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Antonie van Leeuwenhoek

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

© Getty Images

* 24. Oktober 1632 in Delft (Niederlande)

† 26. August 1723 in Delft

Antonie van Leeuwenhoek wurde am 24. Oktober 1632 als Sohn eines wohlhabenden Gemischtwarenhändlers im niederländischen Delft geboren. Er besuchte ein Gymnasium in der Nähe von Leiden und wurde 1648 Lehrling bei einem Tuchhändler in Amsterdam, erhielt jedoch keinerlei wissenschaftliche Ausbildung. Nach seiner Rückkehr nach Delft heiratete er 1654 die Tochter eines englischen Kaufmanns und übernahm das väterliche Geschäft. 1660 wurde van Leeuwenhoek Beamter der Stadt Delft und 1677 Oberstadtdirektor.

In seiner Freizeit beschäftigte er sich mit der Mikroskopie, einer für seine Zeit ungewöhnlichen Liebhaberei. Er stellte aus selbst geschliffenen Linsen beziehungsweise Vergrößerungsgläsern, wie sie Tuchmacher benutzten, um die Stoffqualität zu beurteilen, einfache Mikroskope her, indem er die Linsen zwischen Metallfassungen miteinander verband. Damit konnte er Objekte mit einer bis zu 270-fachen Vergrößerung betrachten, was die Leistung der ersten mehrlinsigen Mikroskope bei weitem übertraf. Van Leeuwenhoek begann jedoch erst ab 1671, im Alter von 39 Jahren und durch seine Ämter finanziell abgesichert, ernsthaft mit naturkundlichen Studien.

1668 sah van Leeuwenhoek als Erster die roten Blutkörperchen und bestätigte damit die Entdeckung des Kapillarsystems durch den italienischen Anatomen und Physiologen Marcello Malpighi (1628-1694) im Jahre 1661. Mit seinem Mikroskop konnte van Leeuwenhoek zeigen, wie die roten Blutkörperchen durch die Kapillaren eines Kaninchenohrs und eines Froschbeins zirkulierten.

1674 beobachtete van Leeuwenhoek Protozoen und erstmals Bakterien in der Luft, im Regenwasser, im Wasser der Tümpel und im menschlichen Speichel – und nannte sie "Animalculae" (lat. = kleine Tiere). Unter dem Mikroskop waren sie als winzige, sich bewegende Objekte sichtbar.

1677 beschrieb van Leeuwenhoek Spermatozoen (Samenzellen) von Insekten und Menschen. Er wandte sich gegen die vorherrschende Theorie der Urzeugung, nach der Leben spontan aus toter Materie an ihrem Fundort entstand. Demnach müssten die unter dem Mikroskop entdeckten Mikroorganismen spontan im Untersuchungsmaterial entstehen. Van Leeuwenhoek zeigte jedoch, dass Flöhe oder Blattläuse nicht aus Sand oder Schmutz entstanden, sondern sich aus winzigen Eiern entwickelten. Er beschrieb den Lebenszyklus von Ameisen und erkannte, dass die Larven und Puppen sich aus Eiern bilden. Van Leeuwenhoek untersuchte außerdem den Feinbau von Pflanzen und entdeckte die Querstreifung des Muskelgewebes.

Ab 1676 berichtete van Leeuwenhoek in Briefen über seine Entdeckungen an die damals berühmteste wissenschaftliche Gesellschaft, die Royal Society in London. Dort überprüfte man seine Angaben und fand sie in allen Punkten bestätigt. Als Anerkennung für seine Entdeckungen ernannte man van Leeuwenhoek 1680 zum Mitglied der Gesellschaft und förderte seine Arbeiten. Bedeutende Forscher und auch königliche Häupter seiner Zeit besuchten ihn. 1699 wurde er korrespondierendes Mitglied der Pariser Akademie.

Van Leeuwenhoek hatte keine akademische Ausbildung, er schrieb ausschließlich in seiner Muttersprache Niederländisch und war bei seinen wissenschaftlichen Abhandlungen daher auf Übersetzungen angewiesen. Seine Berichte wurden in englischer Übersetzung beziehungsweise Zusammenfassung in den "Philosophical Transactions" der Royal Society bis 1724 veröffentlicht. Van Leeuwenhoek machte sein Werk außerdem mit vielen Briefen an Gelehrte in verschiedenen Ländern bekannt. Eine Großzahl seiner Beobachtungen fasste er 1695 in dem Buch "Arcana naturae detecta" zusammen. Bis zu seinem Tod im Alter von 91 Jahren wuchsen seine wissenschaftliche Arbeiten auf einen Umfang von sieben Bänden an und bereicherten das Wissen seiner Zeit und darüber hinaus entscheidend.

Van Leeuwenhoek hütete die Kunst des Linsenherstellens als Geheimnis, sodass Bakterien erst wieder beobachtet werden konnten, als es im 19. Jahrhundert gelang, bessere mehrlinsige Mikroskope zu bauen. Im Laufe seines Lebens schliff van Leeuwenhoek mehrere Hundert Linsen und seine Mikroskope waren bis in das 19. Jahrhundert hinein unübertroffen. Er besaß weit über 200 dieser Instrumente, von denen er später 26 der Royal Society schenkte.


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