Gerty Theresa Cori & Carl Ferdinand Cori

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

Gerty T. Cori:

* 15. August 1896 in Prag

† 26. Oktober 1957 in St. Louis (Missouri, USA)

Carl F. Cori:

* 5. Dezember 1896 in Prag

† 20. Oktober 1984 in Cambridge (Massachusetts, USA)

Dank der Arbeiten des aus Prag stammenden US-amerikanischen Biochemiker-Ehepaars Gerty und Carl Cori und anderen kannte man seit Mitte der 1930er Jahre die Enzyme der Milchsäuregärung und der alkoholischen Gärung. 1940 formulierten die Coris in St. Louis die zyklische Reaktion (Cori-Zyklus) des Stoffwechselkreislaufs, wobei nicht-oxidierte Milchsäure aus dem Muskel ins Blut diffundiert, zur Leber transportiert und dort in Glykogen umgewandelt wird. In der Leber wird Glykogen zu Glukose abgebaut und diese zum Muskel transportiert, wo wiederum Glykogen daraus gebildet wird. Glykogen ist eine Energiereservesubstanz und wird auch als Leberstärke bezeichnet. Die Coris stellten fest, dass bei einer bestimmten Stoffwechselkrankheit (Gierkesche hepato-renale Glykogenose; vereinfacht: Zuckerstoffwechsel) ein Enzymmangel in der Leber vorliegt: Die Glukose-6-Phosphatase fehlt in den Leberzellen. Für ihre "Entdeckung des Verlaufs des katalytischen Glykogenstoffwechsels" erhielten Gerty und Carl Cori 1947, zusammen mit dem argentinische Physiologen Bernardo Arberto Houssay (1887-1971), den Nobelpreis für Medizin und Physiologie. Auf Grundlage der Corischen Forschungen konnte 1952 erstmals ein Enzymdefekt bei einem menschlichen Erbleiden nachgewiesen werden.

Gerty Cori war die dritte Frau und erste US-Amerikanerin, der die Ehrung eines Nobelpreises zuteil wurde. Geboren wurde sie unter ihrem Mädchennamen Radnitz als älteste von drei Töchtern wohlhabender Eltern in Prag, wo sie auch im Jahr 1914 das Medizinstudium an der dortigen deutschen Universität begann. Während des Studiums freundete sie sich mit Carl Cori an, der ebenfalls Medizin studierte.

Das Ehepaar Cori interessierte sich von Anfang an mehr für die Forschung als für die ärztliche Praxis. Darum gingen sie 1922 in die USA nach Buffalo (New York) an das State Institute for Study of Malignant Diseases, das Carl Cori eine Forschungsstelle angeboten hatte. 1928 erhielten beide die amerikanische Staatsbürgerschaft. 1931 gingen sie nach St. Louis (Missouri), wo Carl Cori an der Washington University die Leitung des Pharmakologie-Department erhielt; Gerty bekam dort eine Forschungsstelle mit einem symbolischen Gehalt, da es nicht erlaubt war, dass zwei Mitglieder einer Familie an derselben Forschungsstätte tätig waren. In St. Louis wechselten die Coris bald zur Biochemischen Abteilung und arbeiteten hier vor allem über intermediäre Stoffwechsel, insbesondere über Kohlenhydrate im Muskel.

Obwohl sie immer gemeinsam forschten, wurde vor allem Carl Cori bekannt. Eine Professur erhielt Gerty Cori erst 1947, in dem Jahr, als sie auch den Nobelpreis erhielt. Zehn Jahre später starb sie – anerkannt und hoch geehrt – an Myelofibrose, einer seltenen Erkrankung mit bindegewebiger Verödung des Knochenmarks. Obwohl die letzten Jahre von der Krankheit gezeichnet, war sie ihrer Lebensphilosophie immer treu geblieben: "Ich glaube, dass die Wunder des menschlichen Geistes in Kunst und Wissenschaft zum Ausdruck kommen, und ich sehe zwischen beiden keinen Gegensatz. Ehrlichkeit, vor allem intellektuelle Integrität, Mut und Freundlichkeit sind noch immer die Tugenden, die ich bewundere. Die Liebe zu meiner Arbeit und die Hingabe an sie sind für mich die Grundlage des Glücks."



Apotheken-Notdienst