Franz Volhard

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

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* 2. Mai 1872 in München

† 24. Mai 1950 in Frankfurt (Main)

Franz Volhards besonderes Interesse galt den Erkrankungen der Nieren, der klinischen Nephrologie, die er zu einem eigenständigen Fachgebiet in Deutschland entwickelte. Seine diesbezüglichen Forschungen auf dem Gebiet des Nierenfunktionsnachweises und der Hypertonie (Bluthochdruck) sind bis heute richtungweisend. Daneben widmete er sich der Erforschung der Herz- und Kreislaufkrankheiten.

Nach dem Medizinstudium in Bonn, Halle (Saale) und Straßburg arbeitete Volhard zunächst in der Inneren Abteilung am Krankenhaus im Friedrichshain in Berlin. Danach war er an der Medizinischen Klinik in Gießen tätig, wo er das fettspaltende Enzym (ältere Bezeichnung: Ferment) im Magen entdeckte und sich mit diesem Thema im Jahre 1901 habilitierte.

1905 wurde Franz Volhard Chefarzt im Krankenhaus der Stadt Dortmund und 1908 Direktor des Krankenhauses der Stadt Mannheim. 1918 nahm er einen Ruf als Professor für Innere Medizin der Universitätsklinik Halle an. 1927 ging Volhard nach Frankfurt (Main) und übernahm hier die Medizinische Abteilung der Universitätsklinik. Während einer Vortragsreise durch Südamerika wurde er 1938 gegen seinen Willen aus Altersgründen emeritiert. Mitte 1945 konnte er an seine Klinik in Frankfurt (Main) zurückkehren.

Aus seiner Zeit in Dortmund und Mannheim stammen Volhards erste Nierenforschungen und grundlegenden Arbeiten auf dem Gebiet der Nierenerkrankungen. In dieser Zeit publizierte er seine klinische Prüfung der Verdünnungs- und Konzentrationsfähigkeit der Nieren ("Volhard-Verdünnungsversuch"), gab eine Klassifikation der Schrumpfniere, differenzierte die Brightsche (Nieren-)Krankheit und entwickelte die Hunger- und Dursttherapie der Glomerulonephritis ("Volhard-Trias", eine arterielle Hypertonie). Der "Volhard-Verdünnungsversuch" (auch: "Volhard-Wasserversuch") ist Teil der "Volhard-Nierenfunktionsprobe", bei der die Verdünnungsfähigkeit der Niere zum Beispiel mit einem Tee geprüft wird. 1917 erschien sein knapp 2.000 Seiten umfassendes Standardwerk "Die doppelseitigen hämatologenen Nierenerkrankungen (Brightsche Krankheit)". Diese sogenannte Nierenbibel ermöglichte es dem Arzt, mit einfachen Mitteln die Art der Nierenerkrankung, Verlaufsart und das Stadium zu bestimmen.

In Volhards Hallenser und Frankfurter Zeit standen Probleme des Zusammenhanges von Hochdruck und Nierenfunktion, speziell der Nephrosklerose mit malignem Hochdruck ("Volhard-Krankheit") im Vordergrund seiner Forschungstätigkeit. In Halle gelang ihm die entscheidende Wende hin zu einer Differenzialdiagnose der Hypertonie, die seinen Ruf im In- und Ausland begründete. 1923 hielt er auf dem Wiener Internistenkongress ein Referat, in dem er die essenzielle Hypertonie als "roten Hochdruck" der nierenbedingten sekundären Hypertonie als "blassem Hochdruck" gegenüberstellte. Letztere sei "humoral bewirkt und renal bedingt", das heißt, er werde durch Stoffe aus der Niere verursacht, die zu einer Gefäßverengung führen. Dies ist heute Allgemeingut: Erhöhter Blutdruck führt zu Gefäßkrankheiten. Etwa 90 Prozent aller Hochdruckkrankheiten sind essenzieller Natur, wobei die Ursache des Leidens nicht (nachweisbar) durch organische Störungen bedingt wird. 1931 veröffentlichte Volhard sein großes zweibändiges "Handbuch der Nierenkrankheiten".



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