Anzeige

Anzeige

Rudolf Ludwig Karl Virchow

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

© Getty Images

* 13. Oktober 1821 in Schivelbein, Pommern

† 5. September 1902 in Berlin

Rudolf Virchow kam in kleinbäuerlichen und finanziell sehr beengten Verhältnissen in Schivelbein, einer Kreisstadt im damaligen Hinterpommern, heute Swidwin (Polen), zur Welt. Mit 18 Jahren begann er als Stipendiat an der Berliner Militärärztlichen Akademie, der Pépinière, mit seinem Studium. Nach seiner Promotion im Jahre 1843 arbeitete Virchow ab 1844 als "Kompanie-Chirurg" an der Berliner Charité, wurde hier 1844 Assistent des Prosektors und legte im Jahr 1846 das medizinische Staatsexamen ab. Virchow habilitierte sich 1847 und erhielt zugleich die Zulassung als Privatdozent.

Anfang des Jahres 1848 erhielt Rudolf Virchow vom preußischen Kultusministerium den Auftrag, die Hungertyphus-Epidemie in Oberschlesien zu analysieren. Er benannte die dortigen menschenunwürdigen Lebensumstände als eine wesentliche Ursache für den Ausbruch der Erkrankung. An der im März desselben Jahres ausbrechenden "Märzrevolution" beteiligte sich Virchow als Barrikadenbauer und vertrat öffentlich reformerische Ideen. Im Jahr 1849 wurde er für sein Engagement offiziell staatlicherseits gemaßregelt, was seiner Berufung an den ersten deutschen Lehrstuhl für pathologische Anatomie an der Universität in Würzburg aber nicht im Wege stand. Im Jahre 1856 kehrte er als Direktor des neu gegründeten Pathologischen Instituts der Charité nach Berlin zurück, welches er 46 Jahre lang leitete.

Rudolf Virchow gilt als Begründer der Zellularpathologie (Krankheitserklärung aus Zellveränderungen), vergleichenden Pathologie (Krankheiten, die bei Mensch und Tier vorkommen), Anthropologie (Abstammungslehre, Bevölkerungsbiologie) und Ethnologie (völkerkundliche Kulturforschung). Ein berühmter Satz Virchows lautet: "Jede Zelle kann nur aus einer anderen Zelle entstehen (Omnis cellula e cellula)." Mit dieser grundlegenden Erkenntnis begründete er die Zellularpathologie und damit den Grundstein der modernen Medizin. Nach dem morphologischen Gedanken der Zellularpathologie kann nicht der ganze Körper erkranken, sondern immer nur einzelne Zellen oder Zellgruppen – damit hatte Virchow als Erster den Begriff der Krankheit objektiviert. Bis Virchow sein synthetisches Werk der Zellularpathologie, mit seinen weitreichenden Aspekten auch auf die gesamte Biologie, im Jahre 1858 der Öffentlichkeit vorlegen konnte, musste er mühsame, systematische Forschungsarbeit leisten.

Auf kommunalhygienischem Gebiet setzte sich Virchow nachdrücklich für Verbesserungen der Gesundheitsfürsorge ein, führte 1877 die obligatorische Fleischbeschau ein, initiierte die ersten vier städtischen Krankenhäuser Berlins sowie das System der Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung der Stadt. Er begleitete Heinrich Schliemann (1822–1890) bei dessen Ausgrabungen von Troja, gründete und leitete die Deutsche Anthroplogische und die Deutsche Pathologische Gesellschaft. Er besaß mehrfache Mitgliedschaften ausländischer Akademien und Gesellschaften, war vielfacher Ehrendoktor und 43. Ehrenbürger Berlins. Auch seine politische Laufbahn ist für einen Wissenschaftler ungewöhnlich: Berliner Stadtverordneter (1859), Mitbegründer der Fortschrittspartei und Wahl in den Preußischen Landtag (1860), Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses (1861) und des Deutschen Reichstages (1880–1893).


Apotheken-Notdienst

Anzeige