Psychose: Symptome

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (14. Oktober 2015)

Die "klassische" Psychose gibt es nicht – eine Psychose kann je nach Krankheitsbild ganz unterschiedliche Symptome zeigen. Jedoch gibt es einige Merkmale, die bei Psychosen häufig auftreten. Charakteristisch für eine Psychose ist, dass der Betroffene den Bezug zur Realität in unterschiedlichem Ausmaß verliert.

Bei einer Psychose können das Denken, Fühlen, Empfinden zum eigenen Körper und der Kontakt zu anderen Menschen verändert sein. An einer Psychose erkrankte Menschen haben häufig Mühe, zwischen der Wirklichkeit und der eigenen, subjektiven Wahrnehmung zu unterscheiden. Mögliche Symptome sind etwa, dass sie Stimmen hören, die andere nicht hören, dass sie sich verfolgt oder bedroht fühlen (auch von Menschen, die ihnen nahestehen), dass sie vermeintlich Botschaften aus einer Welt erhalten, die anderen nicht zugänglich ist, oder dass sie das Gefühl haben, sie würden sich körperlich verändern.

Ein Mann in Geschäftskleidung lauscht an der Außenwand eines Gebäudes. © Jupiterimages/Digital Vision

Mögliche Symptome einer Psychose: Der Betroffene glaubt, Opfer einer Verschwörung zu sein.

Darüber hinaus kann das formale Denken in Mitleidenschaft gezogen sein. So springt der Betroffene beispielsweise von einem Thema zum nächsten, verliert den Faden oder spricht in Sätzen ohne einen logischen Zusammenhang. Auch ein verminderter Antrieb und eine geringere Leistungsfähigkeit sind häufige Symptome.

Häufig im Rahmen einer Psychose auftretende Symptome

SymptomBeschreibungBeispiel
Halluzinationen Halluzinationen sind Störungen der Wahrnehmung. Der Betroffene nimmt Dinge wahr, die in der Realität nicht vorhanden sind. Dabei können alle Sinne von der Halluzination betroffen sein, etwa Geruch, Gehör oder Geschmack. Die Person hört Stimmen, die Befehle geben oder Situationen kommentieren.

Die Person nimmt – meist unangenehme – Gerüche oder Geschmäcker wahr, die in Wahrheit nicht existieren.

Die Person sieht Menschen, Lichtblitze oder Gegenstände, die nicht vorhanden sind.

Die Person hat das Gefühl, elektrischer Strom würde durch ihren Körper fließen.
Inhaltliche Denkstörungen Überwertige Ideen: Von überwertigen oder fixen Ideen spricht man, wenn das Denken und Handeln ohne Rücksicht auf Verluste immer wieder um eine bestimmte Überzeugung kreist. Der Übergang zur Wahnvorstellung ist dabei fließend.

Wahnvorstellungen: Die Vorstellungen und Überzeugungen des Betroffenen weichen stark von der Realität ab bzw. der Betroffene interpretiert Dinge falsch. Im Gegensatz zur überwertigen Idee ist die Person so im Wahn gefangen, dass sie nicht vom Gegenteil überzeugt werden kann.

Zwangsgedanken: Der Betroffene leidet unter immer wiederkehrenden, sich aufdrängenden Gedanken, die teilweise aggressiv oder obszön sind.
Die Person fühlt sich von Außerirdischen verfolgt (Verfolgungswahn).

Die Person glaubt, der Nachrichtensprecher würde persönliche Botschaften an sie überbringen (Beziehungswahn).

Die Person ist der Ansicht, ein Superheld, Prophet, eine bedeutende Persönlichkeit o.Ä. zu sein (Größenwahn).

Die Person denkt, schuld am Unheil anderer Menschen zu sein, obwohl es dafür keinen objektiven Grund gibt ("Die Menschen leiden nur meinetwegen an Armut", Schuldwahn).

Die Person befürchtet immer wieder, sie könne andere Personen physisch angreifen (Beispiel für Zwangsgedanken).
Formale Denkstörungen Formale Denkstörungen können sich auf unterschiedliche Weise bemerkbar machen. Der Ablauf der Gedanken ist beeinträchtigt; die Person wirkt etwa unkonzentriert oder verwirrt. Das Denken ist verlangsamt.

Die Person erfindet neue Wortkombinationen und Begriffe (sog. Neologismen).

