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Louis Pasteur

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

© Getty Images

* 27. Dezember 1822 in Dole (Jura/Frankreich)

† 28. September 1895 in Villeneuve-l´Etang (bei Paris)

Obwohl Louis Pasteur als einer der Begründer der modernen Medizin gilt, war er kein Arzt, sondern Chemiker und Bakteriologe. Er führte die Medizin zur Bakteriologie, wurde ein Wegbereiter der Antisepsis und wagte es damit, den Ärzten Lehren zu erteilen. Er legte außerdem die Fundamente für die Entwicklung der Biologie und Biochemie sowie für die Mikrobiologie und Immunologie.

Louis Pasteur war der Sohn eines Gerbers, der seine Ausbildung der Förderung durch Freunde der Familie verdankte. Nach seiner Schulzeit am Collège Royal in Besancon ging er 1842 nach Paris, wo er 1843 bis 1846 an der Ecole Normale Superieure Naturwissenschaften studierte. 1847 promovierte er sowohl in Physik als auch in Chemie. 1849 erhielt er die Professur für Chemie an der Universität Straßburg, die heute seinen Namen trägt. Nach Lehraufträgen in Lille und an der Sorbonne war er von 1888 bis zu seinem Tod Direktor des für ihn geschaffenen Institut Pasteur in Paris.

Pasteur interessierte besonders der chemische Unterschied zwischen Gärung und Fäulnis. Daher begann er um 1850, sich mit der Fermentation, also der Gärung, zu beschäftigen – ein wichtiges Verfahren zum Beispiel in der Gerberei (seine Familie lebte von dieser Tätigkeit), der Bäckerei, im Lebensmittelbereich und im Braugewerbe.

An die heute übliche Veredelung pflanzlicher Rohstoffe sowie Gewinnung von Antibiotika durch Gärungsprozesse war damals noch nicht zu denken. Nach der damaligen Erkenntnis wurden Gärung und Fäulnis durch tote Fermente in organischer Materie hervorgebracht. In einer Arbeit aus dem Jahr 1857 zeigte Pasteur jedoch, dass die Gärung eine Reaktion von überaus winzigen Zellen als Resultat ihres Lebensprozesses ist. Durch umfangreiche Untersuchungen über Fäulnis und Verwesung gelangte er 1863 zur Einsicht, dass auch hier kleinste, einzellige Lebewesen am Werk sind, die sich nur bei Abwesenheit von Sauerstoff durch Spaltung ("aus sich selbst heraus") vermehren. Unter Luftzufuhr erfolgte die Verwesung, also Zersetzung, besonders der Eiweißstoffe. Pasteur bezeichnete die winzigen, kugel-, schrauben- oder stäbchenförmigen Mikroorganismen "Spaltpilze" – später nannte man sie Bakterien oder Mikroben.

Durch jahrelanges, planmäßiges Experimentieren entdeckte Pasteur, dass die winzigen Lebewesen, welche die Gärung und Fäulnis bewirken, nicht hitzebeständig sind. Folglich kann man Flüssigkeiten durch Erhitzen keimfrei machen und so vor der Gärung oder Zersetzung bewahren, ohne dass wertvolle Inhaltsstoffe beschädigt oder verändert werden beziehungsweise verloren gehen. In seiner Studie über die "Krankheiten des Weines" aus dem Jahr 1863 zeigte Pasteur, dass der allgegenwärtige Essigpilz die Essigsäure erzeugt und damit die Entstehung und Erhaltung von Wein beeinflußt – 1876 erschien eine entsprechende Studie zu den "Krankheiten des Bieres". Pasteur zeigte, dass minutenlanges Erwärmen des Weins in der geschlossenen Flasche auf 69 bis 75 °C die spätere Zersetzung des Weins verhindert. Damit hatte er das Prinzip der "Pasteurisierung" erfunden. Die Milch, mit der wir unseren Morgenkaffee veredeln oder unsere Kleinkinder ernähren, viele Lebensmittel, Fruchtsäfte, Limonaden sowie Bier beispielsweise sind wärmebehandelt, also pasteurisiert.

Im Lauf seiner Forschungen kam Pasteur zu der Auffassung, dass auch gewisse Krankheiten durch Bakterien hervorgerufen würden. Dies führte 1870 zur Entdeckung der Erreger der Seidenspinner-Krankheit (Pebrine und Flacherie), womit Pasteur die in ihrer Existenz bedrohte Seidenindustrie Lyons rettete. Von medizinisch größter Bedeutung waren dagegen seine Studien über den Milzbranderreger, den er 1877 entdeckte, und den Erreger der Hühnercholera, den er 1880 fand. Mit der Entwicklung eines Impfstoffs gegen Tollwut und der ersten Impfung dagegen im Jahre 1885 initiierte Pasteur schließlich das Zeitalter der "aktiven Immunisierung".

Schon zu Lebzeiten war Louis Pasteur ein Nationalheld und Träger zahlreicher in- und ausländischer Ehrungen. Der französische Staat dankte ihm nicht nur mit einer Leibrente, sondern errichtete ihm zu Ehren mit dem "Institut Pasteur" ein eigenes Forschungszentrum, dessen erster Direktor Pasteur bis zu seinem Tod war. Das von der Bonner Medizinischen Fakultät verliehene Ehrendoktordiplom hat er jedoch aus Protest gegen die "Barbarei" der Deutschen während des Deutsch-Französischen Kriegs zurückgeschickt. Seit einem Schlaganfall im Jahr 1868 war Pasteuer partiell einseitig gelähmt, wobei sich die Beschwerden mit zunehmenden Alter verschlimmerten. Als man seinen 70. Geburtstag feierte, nahm er die Ehrungen mit Tränen entgegen, aber die Dankesworte konnte er nicht mehr sprechen.


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