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Max Josef von Pettenkofer

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

* 3. Dezember 1818 in Lichtenheim bei Neuburg an der Donau

† 10. Februar 1901 in München

Max Josef von Pettenkofer hat das Fach Hygiene initiiert und definiert und ein halbes Jahrhundert lang mit Inhalt gefüllt. Er setzte es als eigenständige medizinische Disziplin durch und erkannte die Abhängigkeit der Entstehung von Seuchen von der Beschaffenheit der menschlichen Umgebung. Pettenkofer ermunterte daher Behörden, Institutionen, Wirtschaftskreise und Privatpersonen, sich auf diesem Gebiet zu engagieren. Dies führte letztlich zur öffentlichen Gesundheitspolitik und der Gesundheitstechnik, die im ausgehenden 19. Jahrhundert erstmals in großem Umfang bei den städtebaulichen Sanierungen Münchens, Hamburgs, Berlins, Paris und anderer Städte angewendet wurde.

Max Josef von Pettenkofer, Sohn eines Bauern, studierte in München Medizin und Pharmazie und promovierte im Jahr 1843 als Arzt und Apotheker. Anschließend ging er nach Würzburg, wo er sich die weiteren Grundlagen der Chemie aneignete, und arbeitete ab 1845 als Assistent des schon zu dieser Zeit weithin bekannten Chemikers Justus Freiherr von Liebig (1803–1873) in Giessen. Hier lernte Pettenkofer das streng naturwissenschaftlich-experimentelle Arbeiten, was auch seine späteren Untersuchungen auszeichnete. Bei von Liebig entwickelte Max Josef von Pettenkofer den Gallensäurenachweis (Pettenkofer-Reaktion) und entdeckte 1844 Kreatinin als wichtigen Bestandteil des Muskelgewebes. Daneben arbeitete er am Königlichen Hauptmünzamt in München erfolgreich an chemischen Fragen der Münzherstellung.

1847 erhielt Max Josef von Pettenkofer einen Ruf an die Universität München für Medizinische Chemie. Hier arbeitete er unter anderem an Methoden zur Verbesserung der Zementherstellung (1847), an der Gewinnung von Leuchtgas aus Holz (1851), über Fragen zu Stoffwechselbilanzen beim Menschen (1858), über die Belüftung von Wohnhäusern (um 1860) sowie an Studien über die Einwirkung der Atmosphäre auf Kleidung, Wohnen und Bodenverhältnisse.

1865 wurde Max Josef von Pettenkofer Direktor des Instituts für Medizinische Chemie an der Universität München. Gleichzeitig erhielt er das Recht, an der Universität einen Lehrstuhl für Hygiene zu errichten, dem ersten dieser Art. Den Anlass zur Errichtung dieser neuen medizinischen Disziplin bildete die bis dahin unbekannte Seuche, die Cholera, die in Europa erstmals 1831 und dann in unregelmäßigen Abständen auftrat und 1854 auch München heimgesucht hatte.

Unter den von der Cholera Befallenen war auch Max Josef von Pettenkofer. Auf dem Krankenbett entschloss er sich, im Falle seiner Genesung die Seuche mit allen Mitteln zu erforschen und zu bekämpfen. Nachdem Pettenkofer die Krankheit überstanden hatte, sprach er mit englischen Ärzten über ihre Erfahrungen in Indien, und unternahm Studienreisen nach Lyon, Marseille, Gibraltar und Malta. Dabei erkannte er, dass Epidemien wie die Cholera in engem Zusammenhang mit den örtlichen hygienischen Verhältnissen standen. Nach München zurückgekehrt, widmete sich Max Josef von Pettenkofer intensiv der Epidemiologie, also der Entstehung, Verbreitung und Bekämpfung sowie den sozialen Folgen zeittypischer Massenerkrankungen, wie der Cholera und Typhus. Dabei führte er die seither in der Epidemiologie unabdingbare Ortsbesichtigung und gründliche statistische Erfassung und Auswertung des Seuchengeschehens ein. Pettenkofers experimentelle Untersuchungen zur Bodenverunreinigung, Kanalisation, Wasserqualität, häuslichen Hygiene usw. von München und deren Bewohnern veranlassten die Behörden zu entsprechenden hygienischen bzw. sanitären Maßnahmen, die sich insgesamt erfolgreich auswirkten. München bildete den Ausgangspunkt einer regelrechten Hygienebewegung und die von Pettenkofer vorgeschlagenen Maßnahmen wurden in weiteren Städten eingeführt, sodass auch hier die allgemeine Seuchengefahr spürbar sank.

Die Forschungen Max Josef von Pettenkofers führten u.a. zu einem Streit zwischen ihm und dem Bakteriologen Robert Koch (1843–1910), in dessen Verlauf Pettenkofer am 7. Oktober 1892 eine ganze Kultur von Cholerabakterien trank, ohne Schaden zu nehmen. Der 1883 von Koch entdeckte Cholera-Erreger war somit für Pettenkofer keineswegs der entscheidende Faktor einer Cholera-Erkrankung.

Im Zusammenhang von Max Josef von Pettenkofers Untersuchungen kam es zur Errichtung eines entsprechenden Instituts, das nach seinen Plänen im Jahr 1879 in München als das erste Hygiene-Institut der Welt eröffnet wurde, und deren Direktor er wurde. Aus ihm hat sich das Max-Pettenkofer-Institut des Reichs- und späteren Bundesgesundheitsamtes entwickelt. Für seine Verdienste um die Gesundheit der Menschen wurde Max Josef von Pettenkofer 1883 in den erblichen Adelsstand erhoben und von 1890 bis 1899 die Präsidentschaft der Bayerischen Akademie der Wissenschaften zuerkannt. 1893 legte von Pettenkofer seine Professur nieder. 1901 erschoss er sich in seiner Münchner Wohnung.


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