Alexandre Yersin

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

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* 22. September 1863 Lavaux, Aubonne, Schweiz

† 1. März 1943 Suoi Giao, Na Trang, heute Vietnam

Alexandre Yersin wurde in der französischen Schweiz in einer puritanischen Familie geboren. Nach dem frühen Tod seines Vaters eröffnete seine Mutter ein Mädchenpensionat. Yersin erbte das naturkundliche Interesse des Vaters und begann wie dieser, die Insekten seiner Heimat zu sammeln und zu studieren.

Nachdem er 1983 begonnen hatte, in Lausanne Medizin zu studieren, zog Alexandre Yersin im Jahre 1884 nach Marburg zu einer befreundeten Familie. 1885 setzte er sein Studium in Paris fort.

Ab 1887 arbeitete Yersin als Präparator bei Wilhelm Roux. Er schrieb zudem an Louis Pasteurs Institut seine Dissertation über Tuberkulose und wurde schließlich Mitarbeiter des Institut Pasteur, wo er zusammen mit Roux das Diphterietoxin entdeckte. Am Hygiene Institut von Robert Koch in Berlin belegte er 1888 einen Kurs im Fach Bakteriologie.

Um als Arzt in Frankreich arbeiten zu können, erwarb Yersin die französische Staatsbürgerschaft. 1890 verließ er jedoch das Institut und arbeitete ein Jahr lang als Schiffsarzt der Handelsmarine in der französischen Kolonie Indochina.

Der eintönigen Arbeit als Schiffsarzt überdrüssig, unternahm er zunächst auf eigene Faust, später im Auftrag der französischen Regierung, Forschungsreisen in das noch unerschlossene Hinterland der Kolonie.

Im Jahre 1894 brach in Südchina eine Pest-Epidemie aus, die auch auf Hongkong übergriff. Durch den Generalgouverneur von Indochina wurde Yersin mit der Untersuchung der Epidemie in Hongkong beauftragt. Innerhalb von nur drei Wochen entdeckte er in den Beulen von Pestleichen das später nach ihm benannte Bakterium Yersinia pestis, beschrieb seine wesentlichen Eigenschaften und identifizierte die Ratte als wesentlichen Überträger der Seuche.

Während eines Aufenthalts am Institut Pasteur in Paris 1895 setzte Alexandre Yersin die Erforschung des Pesterregers an den Kulturen aus Hongkong fort. Unter der Leitung von Roux entwickelte er zusammen mit Calmette und Borrel einen Impfstoff aus hitzeinaktivierten Erregern und ein Pferdeserum. Mit diesem Serum gelang es, künstlich infizierte Kaninchen erfolgreich zu behandeln. 1896 erprobte Yersin dieses Pferdeserum erstmals erfolgreich am Menschen.

1895 wurde Yersin beauftragt, in Indochina eine Filiale des Instituts Pasteur zu gründen, um dort Grundlagenforschung zu betreiben sowie die lokale Versorgung mit Impfstoffen und Sera zu übernehmen. Um die dazu notwendigen umfangreichen Viehbestände mit Futter zu versorgen und die nötigen Finanzmittel zum Ausbau und Unterhalt des Instituts zu beschaffen, gliederte er dem Institut eine landwirtschaftliche Versuchsstation an. Das Pasteur-Institut in Nha Trang legte unter seiner Leitung seinen Schwerpunkt auf die Erforschung und Behandlung von Viehseuchen wie zum Beispiel der Rinderpest.

Im Rahmen der landwirtschaftlichen Versuchsstation unternahm Yersin erfolgreiche Kreuzungsversuche zwischen einheimischen und importierten Tierrassen und machte den Kautschukbaum (Hevea brasiliensis) und den Chinarindenbaum zur Gewinnung von Chinin heimisch. Zwischen 1902 und 1904 leitete er die neu gegründete Medizinische Schule in Hanoi als Direktor. Von kurzen Reisen in seine Wahlheimat Frankreich unterbrochen, lebte Yersin sehr zurückgezogen bis zu seinem Tod 1943 in Indochina.



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