Kleptomanie: Pathologisches Stehlen

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (25. Februar 2014)

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Kleptomanie – hinter diesem Begriff verbirgt sich der krankhafte Drang, stehlen zu müssen. Was für Außenstehende oft schwer nachvollziehbar ist, erweist sich für Betroffene als großes Problem: Kleptomanie weckt in ihnen nicht nur Schuldgefühle, sondern kann zudem unangenehme Folgen nach sich ziehen – etwa eine Verhaftung.

Der Drang, etwas zu stehlen, wird immer größer. Um welchen Gegenstand es sich handelt, ist dabei egal. Schließlich können sie nicht mehr widerstehen: Sie gehen in den Supermarkt oder in einen anderen Laden und werden zum Dieb. Menschen mit Kleptomanie entwenden wieder und wieder Dinge – obwohl sie es eigentlich nicht wollen.

Was die meisten Menschen Kleptomanie nennen, bezeichnen Wissenschaftler auch als pathologisches (= krankhaftes) Stehlen. Ein Kleptomane verspürt den Drang, (irgend-)etwas zu stehlen und kann diesem Impuls nicht standhalten. Der Betroffene ist nicht in der Lage, seine Handlungen bewusst zu steuern. Daher zählt man Kleptomanie zu den Störungen der Impulskontrolle. Sie kann chronisch ohne große Unterbrechungen verlaufen oder phasenweise auftreten. Zwischen den einzelnen Phasen liegen dann Zeiträume, in denen die Person nicht stiehlt.

Wie oft eine echte Kleptomanie vorkommt, kann man nur schätzen. Forscher vermuten, dass unter 100 festgenommen Ladendieben höchstens 5 an Kleptomanie leiden. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Meist beginnt das krankhafte Stehlen vor dem 20. Lebensjahr.

Andere Bezeichnungen für Kleptomanie

Der Begriff "Kleptomanie" kommt ursprünglich aus dem Griechischen (von griech. kléptein = stehlen und manía = Raserei, Wahnsinn).

Kleptomanie ist unter anderem unter folgenden Bezeichnungen bekannt:

  • pathologisches Stehlen
  • Stehllust
  • triebhaftes Stehlen
  • Stehlsucht

Der Begriff Stehlsucht ist allerdings irreführend, denn es handelt sich bei Kleptomanie medizinisch gesehen nicht um eine Sucht – sondern um eine Störung der Impulskontrolle, bei welcher der Patient dem Impuls zum Stehlen nicht widerstehen kann. Im Gegensatz zu den meisten Suchterkrankungen besteht keine körperliche Abhängigkeit.

Übrigens: Mit einer echten "Manie" – einer Störung, die mit großer Euphorie und Selbstüberschätzung einhergeht – hat die Kleptomanie nichts zu tun.

Sind Menschen mit Kleptomanie überhaupt schuldfähig? In der Praxis geht man bei Gericht nur in Einzelfällen von einer verminderten Schuldfähigkeit durch Kleptomanie aus (nach § 21 des Strafgesetzbuches). Daher sind mehrfache Verurteilungen keine Seltenheit – da es sich um Wiederholungstäter handelt, steigt das Strafmaß entsprechend im Laufe der Zeit.

Es gibt je nach psychotherapeutischer Grundrichtung verschiedene Theorien über mögliche Ursachen der Kleptomanie – die genaue Entstehung ist jedoch unklar. Manche Wissenschaftler glauben zum Beispiel, dass Betroffene einen Lustgewinn daran haben, etwas Verbotenes zu tun, andere gehen von versteckten Aggressionen aus.