Samuel Thomas (von) Soemmerring

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

* 25. Januar 1755 in Thorn (heute Polen)
† 2. März 1830 in Frankfurt (Main)

Samuel Thomas (von) Soemmerring wurde als neuntes Kind des Arztes Johann Thomas Soemmerring und der Pfarrerstochter Regine Geret geboren. Nach dem Besuch des Thorner Gymnasium academicum immatrikulierte sich Soemmerring 1774 an der Universität Göttingen für das Fach Medizin. Zu seinen Lehrern gehörten medizingeschichtliche Berühmtheiten wie Ernst Gottfried Baldinger (1738–1804), Heinrich August Wrisberg (1739–1808) und Johann Friedrich Blumenbach (1752–1840). Nach der Promotion zum Dr. med. im Jahr 1778 ging Samuel Thomas (von) Soemmerring auf eine Studienreise in die Niederlande, nach England und Schottland, auf der er die Anatomen Pieter Camper (1722–1789), John Hunter (1728–1793) und Alexander Monro (1733–1817) kennenlernte. 1779 wurde Soemmerring am Kasseler Collegium Carolinum Professor der Anatomie. In seine Kasseler Jahre fiel die Bekanntschaft mit Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), mit dem es zu einem über ein Jahrzehnt anhaltenden Briefwechsel kam. 1784 wurde Soemmerring als Professor für Anatomie und Physiologie an die Universität Mainz berufen, wo er fünf Jahre später zum Dekan der Medizinischen Fakultät gewählt wurde. 1792 heiratete er die Frankfurterin Margarethe Elisabeth Grunelius (1768–1802); aus der Ehe gingen der Sohn Dietmar Wilhelm (1793–1871) und die Tochter Susanne Katharina (1796–1867) hervor.

Im Jahre 1797 verließ Samuel Thomas (von) Soemmerring aus politischen Gründen Mainz und ließ sich als praktischer Arzt in Frankfurt (Main) nieder. Zu den wichtigsten Verdiensten in seiner Frankfurter Zeit gehörte die ab 1800 eingeführte Pockenschutzimpfung, der sich zunächst erhebliche Widerstände in den Weg stellten. 1802 erhielt Samuel Thomas (von) Soemmerring unter anderem Rufe an die Universitäten Jena und St. Petersburg, die er jedoch zugunsten der Berufung an die Münchener Akademie der Wissenschaften ablehnte. 1805 wurde er ihr Ordentliches Mitglied sowie zum Kurfürstlichen Pfalz-Bayerischen Hofrat ernannt und 1808 in den persönlichen Adelsstand erhoben. Da sich die versprochene Einrichtung eines Anatomiegebäudes verzögerte und schließlich scheiterte, verlagerte Samuel Thomas (von) Soemmerring seine Arbeit mehr und mehr auf die Gebiete der Physik und der Paläontologie.

Thomas Soemmerring strebte nach einer möglichst vollständigen Erfassung aller Fakten. Anatomische und wissenschaftliche Details illustrierte er mit eindrucksvollen Tafeln und seine Illustrationen bestechen durch Genauigkeit und Schönheit. Vor allem seine Arbeiten über das Nervensystem und die Sinnesorgane fanden weite Anerkennung. Mit seiner 1778 veröffentlichten Dissertation über vergleichende Anatomie des Gehirns konnte sich Soemmerring rasch in der Fachwelt einen Namen machen; seine Reihung über die Hirnbasis und den Ursprung der Hirnnerven ist bis heute gültig. Er betrachtete das Rückenmark nicht mehr als großen Nerv, sondern als Teil des Zentralnervensystems (ZNS). Er benannte die Hirnanhangdrüse als "Hypophyse" und er entdeckte 1791 den gelben Fleck in der Netzhaut des Auges. Heftige Diskussionen löste sein Buch "Über das Organ der Seelen" aus dem Jahre 1796 aus, in welchem er den Sitz der Seele in die Flüssigkeit der Hirnkammern verlegte.

Samuel Thomas (von) Soemmerring war stets an elektrischen Phänomenen interessiert, zumal diese gerade in den biologischen und medizinischen Wissenschaften Gegenstand der Diskussion seiner Zeit waren. In der Auseinandersetzung um die Frage, wodurch eigentlich Leben bestimmt sei, hatte man ab etwa 1740 zahlreiche Reize am Organismus erprobt, darunter auch die Elektrizität (anfangs in Form der Reibungselektrizität). So hatte auch Soemmerring erstmals während seines London-Aufenthalts Versuche mit Elektrisiermaschinen durchgeführt und mit Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799) und Alexander von Humboldt (1769–1859) über Probleme der Elektrizität korrespondiert. In Folge beschäftigte er sich mit galvanischen Versuchen, die 1809 zu seiner Entwicklung des elektrochemischen Telegrafen führte. Dieser Telegraf stellt das herausragende Ereignis Soemmerrings in seiner Münchener Zeit dar. Bis zu seinem Tod arbeitete Samuel Thomas (von) Soemmerring an dessen technischer Weiterentwicklung und warb in Denkschriften und praktischen Einsätzen in Deutschland, Frankreich, England und Russland um dessen Einführung.

In Anbetracht des ihm gesundheitlich nicht sehr zusagenden Münchener Klimas entschloss sich Samuel Thomas (von) Soemmerring 1819 zur Zurückkehr nach Frankfurt (Main). Soemmerring hinterließ ein umfangreiches Schrifttum, das die Gebiete der allgemeinen Medizin, der Anatomie, Neuroanatomie, Anthropologie, Paläontologie, Physik, Philosophie und Astronomie umfasste. Zu seinen medizinischen Standardwerken gehören Vom Baue des menschlichen Körpers (1791–1796) – die große anatomische Enzyklopädie in fünf Bänden, der Soemmerrings Ruhm begründete – und die Abbildungen der Sinnesorgane (1801–1809).



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