Konrad Lorenz

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

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* 7. November 1903 in Wien
† 27. Februar 1989 in Wien

Konrad Lorenz ist den meisten Menschen als "Vater der Graugänse" bekannt. Er gilt nicht zuletzt wegen seiner Erkenntnisse über das Verhalten dieser Tiere als einer der bedeutendsten vergleichenden Verhaltensforscher. Für seine Arbeiten erhielt er im Jahr 1973, gemeinsam mit Karl von Frisch (1886-1982) und Nikolaas Tinbergen (1907-1988), den "Nobelpreis für Physiologie oder Medizin".

Konrad Lorenz wurde am 7. November 1903 als Sohn des Orthopäden Adolf Lorenz und seiner Frau Emma in Wien geboren. Schon als Kind hat er sich intensiv mit dem Verhalten von Tieren befasst. Dieses Interesse begleitete ihn ein Leben lang.

Von 1910 bis 1914 besuchte Konrad Lorenz eine private Volksschule in Wien und anschließend das private katholische Schotten-Gymnasium in Wien, wo er 1922 das Abitur ablegte. Nach dem Abitur begann er mit dem Studium der Medizin, das er 1928 mit der Promotion zum Dr. med. abschloss. Anschließend studierte er Zoologie und schloss 1933 auch dieses Studium mit der Promotion zum Dr. phil. erfolgreich ab.

Am 24. Juni 1927 heiratete Konrad Lorenz in Wien die Ärztin Margarethe Gebhardt, mit der er drei Kinder, zwei Mädchen und einen Jungen, hatte.

Bereits während seines Studiums befasste Lorenz sich intensiv mit den tierischen Instinkthandlungen. Seine spätere Veröffentlichung "Über den Begriff der Instinkthandlung" aus dem Jahr 1937 gilt dabei als Meilenstein, wenn nicht sogar als der Beginn und Grundstein der vergleichenden Verhaltensforschung. Im selben Jahr wurde Konrad Lorenz am Anatomischen Institut der Universität von Wien bei Prof. Ferdinand Hochstetter habilitiert und damit Privatdozent für vergleichende Anatomie und vergleichende Tierpsychologie. An diesem Institut arbeitete er nach Beendigung seines Medizinstudiums im Jahr 1928 als Assistent. Nicht zuletzt durch den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938 erhielt Lorenz 1940 den Lehrstuhl für Psychologie an der Universität von Königsberg. Er wurde damit ordentlicher Professor und Leiter des Instituts für vergleichende Psychologie der Universität Königsberg.

Konrad Lorenz trat 1938 überzeugt der NSDAP bei und wurde Mitarbeiter im "Rassenpolitischen Amt" dieser Organisation. Im Alter bereute er sein Mitläufertum mit den Worten: "Vor einer Auseinandersetzung mit den Nazis habe ich mich in sehr verächtlicher Weise gedrückt." 1941 bis 1944 arbeitete er als Arzt im Auftrag der deutschen Wehrmacht, wobei er 1944 in russische Gefangenschaft geriet, aus der er 1948 nach Österreich zurückkehrte.

1950 richtete die deutsche Max-Planck-Gesellschaft in Buldern/Westfalen eigens für Konrad Lorenz eine "Forschungsstelle für Vergleichende Verhaltensforschung" ein, die als Außenstelle des Max Planck-Instituts für Meeresbiologie Wilhelmshaven geführt wurde. 1953 wurde Lorenz an der Universität Münster/Westfalen zum Honorarprofessor ernannt.

1955 begann die Max-Planck-Gesellschaft den Bau des Max-Planck-Instituts für Verhaltensphysiologie am Eßsee in Oberbayern; später erhielt diese Örtlichkeit den Namen Seewiesen. Dort wurde Lorenz stellvertretender Direktor unter Erich von Holst und nach dessen frühem Tod ab 1961 und bis 1973 Direktor. 1957 folgte die Ernennung zum Honorarprofessor für Zoologie an der Universität München.

Trotz seiner nationalsozialistischen Vergangenheit wurde Lorenz 1954 stellvertretender und später Direktor des neu gegründeten Max-Planck-Instituts für Verhaltensforschung in Seewiesen/Bayern. Im Jahr 1973 erhielt er, gemeinsam mit Karl von Frisch (1886-1982) und Nikolaas Tinbergen (1907-1988), für seine Forschungsarbeiten den Nobelpreis:

"For their discoveries concerning organization and elicitation of individual and social behaviour patterns" (Für ihre Entdeckungen bezüglich der Organisation und den Schlüsselreizen (Erregung) individueller und sozialer Verhaltensmuster.)

Vor allem in Seewiesen, einer geradezu ländlichen Idylle am Starnberger See, fanden seine weltberühmten Experimente mit und an "seinen" Graugänsen statt. Zahlreiche Bilder, die Konrad Lorenz als "Leitgänserich" zeigten, zierten die Zeitungen und andere Medien. Aufgrund seiner Arbeiten, besonders mit Graugänsen und insbesondere der Graugans "Martina", das ihn erst auf den Gedanken brachte, führte Konrad Lorenz den Begriff der "Prägung" ein. Im weiteren Verlauf seiner Forschungen war Lorenz Mitbegründer der vergleichenden Verhaltensforschung (Ethologie).

Seit 1973 war Lorenz Leiter und Direktor in dem nach ihm benannten Konrad-Lorenz-Institut der österreichischen Akademie der Wissenschaften in Altenberg, wo er seine Beobachtungen und Forschungsarbeiten fortsetzten konnte. In den 1980er Jahren engagierte Lorenz sich stark in der Umweltbewegung und vor allem der Anti-Atomkraftbewegung.

Am 27. Februar 1989 verstarb Lorenz in Wien an Nierenversagen.



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