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Philippe Pinel

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (02. April 2014)

* 20. April 1745 in Jonquières (Frankreich)

† 25. Oktober 1826 in Paris

Pinels Verdienst ist die Befreiung der Geisteskranken von ihren tatsächlichen und gesellschaftlichen Zwängen. Bis dahin waren Geisteskranke nicht als Kranke angesehen worden, sondern wurden als vermeintlich gemeingefährliche Irre gleich Verbrechern oft gefesselt, in Eisen gelegt oder sonstwie ruhiggestellt. Sie wurden in "Irrenabteilungen" von Hospitälern, in "Tollkoben" und "Narrentürme" oder feuchte Kellergeschosse ehemaliger Zuchthäuser gesperrt oder in "Narrenkolonien" weit ab menschlicher Ansiedlungen gebracht. Der Umgang beschränkte sich darauf, den Körper am Leben zu erhalten, und die ärztliche Kunst erschöpfte sich in Therapien wie "Kopfkühlungen", Einschließen in Schleudermaschinen und dergleichen.

Philippe Pinel kam erst über ein Studium der Theologie und Philosophie zur Medizin, die er in Toulouse studierte. Zur weiteren Ausbildung ging er nach Montpellier und anschließend nach Paris, wo er sich dem Studium der Geisteskrankheiten zuwandte. Hier begann Pinel im Rahmen seiner Tätigkeit als Arzt an den Anstalten Bicêtre und an der Salpêtrière mit Versuchen zur Kenntnis über das Wesen der Geisteskrankheiten und ihrer Heilung oder zumindest Linderung. 1794 wurde Philippe Pinel Professor an der Medizinschule in Paris, zunächst für Medizinische Physik, dann für Pathologie.

Die "Kettenbefreiung" durch Philippe Pinel begann ab dem Jahr 1793 – begünstigt durch die politischen und sozialen Umwälzungen der 1789 begonnenen Französischen Revolution. In umfangreichen Untersuchungen hatte Pinel die Eigenheiten von Geisteskranken studiert und daraus ein Konzept der psychischen Krankheiten aufgestellt, mit dem er die unterschiedlichen Krankheitserscheinungen auf eine gemeinsame anatomisch-physiologisch-pathologische Basis zu stellen suchte – ein Versuch, der nach dem heutigem Kenntnisstand zum Scheitern verurteilt war.

Dennoch war Philippe Pinel der Erste, der die Psychiatrie an die allgemeine Medizin heranführte, damit die soziale und wissenschaftliche Isolation der Geisteskranken aufbrach und sie so allmählich der medizinischen Methodik und ärztlichen Betreuung zuführte. Die auf Pinels Arbeiten basierende "Irrengesetzgebung" durch Jean-Etienne Esquirol (1772-1840) veranlasste zwischen 1805 und 1838 die Neuorganisation der psychiatrischen Einrichtungen in Frankreich. Im Jahr 1814 wurde der klinische Unterricht über psychische Krankheiten und Schutzbestimmungen für die Geisteskranken eingeführt; letztere sahen zum Beispiel den vollständigen Ersatz der Ketten durch Zwangsjacken, das Verbot des Ochsenziemers, mehrmalige tägliche Mahlzeiten, hygienische Grundregeln und regelmäßige Arztbesuche vor.

Den von Philippe Pinel vorgezeichneten Weg ging wenig später der Begründer der wissenschaftlichen Psychiatrie in Deutschland, Wilhelm Griesinger (1817-1868), weiter; er initiierte die Universitätspsychiatrie und verschaffte damit der deutschen Psychiatrie internationale Geltung.


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