweis. Fragen Sie mal die Menschen, die sich frei von irgendwelchen Ernährungsregeln nach Hunger und Lust ernähren: Denen geht es meist gut, ihr Vertrauen in ihre Körpergefühle lässt sie intuitiv gesund essen.

Onmeda: Aber das heißt ja nicht unbedingt, dass diese Personen tatsächlich gesünder sind, also etwa seltener übergewichtig werden und in der Folge eventuell Diabetes bekommen oder an Bluthochdruck und Arterienverkalkung leiden.

Uwe Knop: Wichtig ist das grundsätzliche Vertrauen in die eigenen Körpergefühle: Jeder sollte ein Gespür für den "Zustand" seines Körpers entwickeln, denn "Übergewicht" allein macht nicht zwangsläufig krank. Ganz im Gegenteil – immer mehr große Analysen der verfügbaren wissenschaftlichen Literatur zeigen, dass gerade die "Übergewichtigen" die höchste Lebenserwartung haben. Also sollte unabhängig vom Gewicht gelten: Seien Sie ehrlich zu sich selbst, und wenn Sie sich häufiger nicht gut und gesund fühlen, dann gehen Sie zum Arzt. Darüber hinaus kann jeder gesunde Bundesbürger zum Beispiel jährlich einen allgemeinen Gesundheitscheck in einem der besten Gesundheitssysteme der Welt in Anspruch nehmen – Bluthochdruck und Diabetes kommen nicht über Nacht und können so frühzeitig erkannt werden, auch wenn man sich subjektiv noch gesund fühlt und es einem gut geht.

Onmeda: Lässt sich dieses "Gutgehen" eigentlich irgendwie wissenschaftlich fundiert messen?

Uwe Knop:Wenn Sie den harten Wissenschaftsnachweis des "Gutgehens durch intuitives Essen" wünschen: Nein, ein solches "Messverfahren" existiert meiner Kenntnis nach nicht. Und bezogen auf die Ernährungsforschung gilt generell: Es gibt keine abschließenden Beweise. Und die wird es auch nach den höchsten Kriterien der Wissenschaft nie geben: Keiner wird eine Studie durchführen können, die alle Voraussetzungen der sogenannten evidenzbasierten Medizin erfüllt und dann den Stein der "Ernährungsweisen" findet. Das gilt selbstverständlich auch für meine These. Deshalb sage ich ja auch nicht: In meinem Buch finden Sie die neue Esswahrheit! Nein, Hunger & Lust soll vielmehr zum kritischen Nachdenken und Hinterfragen anregen, es soll den Menschen ihre persönliche Wahl erleichtern. Jeder mündige Essbürger sollte selbst entscheiden, ob er Ernährungsregeln glaubt oder besser seinem Körper vertraut.

Onmeda: Herr Knop, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Das Interview führte Dr. med. Fabian Weiland

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