Narzissmus: Wenn die Selbstliebe schädlich wird

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (03. September 2014)

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Narzissten können schillernde Persönlichkeiten sein: zielstrebig, erfolgreich, vielleicht ein wenig exzentrisch – und am liebsten im Mittelpunkt des Geschehens. Nicht umsonst sagt man vielen Prominenten, Staats- und Wirtschaftslenkern Narzissmus nach. Der Drang nach Aufmerksamkeit, Ruhm und Macht kann jedoch auch krankhafte Züge annehmen: Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung kann für die Betroffenen quälend sein – und auch deren Umgebung leidet häufig sehr stark darunter.

Narzissmus – das steht allgemein für übertriebene Eitelkeit, Selbstliebe und Selbstbewunderung. Ein Narzisst ist häufig ein Mensch, der alle Blicke auf sich zieht, sich dabei hauptsächlich um sich selbst dreht, der sehr viel von sich und sehr viel weniger von seinen Mitmenschen hält. Sein selbstsicheres, großspuriges und vielleicht auch divenhaftes Auftreten kann faszinieren – doch es macht es häufig auch sehr schwierig, mit ihm zusammenzuleben oder zu arbeiten; es kann gleichzeitig fordernd, herabsetzend und kränkend wirken.

Wichtig ist jedoch: Narzissmus ist nicht per se eine psychische Auffälligkeit – ein Mensch, der narzisstische Züge in seiner Persönlichkeit zeigt, ist daher nicht automatisch psychisch gestört.

Der Begriff Narzissmus geht zurück auf die Figur des Narziss aus der griechischen Mythologie. Narziss war ein schöner Jüngling, der für sein arrogantes Verhalten von den Göttern bestraft wird: Da er alle, die ihn umwerben, kränkend zurückweist, belegt ihn die Rachegöttin Nemesis mit dem Fluch der unerfüllbaren Selbstliebe. Narziss verliebt sich daraufhin haltlos in sein eigenes Gesicht, das sich im Wasser eines Sees spiegelt. Er weiß, dass ihn diese Liebe niemals glücklich machen wird – doch er kann sich nicht mehr von seinem Spiegelbild abwenden. In einer Version des Mythos endet die Selbstliebe tödlich: Um sich mit seiner Spiegelung zu vereinigen, stürzt sich Narziss in den See – und ertrinkt.

Die übersteigerte Selbstliebe, die Narziss zum Verhängnis wird, ist seit Ende des 19. Jahrhunderts ein Gegenstand der medizinischen Wissenschaften; unter anderem ist sie ein zentraler Begriff in der Psychoanalyse von Sigmund Freud. Freud war der Ansicht, dass Kinder in ihrer (sexuellen) Entwicklung eine narzisstische, auf sie selbst gerichtete Phase durchlaufen – die es jedoch zu überwinden gilt.

Ein Mann betrachtet sich selbst und seine Muskeln im Spiegel. © Jupiterimages/Stockbyte

Moderner Narziss? In dem griechischen Mythos verliebt sich der schöne, arrogante Jüngling in sein eigenes Spiegelbild – und geht daran zugrunde.

Auch heutzutage beschäftigt der Narzissmus noch immer zahlreiche Psychologen, Psychiater und andere Therapeuten. Sie unterscheiden dabei mittlerweile zwischen dem Narzissmus als einer Persönlichkeitseigenschaft, die mehr oder weniger stark ausgeprägt sein kann, – und der pathologischen, also krankhaften, narzisstischen Persönlichkeitsstörung.