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Andreas Vesal (Vesalius)

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

© iStock

* 31.12.1514 in Brüssel

† Ende 1564 auf Zantos (Griechenland)

Mit dem im Jahre 1543 von Andreas Vesal in Basel veröffentlichten grundlegenden Buch über die Anatomie "De humani corporis fabrica libri septem" beginnt die wissenschaftliche Anatomie der Neuzeit. Mit scharfen Worten und mehr als 250 Illustrationen, 14 gezeichneten „Muskelmännern“ und drei Abbildungen von Skeletten deckt Vesal darin mehr als 200 Fehler der bisherigen Anatomie auf.

Der als Spross einer deutschen Familie geborene Andreas Vesal verlebte seine Jugend in Brüssel. Im Alter von 14 Jahren begann er in Löwen (Belgien) Sprachen und Wissenschaften zu studieren, wechselte 1531 zur Medizin und ging 1533 als Medizinstudent nach Paris. Bei seinen akademischen Lehrern Johann Guenther (1505–1574) und Jacques Dubois (1478#8211;1555) lernte er vor allem die galenische Medizin und Anatomie.

Der altgriechische Arzt Claudius Galenus (Galen, 129#8211;199) galt mit seinem umfassenden System der Medizin und Anatomie über ein Jahrtausend als der unumstrittene Herrscher der Heilkunde. Vesals Lehrer Dubois sezierte als einer der ersten Bestandteile des Menschen anstelle von Schweinen, nannte Muskeln mit Namen statt Zahlen, erfand die Injektion von Farblösungen in Blutgefäße. Vesal ging einen Schritt weiter: Auf Friedhöfen und Hinrichtungsstätten organisierte er sich Material zur eigenen Präparation, deren Resultate oft gar nicht mit den in den Anatomiebüchern übereinstimmten.

Bald führte Vesal für seine Lehrer die Sektionen durch. Nach Löwen zurückgekehrt, demonstrierte er dort 1536 eine öffentliche Sektion. Im Jahre 1537 ging er an die Universität Padua und promovierte hier. In Anerkennung seiner hervorragenden Kenntnisse erhielt Vesal vom venezianischen Senat einen fünfjährigen Zeitvertrag als Professor für Chirurgie mit Lehrverpflichtung zur Anatomie. In diesen fünf Jahren schuf Vesal sein anatomisches Lebenswerk. Bereits 1538 veröffentlichte er in Venedig die "Tabulae anatomicae sex" mit drei von ihm selbst entworfenen Arterien- und Eingeweidedarstellungen sowie drei wirkungsvollen Skelettfiguren, die Stephan von Kalkar zeichnete. Professor und Prosektor in sich vereinigend sezierte Vesal ab 1539 die Leichen aller in Padua zum Tode verurteilten Delinquenten. Daneben führte er 1540 anatomische Demonstrationen in Bologna durch. Vesal stellte jedoch Galen niemals infrage, sondern beabsichtigte nur eine Korrektur und Ergänzung. Nach vierjähriger Forschungsarbeit veröffentlichte er 1543 sein anatomisches Hauptwerk "De humani corporis fabrica libri septem".

Das Buch fand sofort zahlreiche Nachahmer. Während Vesals neue Anatomie bei Studenten und fortschrittlichen Professoren begeisterte Zustimmung fand, regte sich – wie immer in solchen Fällen – in den Kreisen der dogmatischen Galenisten Widerstand. Dies schadete Vesals Reputation allerdings kaum, zumal dieser in dem Buch eine Widmung an den römisch-deutschen Kaiser Karl V. (1500#8211;1558) gerichtet hatte. Vielleicht wirkte sich dies auch für seine Berufung als Hofarzt beim Kaiser aus. Vesal lebte jetzt in Spanien und begleitete den Monarchen auf seinen zahlreichen Reisen und Heereszügen und widmete sich dabei besonders der Chirurgie. Später folgte er Karls Sohn Philipp II. von Spanien (1527#8211;1598) als Leibarzt nach Madrid. 1555 gab Vesal noch einmal ein aktualisiertes anatomisches Werk heraus. Während einer Pilgerreise in das Heilige Land starb er auf der Insel Zantos.


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