Paul Hermann Müller

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

* 12. Januar 1899 in Olten (Schweiz)
† 13. Oktober 1965 in Basel (Schweiz)

Paul H. Müller wurde 1899 als Sohn eines Eisenbahnangestellten in der Schweiz geboren. Seine frühe Kindheit verbrachte er in Lenzburg im schweizerischen Kanton Aargau, wo sein Vater arbeitete. Nach dem Umzug der Familie nach Basel besuchte Paul Müller dort die Schule.

1916 begann er seine berufliche Laufbahn als Laborassistent bei der Firma Dreyfus & Co. und wechselte 1917 zur Lonza AG, wo er als Chemie-Assistent im Labor für Wissenschaft und Industrie des firmeneigenen Elektrizitätswerks arbeitete. Dort sammelte er grundlegendes Wissen, das ihm in seiner späteren Karriere als Industriechemiker nutzen sollte. 1918 besuchte er nochmals die Schule und schloss diese 1919 mit der Matura ab, wodurch er die Universität von Basel besuchen konnte. Paul Müller absolvierte dort sein Chemiestudium unter Professor Fichter und Rupe und erhielt 1925 seinen Doktortitel. Nach der Doktorarbeit begann Paul H. Müller im Mai 1925 bei der J.R. Geigy AG in Basel zu arbeiten, wo er 1946 als Vizedirektor für die "wissenschaftliche Forschung an Substanzen zum Pflanzenschutz" zuständig war.

In seinen ersten Forschungsarbeiten behandelte Müller die chemische und elektrochemische Oxidierung von m-Xylidin. In seiner anfänglichen Arbeit bei Geigy ging es um pflanzliche Farbstoffe und natürliche Gerbstoffe. Er entwickelte synthetische Stoffe, die Leder weiß gerbten, jedoch noch nicht lichtfest waren. 1930 gelang es Paul Müller schließlich, die lichtfesten synthetischen Gerbstoffe Irgatan FL und Irgatan FLT entwickeln. Außerdem arbeitete er eine Weile an Desinfektionsmitteln, Mottenschutzmitteln für Textilien und Pestiziden im Allgemeinen. Dabei entwickelte er das quecksilberfreie Pflanzenschutzmittel Graminon, bevor er seine Forschungsarbeit zu neuen synthetische Kontaktinsektiziden aufnahm, also Insektengiften, die im Unterschied zu Fraßgiften bereits durch Kontakt töten konnten.

Nach vier Jahren gelang es Paul Müller, die Substanz Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) zu entwickeln, für die er 1940 das Schweizer Patent bekam. Tatsächlich wurde DDT bereits 1873 von einem österreichischen Studenten hergestellt, dies hatte damals jedoch keinerlei Aufmerksamkeit bekommen – erst Paul Müller erkannte die insektizide Wirkung im ganzen Ausmaß. In Feldversuchen zeigte sich, dass DDT nicht nur gegen die gewöhnliche Stubenfliege wirksam war, sondern auch gegen eine ganze Anzahl weiterer Schädlinge, wie etwa Läuse, Kartoffelkäfer und Mücken.

1942 wurden zwei DDT-Produkte auf den Markt gebracht: Gesarol und Neocid. Die beiden Rezepturen zogen die Aufmerksamkeit von britischen und amerikanischen Insektenkundlern (Entomologen) auf sich, da zur Zeit des Zweiten Weltkriegs das Insektizid Pyrethrum immer schwerer zu bekommen war. Aus diesem Grund wurde die Produktion der DDT-Verbindungen auf beiden Seiten des Atlantiks bald aufgenommen, die sich im Kampf gegen Typhus und Malaria als sehr wirkungsvoll erwiesen.

Tatsächlich konnte auf diese Weise Malaria in vielen Inselgebieten vollkommen ausgelöscht werden. Die Substanzen zeigten sich ebenfalls für die landwirtschaftliche Entomologie als sehr wertvoll und gaben großen Anreiz für die Entwicklung weiterer Insektizide. Trotzdem Müller kein Mediziner war, wurde ihm 1948 "für die Entdeckung der starken Wirkung von DDT als Kontaktgift gegen mehrere Arthropoden" der "Nobelpreis für Medizin oder Physiologie" verliehen.

1927 heiratete er die Schweizerin Friedel Rüegsegger, mit der er die beiden Söhne Heinrich (* 1929) und Niklaus (* 1933) sowie die Tochter Margaretha (* 1934) bekam. Am 13. Oktober 1965 starb Paul Müller nach kurzer Krankheit in Basel.



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