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Nikolai Vladimirovich Timoféeff-Ressovsky

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (02. April 2014)

Genetiker

* 1900 in Moskau

† 1981 Obninsk bei Moskau

Seit dem Jahre 1922 beschäftigte sich Timoféeff-Ressovsky in Moskau mit Fragen der Populationsgenetik und Untersuchungen über eine Mutation bei der Tau- beziehungsweise Fruchtfliege Drosophila melanogaster. Timoféeff-Ressovsky begann mit dem Studium der Zoologie und Naturwissenschaften an der Universität Moskau. Obwohl er über keine abgeschlossene Hochschulausbildung verfügte, holte ihn 1925 der bekannte Hirnforscher Oskar Vogt (1870–1959) an das Institut für Hirnforschung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft in Berlin.

Vogt war vor allem an Timoféeff-Ressovskys Arbeiten im Zusammenhang mit vererbbaren neurobiologischen Krankheiten interessiert. Timoféeff-Ressovsky baute die Abteilung für Experimentelle Genetik am Institut für Hirnforschung auf, übernahm 1929 die Leitung des Instituts und forschte über röntgenstrahleninduzierte Mutationen bei Drosophila. In diesem Zusammenhang entstand zusammen mit Karl Günther Zimmer und Max Delbrück die für die Entwicklung der Molekularbiologie entscheidende Abhandlung "Über die Natur der Genmutation und der Genstruktur", die heute als "Klassiker" der molekularen Genetik gilt.

Darüber hinaus gelang Timoféeff-Ressovsky zusammen mit Zimmer im Jahre 1944 die Formulierung des "Trefferprinzips in der Biologie", in der Gene als "nucleoproteidhaltige, eventuell periodisch aufgebaute Moleküle, die kettenförmig zu Chromosomen zusammengefügt sind", gekennzeichnet werden. Diese biophysikalische (Treffer-)Theorie zur Interpretation der Dosis-Wirkungs-Beziehungen spielt bei der Einschätzung der biologischen Strahlenwirkung nach Bestrahlung mit ionisierenden Strahlen eine wichtige Rolle.

Timoféeff-Ressovsky war nahezu 20 Jahre am Institut für Hirnforschung tätig. Seine Arbeiten umfassen im Wesentlichen die Gebiete der Radiobiologie und der Genetik. Aufgrund von kriegsbedingten Verlagerungen war nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Berlin nur die genetische Abteilung übrig geblieben, die Timoféeff-Ressovsky leitete, bis er im Sommer 1945 von den sowjetischen Behörden verhaftet, in die Sowjetunion deportiert und zehn Jahre lang mit seiner Frau inhaftiert wurde. Wahrscheinlich im Hinblick auf die Pläne der sowjetischen Atomforschung durfte er während seiner Inhaftierung ab 1947 im Rahmen eines biologischen Forschungsprogramms in einem von ihm selbst eingerichteten Laboratorium vor allem radioökologische Studien betreiben.

Nach seiner Entlassung im Zuge der Rehabilitierungskampagne nach dem Tode von Iossif Wissarionowitsch Stalin (1879–1953) im Jahre 1955 gründete Timoféeff-Ressovsky in Sverdlovsk ein Biophysikalisches Laboratorium der Sibirischen Abteilung der Akademie der Wissenschaften der UdSSR, das der wiederaufgenommenen wissenschaftlichen Genetik in Russland wesentlich Impulse vermittelte. Im Zuge der Rehabilitierung des Fachs Genetik wurde Timoféeff-Ressovsky 1964 mit dem Aufbau der Abteilung für Genetik und Radiobiologie des neuen Instituts für Medizinische Radiologie in Obninsk beauftragt.






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