Étienne Jules Marey

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

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* 5. März 1830 in Beaune (Frankreich)
† 15. Mai 1904 in Paris (Frankreich)

Der niederländische Physiologe und Anatom Willem Einthoven (1860-1927) gilt als Erfinder der Elektrokardiographie – dem Verfahren zur Registrierung der bei der Herztätigkeit entstehenden elektrischen Vorgänge (Aktionspotenziale), und bekam dafür 1924 den Nobelpreis für Medizin verliehen. Aber bereits drei Jahrzehnte zuvor gelang Étienne-Jules Marey die entscheidende Erfindung des Kardiographen, er konnte sie aber vor allem aufgrund der damals nicht weit genug entwickelten Elektrodensysteme nicht in die allgemeine medizinische Praxis umsetzen.

Mit seiner Erfindung des Kardiographen im Jahre 1861 hatte Étienne-Jules Marey den Ärzten erstmals ein Diagnosegerät an die Hand gegeben, mit dem sie wichtige Aufschlüsse über die Herzfunktionen im normalen und im pathologischen Zustand erkennen konnten. Grundlage von Mareys Gerät ist die 1842 von Emil du Bois-Reymond (1818-1896) entdeckte Bioelektrizität in den Nerven und der Muskulatur. Daher können die vom Herzen erzeugten elektrischen Ströme an geeigneten Stellen der Körperoberfläche abgenommen und mit ausreichend empfindlichen Messgeräten und daran gekoppelten Schreibvorrichtungen aufgezeichnet werden. Mit von Galvanometern gesteuerten Schreibern hat Marey die typische Herzstromkurve ermittelt, die auch heute Bestandteil kardiographischer Untersuchungen ist.

Étienne-Jules Marey studierte in Paris Medizin, spezialisierte sich ab 1855 auf das Fach Physiologie und war daneben auch in der Tierphysiologie aktiv. 1867 wurde er Professor der Humanphysiologie. Aus Beobachtungen seiner Arzttätigkeit und dem wachsenden Interesse der Öffentlichkeit an der Körperbewegung bei Menschen und Tieren entwickelte Marey spezielle fotographische Apparate und lieferte mit seinen experimentellen und naturwissenschaftlichen Untersuchungen grundlegende Beiträge zur Bewegungsanalyse, die er 1868 unter anderem in dem Buch "Du mouvement dans les fonctions de la vie" veröffentlichte. Für seine Bewegungsstudien konstruierte er 1874 einen fotographischen Apparat zur automatischen Aufzeichnung schneller Bewegungen, mit denen er als einer der ersten die Gangart von Tieren analysierte.

Der Engländer Eadweard Muybridge (1830-1904) gilt als Wegbereiter der Kinematographie (Filmtechnik) und durch ihn inspiriert entwickelte Étienne-Jules Marey eine Art fotographisches Gewehr – eine Kamera in Form einer Flinte, die bis zu 12 Aufnahmen pro Sekunde leisten konnte. Mit diesem fertigte er ab 1882 noch auf der fotographischen Glasplatte Serienaufnahmen von bewegten Personen und Tieren in hoher Qualität an. Dabei gelang es ihm erstmals, Serienaufnahmen von fliegenden Vögeln zu machen, die er mit einem selbst entwickelten Filmprojektor in Zeitlupe wiedergab. 1893 erhielt er für seine Apparatur das Patent. Aus diesem Grund wird Marey – neben den Gebrüdern Lumiére – als Begründer der Filmtechnik angesehen. 1890 baute Marey die erste funktionsfähige Filmkamera für den von dem US-Amerikaner George Eastman (1854-1932) im Jahre 1889 entwickelten Zelluloid-Rollfilm, mit der er 1894 bis 700 Bilder pro Sekunde wiedergeben konnte.



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