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Alfred Charles Kinsey

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

© Getty Images

* 23. Juni 1894 in Hoboken (New Jersey / USA)

† 25. August 1956 in Bloomington (Indiana / USA)

Alfred Kinsey wurde 1894 im amerikanischen Hoboken in eine gutbürgerliche Ostküstenfamilie geboren und wuchs unter eher konservativen Verhältnissen auf. Er absolvierte seine Ausbildung am Bowdoin College im US-Staat Maine sowie an der Harvard Universität. Anschließend war er an der Indiana University in Bloomington tätig und wurde dort im Jahre 1929 Professor für Zoologie. Seine Forschung konzentrierte sich auf die systematische Einordnung von Gallwespen.

1936 wurde Kinsey von der Indiana University gebeten, Kurse in “Biologischer Eheberatung“ abzuhalten. Die zu diesem Zeitpunkt vorhandene Datenlage empfand Kinsey als unzureichend und wenig aussagekräftig. Aus diesem Grund entschloss er sich, selbst Befragungen zum Sexualleben der amerikanischen Bevölkerung durchzuführen. Kinsey entwickelte neue Interviewmethoden und schulte seine Mitarbeiter Fragen zu diesen damals sehr pikanten Themen durchzuführen. Das Projekt nahm nach und nach immer größere Ausmaße an, so dass Kinsey schließlich 1942 an der Universität von Indiana das “Institute for Sex Research“ gründete. Seit 1947 trägt dieses den Namen “The Kinsey Institute for Research in Sex, Gender, and Reproduction“.

Innerhalb von 15 Jahren befragten Alfred Kinsey und seine Mitarbeiter mehr als 18.000 Amerikanerinnen und Amerikaner aus unterschiedlichsten Altersgruppen und Berufen sowie allen sozialen Schichten, Bildungsgruppen und religiösen Orientierungen zu ihrem Sexualverhalten. So brachte er unter anderem in Erfahrung, was unter Onanie, Petting, Koitus, Orgasmus oder Homosexualität verstanden wurde, ob die Begriffe überhaupt bekannt waren sowie ob und wie Sexualität praktiziert wurde.

1948 erfolgte die erste große Veröffentlichung von Kinsey unter dem Titel "Sexual Behavior in the Human Male" ("Das sexuelle Verhalten des Mannes") und 1953 die zweite Veröffentlichung mit dem Titel "Sexual Behavior in the Human Female" ("Das sexuelle Verhalten der Frau"). Beide Arbeiten sind auch unter dem Namen "Kinsey-Report" bekannt. "Das sexuelle Verhalten des Mannes" wurde ein Bestseller: Innerhalb von 14 Tagen wurden über 180.000 Exemplare verkauft und auch "Das sexuelle Verhalten der Frau" hatte hohe Verkaufszahlen.

Alfred Kinseys Veröffentlichungen lösten jedoch in der amerikanischen Bevölkerung eine Welle der Entrüstung aus, da sie als Attacke auf die amerikanischen Moralvorstellungen empfunden wurde. Der "Kinsey-Report" stellte die Doppelmoral der Amerikaner bloß. Erstmals erfuhr die Nation im Detail von der Vielfalt sexueller Wünsche und Handlungen ihrer Landsleute. Bislang tabuisierte Themen wie Homosexualität und Onanie kamen zur Sprache, ebenso wie Oral- und Analsex, Bordellbesuche, Ejakulation, Orgasmus, Frigidität, Sexualität in der Kindheit und im hohen Alter. Der Bericht machte öffentlich, wie verbreitet verschiedene Formen des Sexuallebens waren, die damals als moralisch verwerflich galten. Unglaublich schienen auch die Ergebnisse über den verbreiteten vorehelichen Geschlechtsverkehr.

Alfred Kinsey wurde daraufhin die finanzielle Unterstützung für weitere Forschungen und für sein Institut gestrichen. Seine Arbeit fand erst Jahre später wissenschaftliche Anerkennung. Erst 1973 strich die amerikanische Gesellschaft für Psychiatrie die bis dahin als Krankheit geltende Homosexualität aus ihrem Diagnose- und Therapieprogramm.

Am 25. August 1956 starb Alfred Kinsey als Vater von vier Kindern infolge von Herzversagen.


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