Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Ignaz Philipp Semmelweis

Veröffentlicht von: Dr. med. Fabian Weiland (01. April 2014)

Gynäkologe

* 1. Juli 1818 in Ofen (bei Buda; heute: Budapest)

† 13. August 1865 in Döbling (bei Wien)

Ignaz Philipp Semmelweis war ein Vorkämpfer für die Antisepsis. Er entdeckte die Ursache des Kindbettfiebers – eine von hohem Fieber begleitete eitrige Berührungsinfektion, die vorwiegend im Bereich der Geburtswunde auftritt. Man nannte sie damals "Frauentod aus Männerhand", da sie fast durchweg bei der Untersuchung durch die Hand des Arztes entstand. In manchen Kliniken starben am Kindbettfieber über 90 Prozent der Wöchnerinnen. Semmelweis führte die Händedesinfektion ein und reduzierte damit die Zahl der Erkrankungen drastisch. Doch statt Anerkennung erntete er die Feindschaft seiner Fachkollegen. Semmelweis hat die allgemeine Bestätigung seiner Erkenntnis nicht erlebt: Er erkrankte an einer endogenen Psychose und starb im Alter von 47 Jahren in der Landesirrenanstalt Döbling an einer Wundinfektion.

Semmelweis hatte in Pest (heute: Budapest) und Wien Medizin studiert und dort im Jahr 1844 promoviert. 1846 wurde er zum Assistenten der Geburtshilflichen Klinik des Allgemeinen Krankenhauses in Wien ernannt. Diese bestand aus zwei Abteilungen, eine, die den Ärzten und Medizinstudenten zugeordnet war und eine zweite, für die die Hebammen verantwortlich waren. Die schweren "Epidemien" mit auffallend mehr Todesopfern in der ersten Abteilung führten Semmelweis zu der Annahme, dass die Ursache in der ärztlichen Untersuchung liegen musste. Durch den Tod des befreundeten Gerichtsmediziners Jakob K. Kolletschka (1803–1847), der an einer Blutvergiftung (Sepsis) starb, die er sich durch eine Wunde beim Sezieren zuzog, konnte Semmelweis im Mai 1847 zeigen, dass das Krankheitsbild der Sepsis bei diesem Kollegen identisch war mit dem Krankheitsbild des Kindbettfiebers der Mütter. Die gemeinsame Ursache waren, wie er schrieb, "die Leichenteilchen, die in das Blutgefäßsystem gelangten". Dies war nicht verwunderlich, denn Ärzte und Studenten kamen direkt vom Seziersaal zur Untersuchung und infizieren so ihre Patientinnen. Durch Einführung der Desinfektion durch Waschungen der Hände mit einer Lösung aus Chlorkalk als hygienische Maßnahme konnte Semmelweis in seiner Abteilung die hohe Sterblichkeit der Frauen um die Hälfte senken. Man ernannte ihn zwar zum Privatdozenten, doch wurde er in Kollegenkreisen diskreditiert.

Im Jahr 1855 erhielt Semmelweis an der Pester Universität eine Professur für Geburtshilfe. Hier verfasste er eine umfassende Darstellung seiner Entdeckungen, Untersuchungen und Ergebnisse, die er in "Offenen Briefen" verbreitete und die 1861 als "Die Ätiologie, der Begriff und die Prophylaxe des Kindbettfiebers" erschienen. Nur wenige Kollegen, unter ihnen die Mediziner Ferdinand von Hebra (1816–1880) und Joseph Skoda (1805–1881), setzten sich für ihn ein und verbreiteten seine Ideen.

Doch erst als man das von dem schottischen Chirurgen Joseph Lister (1827–1912) im Jahr 1867 vorgeführte Besprühen des Operationsfelds mit desinfizierendem Karbol in die Chirurgie eingeführt und damit einen steilen Abfall der Mortalität im Operationssaal erreicht hatte, erhielt Semmelweis posthume Anerkennung. Erst über Lister und die Erkenntnisse in der noch jungen Bakteriologie fand das Händewaschen vor einer geburtshilflichen Untersuchung Eingang in die alltägliche Arztpraxis. Heute tritt das Kindbettfieber bei aseptischer Entbindung bis auf wenige Fälle von Autoinfektionen nur noch selten auf.






Anzeige