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Rolf Wideröe

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

Elektrotechniker, Teilchenphysiker

* 11. Juli 1902 in Oslo

† 11. Oktober 1996 in Nussbaumen (Schweiz)

Der norwegische Elektrotechniker Rolf Wideröe war wesentlich an der Entwicklung von sogenannten Teilchenbeschleunigern beteiligt, indem er unter anderem das Prinzip der Induktionsbeschleunigung von Elektronen darlegte. Der von ihm entwickelte Kreisbeschleuniger ("Strahlentransformator") wurde später unter der Bezeichnung "Betatron" als Elektronenbeschleuniger in der Medizin für strahlentherapeutische Anwendungen eingesetzt.

Seine Jugend und Schulzeit verbrachte Rolf Wideröe in Norwegen. Im Jahre 1920 kam er nach Deutschland, um hier an der Technischen Hochschule (TH) in Karlsruhe Elektrotechnik zu studieren. Nach Abschluss des Studiums 1924 ging Wideröe in seine Heimat zurück und arbeite dort kurze Zeit in einer Lokomotivfabrik der Norwegischen Staatseisenbahn. Bereits 1925 kehrte er nach Karlsruhe zurück und versuchte, an der Technischen Hochschule mit seiner Arbeit über den Elektronenbeschleuniger zu promovieren. Seine geplante Dissertation stieß jedoch zunächst auf Ablehnung. Der deutsche Physiker Wolfgang Gaede (1878–1945) war der Ansicht, dass Wideröes Elektronenbeschleuniger aus physikalischen Gründen nicht ausreichend funktionieren würde. Wideröe überzeugte sich zwar anhand von Philipp Eduard Anton Lenards (1862–1947) Arbeiten über die Streuung von Elektronen in Materie, dass sich Gaede geirrt hatte, versuchte aber nicht, diesen umzustimmen.

Im Mai 1926 konnte Wideröe stattdessen Walter Rogowski, Direktor des Elektrotechnischen Instituts in Aachen, für seine Arbeit gewinnen. Im Aachener Institut konnte Wideröe seinen "Strahlentransformator" mit bescheidenen Mitteln aufbauen. Doch in experimenteller Hinsicht blieb der Versuch ohne Erfolg.

Dagegen war das zweite Beschleunigerprinzip in Rolf Wideröes Dissertation, die Idee des Linearbeschleunigers mit einer Energieeinspeisung durch hochfrequente elektrische Wechselfelder, auf Anhieb erfolgreich. Nach seiner Promotion zum Dr.-Ing. am 28. November 1928 arbeitete Wideröe das Verfahren weiter aus und konnte dessen praktische Brauchbarkeit nachweisen.

Aufgrund einer Empfehlung von Walter Rogowski erhielt Wideröe eine Anstellung im Transformatorenwerk der Firma AEG in Berlin, wo er auf dem Gebiet der Starkstromtechnik arbeitete. Durch die politischen Umwälzungen in Deutschland kehrte Wideröe 1932 nach Oslo zurück. Hier war er für eine norwegische Kraftwerksfirma der schweizerischen Firma Brown, Boveri & Cie. (BBC) tätig.

Während der Besetzung Norwegens durch deutsche Truppen wurde Wideröes Bruder wegen Fluchthilfe inhaftiert, und Wideröe wurde von der deutschen Luftwaffe unter Druck gesetzt, sodass er von 1943 bis 1945 an der von der Wehrmacht geförderten Entwicklung eines deutschen Kreisbeschleunigers mitarbeitete. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Rolf Wideröe wegen angeblicher Kollaboration für kurze Zeit inhaftiert. Aufgrund seiner Kontakte zur Firma BBC ging er 1946 nach Baden in die Schweiz, wo er die Weiterentwicklung des Kreisbeschleunigers zur Industriereife erfolgreich fortsetze. Die hier ab Anfang der 1950er Jahre fertiggestellten kommerziellen "Betatrons" wurden in den folgenden vier Jahrzehnten hauptsächlich als Elektronen- und Röntgenstrahlen-Quellen für medizinische Zwecke genutzt.

In Anerkennung seiner großen Verdienste um die Entwicklung der Teilchenbeschleuniger wurde Rolf Wideröe 1962 in Aachen zum ersten Ehrendoktor der selbständigen Fakultät für Elektrotechnik ernannt.






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