Emetophobie

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (10. April 2014)

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Übelkeit und Erbrechen sind unangenehm – doch normalerweise nichts Bedrohliches oder Angsterregendes. Es gibt jedoch Menschen, die genau das empfinden, wenn sie auch nur daran denken, sich übergeben zu müssen: Angst und Panik. Diese Menschen leiden unter Emetophobie.

Wohl jeder ekelt sich vor Erbrochenem. Emetophobie aber ist etwas anderes: eine psychische Krankheit, die zu den Angststörungen zählt. Die Betroffenen haben eine unnatürliche, irrationale Angst vor dem Erbrechen. Sie fürchten sich zum Beispiel davor, sich übergeben zu müssen; davor, andere zu sehen, die sich erbrechen; davor, überhaupt mit dem Thema konfrontiert zu werden, sei es in Gesprächen, auf Fotos oder in Filmen.

Die Kennzeichen einer Emetophobie sind:

  • eine stark ausgeprägte und lange anhaltende Angst vor dem Erbrechen
  • das Bewusstsein, dass die verspürte Angst übertrieben ist (gilt nur bei Jugendlichen und Erwachsenen, Kinder haben dieses Bewusstsein meist noch nicht)
  • Situationen, in denen man mit eigenem oder fremdem Erbrechen konfrontiert werden könnte, werden bewusst und scheinbar vorausschauend gemieden.
  • Das soziale und berufliche Leben ist oft deutlich eingeschränkt.
  • Müssen sich Emetophobiker tatsächlich übergeben oder sind dabei, wenn sich jemand anderes erbricht, nimmt die Angst panikartige Zustände an: Die Betroffenen bekommen Symptome wie Herzrasen, Beklemmungs- und Unwirklichkeitsgefühle, erleben Schwindel und Benommenheit.

Wer an Emetophobie leidet, geht nicht oder nur sehr ungern auf Betriebsfeiern oder Jahrmärkte, nicht in Diskotheken oder auf Partys – um keinen Betrunkenen zu begegnen. Ebenso meiden viele Emetophobiker beispielsweise Busreisen, aus Angst, andere Passagiere könnten an Reiseübelkeit leiden. Auch von kleinen Kindern, Schwangeren und Kranken halten sie sich oft fern.

Fürchten Menschen mit Emetophobie vor allem, sich selbst übergeben zu müssen, wirkt sich dies meist gravierend auf ihr Essverhalten aus: Eine häufige Fehldiagnose bei Emetophobie ist Magersucht (Anorexie).

Denn aus der Angst davor, sich den Magen zu verderben und deshalb erbrechen zu müssen, verzichten die Betroffenen nicht nur auf "gefährliche" Lebensmittel wie Eier, Fleisch und Fisch, meiden Restaurants und erst recht Straßenimbisse. Sie schränken ihre Nahrungsaufnahme häufig insgesamt stark ein – auch, da sie fürchten, mehr zu essen, als sie vertragen. Daraus entwickelt sich jedoch ein Teufelskreis: Aus Angst vor Übelkeit und Erbrechen hungern viele Emetophobiker regelrecht – und rufen Übelkeit und Schwindelgefühle gerade dadurch hervor.

Zudem reagieren die Betroffenen meist sehr sensibel auf Körperempfindungen: Stellt sich nur ein kleines Gefühl von Unwohlsein ein, schenken sie diesem so viel Aufmerksamkeit, dass es sich für sie verstärkt und zu weiterer Angst führt.

Häufig tragen Emetophobiker Anti-Brechmittel bei sich, die sie nehmen, sobald sie geringste Zeichen von Übelkeit spüren. Dies kann zu einem massiven Medikamentenmissbrauch führen. Andere Medikamente, in deren Beipackzettel Übelkeit oder Erbrechen als Nebenwirkungen aufgelistet sind, nehmen sie hingegen oft nicht – selbst, wenn ein Arzt ihnen diese wegen einer Krankheit verschrieben hat.

Diese Situationen meiden Emetophobiker zum Beispiel:

  • Feste, Feiern und andere Gelegenheiten, an denen Alkohol getrunken wird
  • Treffen mit Schwangeren, kleinen Kinder oder Kranken
  • Essen, dass sie nicht selbst zubereitet haben, zum Beispiel in Restaurants oder bei Freunden
  • Aufenthalt außerhalb der eigenen Wohnung und unter vielen Menschen allgemein. Müssen sie die eigene Wohnung dennoch verlassen, halten sie beispielsweise Ausschau nach Fluchtwegen oder auch nach Mülleimern, in die sie sich zur Not übergeben könnten.

Die Liste der gemiedenen Situationen zeigt es deutlich: Ein "normales" soziales Leben ist für viele Menschen mit Emetophobie kaum möglich. So gelten die Betroffenen häufig als Langweiler oder Stubenhocker, weil sie beispielsweise nicht an Feiern teilnehmen. Auch Freundschaften aufrechtzuerhalten fällt manchen schwer, da sie Verabredungen häufig kurzfristig aus "Unwohlsein" absagen. Das schulische und berufliche Leben leidet ebenso stark unter dieser psychischen Krankheit.