Ernst-Ludwig Winnacker

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

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*26. Juli 1941 in Frankfurt (Main)

Ernst-Ludwig Winnacker ist der Sohn des Chemikers Karl Winnacker, der von 1943 bis Kriegsende bei der I.G. Farben tätig war. Nach dem Studium der Chemie in Zürich an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) promovierte Ernst-Ludwig Winnacker 1968 im Laboratorium für Organische Chemie. Nach jeweils zwei Postdoktorandenjahren in Berkeley (Kalifornien, USA) und am Karolinska Institut in Stockholm (Schweden) kehrte Winnacker 1972 als Assistent an das Institut für Gentechnik der Universität Köln nach Deutschland zurück und habilitierte sich 1974 hier im Fach Genetik.

Nach weiteren drei Jahren in Köln als Gastprofessor der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) am Sonderforschungsbereich wurde Ernst-Ludwig Winnacker 1977 an das Institut für Biochemie der Universität München berufen, wo er seit 1980 ordentlicher Professor auf dem Lehrstuhl für Biochemie ist. In München baute Winnacker unter anderem die Abteilung der Biochemie der Viren auf und gründete 1984 das Münchener Genzentrum, dem er seitdem vorsteht. 1984 bis 1987 gehörte Ernst-Ludwig Winnacker der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags zu Chancen und Risiken der Gentechnologie an.

Ernst-Ludwig Winnacker ist Berater des Bundesministers für Forschung und Technologie und des Bayerischen Ministerpräsidenten. Er war von 1987 bis 1993 Vizepräsident der DFG und von 1998 bis 2006 Präsident der DFG. Von 2007 bis Mitte 2009 war Ernst-Ludwig Winnacker Erster Generalsekretär des European Research Council (ERC). Seit Juli 2009 ist er Generalsekretär der International Human Frontier Science Program Organization (HFSPO) in Straßburg.

Winnacker lehrt und forscht auf den Gebieten der Wechselwirkung von Viren und Zellen, den Mechanismen der Genexpression in höheren Zellen und der Prionen-Krankheit (zu denen auch BSE gehört). Winnacker hat zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen und Bücher vorgelegt. Aus rund 80 Originalarbeiten seines Wissenschaftsgebiets sind besonders die Bücher Am Faden des Lebens (1993), Wissenswerte (1995) und Das Genom – Möglichkeiten und Grenzen der Genforschung (1996) sowie Das Genom – aktualisierte und erweiterte Neuausgabe (2002) zu nennen.

Winnacker hat viele Auszeichnungen und Ehrungen erhalten, wie den Dozentenpreis und den Literaturpreis der Fonds der Chemischen Industrie oder den Arthur-Burckhardt-Preis. Er ist Mitglied vieler bedeutender Wissenschaftsvereinigungen, darunter der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, der Akademie der Wissenschaften in Göttingen sowie der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften.

Ernst-Ludwig Winnacker forscht, schreibt und agiert für die Gentechnologie. Er wirkt damit an der Spitze eines der umstrittensten Forschungsgebiete in Deutschland. Winnacker sieht "in der Gentechnologie eine Möglichkeit, das Wenige zu bewahren, was wir noch haben", Krankheiten zu besiegen und Ernährungsprobleme der Menschheit zu lösen. Aber er ist sich auch bewusst, dass es auf diesem Fachgebiet Grenzen gibt. So tritt er gegen das Klonen von Menschen ein und warnt: "Dem Makel eines drohenden Verlusts an Menschlichkeit [den] auch die Therapie von Keimbahnzellen oder das Klonen von Menschen heraufbeschwören, dieser Gefahr der Grenzüberschreitungen in Verbotszonen unsittlichen Handels werden wir nur entrinnen, wenn wir als Wissenschaftler zweierlei tun: Uns individuell mit den ethisch-moralischen Konsequenzen unserer Arbeit auseinandersetzen und die Ängste unserer Mitbürger ernst nehmen."



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