Der Psychopath: Gefühlskalt und rücksichtlos

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (17. April 2014)

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Er gilt als unberechenbar, impulsiv und ohne Mitgefühl: der Psychopath. Der Satz "Das ist ein Psychopath" ist schnell gefallen. Doch was Psychologen wirklich darunter verstehen, bleibt oft unklar – zumal der Begriff im Laufe der Geschichte unterschiedlich besetzt war.

Für die einen ist "Hannibal Lecter" aus dem Film "Das Schweigen der Lämmer" der Prototyp, für die anderen ist "Norman Bates" aus "Psycho" der Psychopath schlechthin. Von brutal bis wahnsinnig: Der Begriff "Psychopath" kann mit vielen Assoziationen verbunden sein.

In der Realität ist ein Psychopath nicht unbedingt ein Krimineller, der durch besonders grausame Taten auffällt – es kann sich auch um den Bekannten von nebenan handeln, der durch rücksichtsloses und aggressives Verhalten auffällt.

Mit Psychopath beziehungsweise Psychopathie meinten Forscher früher das, was Psychologen heute als Persönlichkeitsstörung bezeichnen. Der Begriff "Psychopath" wurde von Wissenschaftlern teilweise sehr negativ umschrieben. Dies ist ein Grund dafür, weshalb man stattdessen den rein beschreibenden und nicht wertenden Begriff der Persönlichkeitsstörungen eingeführt hat.

Von Psychopathie zur Persönlichkeitsstörung

Der Begriff "Psychopath" hatte früher einen stark wertenden Charakter. So sprach der deutsche Psychiater Julius Ludwig August gegen Ende des 19. Jahrhunderts von "psychopathischen Minderwertigkeiten". Nach Ansicht des Psychiaters Kurt Schneider (1887-1969) waren Psychopathen "abnorme Persönlichkeiten", die eine Extremvariante einer bestimmten Wesensart darstellen – was mit Leidensdruck für die Betroffenen und / oder die Umwelt verbunden ist. Schneider unterschied zwischen verschiedenen Psychopathie-Typen, so etwa dem depressiven, dem gemütlosen oder dem fanatischen Typ.

Das damalige Konzept des Psychopathen wurde durch das der Persönlichkeitsstörungen ersetzt. Eine Persönlichkeitsstörung zeichnet sich durch tief verwurzelte, überdauernde und von der Norm stark abweichende Verhaltens- und Erlebnisweisen aus. Je nachdem, welche Merkmale vorherrschen, unterscheiden Psychologen zwischen verschiedenen Formen von Persönlichkeitsstörungen. So gibt es beispielsweise Personen mit zwanghafter Persönlichkeit oder solche, die als besonders selbstverliebt wahrgenommen werden.