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Nachtschattengewächse

Wirkungsweise

Stand: 12. April 2011Autor: Onmeda-Redaktion

Nachtschattengewächse verdanken ihre Wirkungsweise drei bewusstseinsverändernden Inhaltsstoffen, die sich sich in ihrer Wirkung ergänzen.

Atropin

Atropin ist chemisch gesehen eine Mischung (Racemat) aus D-Hyoscyamin und dem psychoaktiv wirksamen L-Hyoscyamin. Es wirkt erregend auf das zentrale Nervensystem. Dies äußert sich in einer allgemeinen Erregung mit motorischer Unruhe und erhöhter Herzfrequenz. Handlungsabläufe werden ständig wiederholt. Es kommt neben Rededrang, Euphorie und Tobsucht auch zu Weinkrämpfen, Irrereden und Halluzinationen. Die Haut rötet sich, die Schleimhäute trocknen aus. Außerdem erweitern sich die Pupillen und die Speichelsekretion nimmt ab. Schluckbeschwerden treten auf. Atropin kann zu Koma und tödlicher Atemlähmung führen.

L-Hyoscyamin

L-Hyoscyamin ist nach dem Bilsenkraut (Hyoscyamus niger) benannt, der Wirkstoff kommt jedoch auch in den meisten anderen Nachtschattengewächsen vor. Die Wirksamkeit ist deutlich stärker als die des Atropins. Beim Trocknen der Pflanze wandelt sich L-Hyoscyamin zum schwächer wirkenden Atropin um (Racemisierung). Deshalb wirken die getrockneten Pflanzen schwächer als frische.

Scopolamin

Scopolamin wirkt annähernd so wie Atropin, im Vergleich allerdings etwas beruhigender und dämpfender. Es lähmt die Magensaft- und Schweißabsonderung ebenso wie das zentrale Nervensystem. Der Wirkstoff sorgt für einen Zustand der Willenlosigkeit und Apathie, ähnlich wie bei einer Hypnose.

Diese psychoaktiven Wirkstoffe der Nachtschattengewächse verdrängen den körpereigenen Botenstoff (Neurotransmitter) Acetylcholin von seinen Rezeptoren im parasympathischen Nervensystem. Dadurch kann das Acetylcholin nicht mehr wirken, was zum Beispiel dazu führt, dass die Muskelspannung (Muskeltonus) abnimmt, die Herzfrequenz steigt und die Schweißdrüsen die Absonderung (Sekretion) von Schweiß drosseln.

Acetylcholin-Rezeptoren kommen in sehr vielen Organen und Organsystemen vor, das heißt durch die Verdrängung des Acetylcholin treten eine Vielzahl weiterer Erscheinungen auf, die unter dem Begriff des Zentralen anticholinergen Syndroms zusammengefasst werden.

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