Die Person springt plötzlich von einem zum anderen Thema (sog. Ideenflucht).

Die Person neigt dazu, immer wieder die gleichen Sätze, Gedanken oder Wörter zu wiederholen (sog. Perseveration)

Die Person redet im Dialog am Thema vorbei und antwortet nicht auf Fragen (sog. Vorbeireden).

Die Gedanken kreisen immer wieder um ein Thema (Grübeln).

Die Person hat das Gefühl, dass sich ihr bestimmte Gedanken oder Ideen nahezu aufdrängen (sog. Gedankendrängen).

Der Wortschatz ist eingeschränkt, das Denken nur auf wenige Themen bezogen (Gedankenarmut).

Das Denken ist zerfahren, der Betroffene bildet beim Reden zusammenhanglose Sätze (sog. inkohärentes Denken).

Unwichtige Details können nicht von wichtigen unterschieden werden (sog. umständliches Denken).

Die Gedanken reißen plötzlich ab (sog. Gedankenabriss)
Ich-Störungen Man kann nicht mehr oder nur schwer zwischen sich und der Umwelt unterscheiden. Die Person glaubt, von einer äußeren Macht gesteuert / manipuliert zu werden.

Die Umwelt erscheint nicht real (Derealisation).

Die Person empfindet sich selbst als fremd, z.B. hat sie das Gefühl, ihr Arm gehöre nicht zu ihr (Depersonalisation).

Die Person ist überzeugt, Gedanken lesen zu können.

Die Person glaubt, dass ihre Gedanken von einer äußeren Macht geraubt werden (sog. Gedankenentzug).

Viele Psychotiker ziehen sich mehr und mehr von der Außenwelt zurück. Oft treten zudem Stimmungsschwankungen auf, manche Betroffene leiden unter Ängsten oder Depressionen. Häufig können sie ihren Alltag ohne fremde Hilfe nicht mehr bewältigen. Antrieb und Konzentrationsfähigkeit können stark reduziert sein. Auch psychomotorische Symptome wie starke Unruhezustände oder vorübergehende körperliche Bewegungslosigkeit sind möglich.

Symptome, die bei einer Psychose vorkommen können, müssen nicht zwangsläufig bedeuten, dass tatsächlich eine Psychose vorliegt – vielmehr kommen ähnliche Beschwerden auch im Rahmen anderer Erkrankungen vor. So können Zwangsgedanken beispielsweise auch auf eine Zwangsstörung hinweisen.

Nicht bei jedem Psychotiker treten alle der möglichen Symptome auf, zudem sind die Beschwerden unterschiedlich schwer ausgeprägt.

Frühsymptome

Insbesondere bei einer nicht-organisch bedingten Psychose wie der Schizophrenie gehen meist unspezifische Frühsymptome voraus (sog. Prodromalsymptome), die schon Monate oder Jahre vor dem eigentlichen Krankheitsausbruch auftreten.

Häufig sind diese Symptome so unspezifisch, dass Betroffene und Angehörige sie nicht als mögliche Anzeichen für eine spätere Psychose wahrnehmen. Zu möglichen Frühsymptomen zählen beispielsweise:

  • sozialer Rückzug, z.B. bricht der Betroffene den Kontakt zu Freunden ab
  • Probleme bei der Bewältigung des Alltags, z.B. im Beruf
  • Unruhe, Angstzustände, Depressionen
  • mangelnde Lebensfreude
  • Schlafstörungen
  • Konzentrationsstörungen
  • Verlust des Antriebs und der Leistungsfähigkeit

Beachten Sie: Derartige Anzeichen können auf eine Psychose hinweisen, aber auch Zeichen einer anderen Erkrankung sein – etwa einer sozialen Phobie – oder infolge psychischer Belastung auftreten.

Der organisch bedingten Psychose gehen in der Regel keine Frühsymptome voraus, vielmehr tritt sie plötzlich in Erscheinung.

Bei Verdacht auf eine beginnende Psychose ist es wichtig, so früh wie möglich die Hilfe eines Facharztes in Anspruch zu nehmen, zum Beispiel eines Psychiaters. So kann der Ausbruch möglicherweise verhindert oder verzögert werden. Nach Ausbruch der Psychose können bei frühzeitiger Behandlung die Symptome abgeschwächt und die Heilung beschleunigt werden.