Stress: Gesundheitliche Folgen

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (24. März 2014)

Stress für sich genommen ist nicht gesundheitsschädlich, bedeutet er im Grunde doch nur eine körperliche Aktivierung. Sofern sich der Stress eher auf kurze Phasen beschränkt und immer wieder mit Phasen der Entspannung abwechselt, wird er daher auch von vielen Menschen als durchaus angenehm empfunden. Wann kann Stress gesundheitliche Folgen haben?

Risiken

Energieüberschuss:

Im Rahmen der körperlichen Stressreaktion werden Energie bereitgestellt beziehungsweise Zucker und Fettsäuren ins Blut abgegeben, um für Flucht oder Kampf gewappnet zu sein. Heutzutage folgt auf eine Stressreaktion jedoch in den seltensten Fällen direkte körperliche Bewegung. Als mögliche Folge können sich auf Dauer Gefäße verengen (Arteriosklerose) oder sogar verschließen (Herzinfarkt, Lungenembolie, Schlaganfall). Um Stress zu bewältigen ist es deshalb sinnvoll, regelmäßig sportlich aktiv zu werden.

Man sieht eine müde, blonde Frau. © Jupiterimages/Stockbyte

Permanenter Stress kann erschöpfen.

Dauerbelastung:

Im Hinblick auf die Entwicklungsgeschichte des Menschen hat das Leben von heute wenig mit dem der Urzeit gemein. Nur selten hat Stress heutzutage etwas damit zu tun, dass man in eine lebensbedrohliche Situation kommt und sich nur mithilfe körperlicher Aktivität – Flucht oder Angriff – retten muss.

Vielmehr hat der moderne Mensch in der Regel mit Stressoren zu tun, die immer wieder auftauchen oder sogar ständig präsent sind. Oft kommen die Stressauslöser aus dem beruflichen oder zwischenmenschlichen Bereich. Phasen der Entspannung kommen gleichzeitig bei vielen zu kurz und der Körper wird durch den Dauerstress in einer ständigen Aktivierung gehalten. Das kann nur eine Zeit lang gut gehen – über kurz oder lang stellt sich Erschöpfung ein und funktionelle Beschwerden (z.B. Reizdarm-Syndrom) oder körperliche Erkrankungen können entstehen.

Auf Dauer verliert der Körper die Fähigkeit, sich selbst zu regulieren. Selbst wenn der Stress wegfällt, setzt dann keine Entspannung mehr ein. Diese permanente körperliche Aktivierung wirkt sich auf verschiedene Bereiche des Körpers aus:

  • Die Blutgefäße werden weniger elastisch, wodurch der Blutdruck weiterhin erhöht bleibt.
  • Angespannte Muskeln lassen nicht locker.
  • Schlaf ist nicht mehr so erholsam wie früher.
  • Das Stresshormon Kortisol wird dauerhaft vermehrt ausgeschüttet – dadurch steigt z.B. das Risiko, an Diabetes mellitus zu erkranken.

Wer viel Stress hat, sollte deshalb darauf achten, sich als Ausgleich genug Zeit zur Entspannung zu nehmen.

Immunsystem:

Durch ständig andauernden Stress leidet auch das Immunsystem. Kurzzeitiger, akuter Stress aktiviert zwar das Immunsystem – dauert er länger an, kehrt sich der positive Effekt jedoch ins Gegenteil.

Das unter Dauerstress ständig vermehrt ausgeschüttete Hormon Kortisol schwächt auf Dauer die Abwehrkräfte und hat zur Folge, dass man anfälliger für Infektionskrankheiten (wie Erkältung oder Lippenherpes) wird.

Dauergestresste Menschen erkranken durchschnittlich häufiger an Erkältungen als andere und benötigen mehr Zeit für die Heilung. Mitunter zieht sich eine Erkältung bei den Betroffenen sogar über Wochen hin, ohne dass sie richtig besser wird.

Bei Berufstätigen kommt es nicht selten zu dem Effekt, dass die Erkältung in der Woche zwar da ist, die Beschwerden aber auszuhalten sind. Kaum beginnt das Wochenende, scheint die Erkältung dagegen stärker zu werden. Ursache ist auch hier das Stresshormon Kortisol: Am Wochenende lässt bei vielen Betroffenen der Dauerstress etwas nach und damit sinkt auch der ständig erhöhte Kortisolspiegel im Blut ein wenig – das Immunsystem wird wieder aktiver.

Auch auf chronische Erkrankungen wie Schuppenflechte, multiple Sklerose oder rheumatoide Arthritis wirkt sich der höhere Kortisolspiegel nachteilig aus.

Damit Stress Ihr Immunsystem nicht dauerhaft beeinträchtigt, sollten Sie daher auch in stressigen Zeiten darauf achten, sich gesund zu ernähren, genug zu bewegen und ausreichend zu schlafen.

"Ungesundes" Verhalten:

Wer permanent unter Stress steht, neigt häufig zu Verhaltensweisen, die sich zusätzlich ungünstig auf die Gesundheit auswirken, zum Beispiel:

Eine Frau sitzt telefonierend am Küchentisch und hat vor sich ein Glas Wein. © Jupiterimages/Stockbyte

Wer unter Stress steht, beginnt manchmal, mehr Alkohol als sonst zu trinken.

Körperliche Folgen von Stress

Auf Dauer kann sich Stress auf viele Bereiche des Körpers auswirken und unter Umständen zu körperlichen Erkrankungen oder Problemen führen, so zum Beispiel zu:

Psychische Folgen von Stress

Auch auf die Psyche hat andauernder oder immer wiederkehrender Stress ungünstige Auswirkungen, die die Betroffenen jedoch manchmal lange ignorieren. Häufig suchen sie sich erst dann ärztliche Hilfe, wenn körperliche Beschwerden auftreten. Diese kann der Arzt zwar behandeln, das beseitigt jedoch nicht die Ursache – den Stress.

Auf lange Sicht entwickeln viele Dauergestresste eine Depression – oder die wohl bekannteste "Stresserkrankung": das Burnout-Syndrom.


Haben Sie im Allgemeinen Angst davor, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen oder sich vor anderen peinlich beziehungsweise beschämend zu verhalten?