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Edward Jenner

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

© Getty Images

* 17. Mai 1749 in Berkeley (Gloucestershire, England)

† 26. Januar 1823 in Berkeley

"Von der Liebe und den Pocken wird keiner verschont." mit diesem Spruch suchte man sich früher darüber hinwegzutrösten, dass es gegen die gefürchtete Virusinfektionskrankheit Pocken keinen (zuverlässigen) Schutz gab.

Edward Jenner, Sohn eines Pfarrers aus dem kleinen Dorf Berkeley, hatte tagtäglich mit den Folgen der Seuche in seiner Landarztpraxis zu tun. Er hatte sich bei einem Wundarzt medizinisch-chirurgische Kenntnisse erworben, und war anschließend nach London gegangen, wo er bei dem großen schottischen Anatomen und Chirurgen John Hunter (1728-1793) zum Chirurgen ausgebildet wurde. 1773 kehrte Jenner zurück und ließ sich als Landarzt in seinem Geburtsort nieder. 1792 erwarb Edward Jenner den medizinischen Doktorgrad der Universität Saint Andrews in Schottland, gab die Chirurgie auf und praktizierte bis 1815 als Badearzt in Cheltenham in Gloucesters. Anschließend kehrte Jenner in seinen Heimatort zurück.

Edward Jenner beobachtete in seiner Praxis, dass Melkerinnen, die sich an mit harmlosen Kuhpocken infizierten Kühen ansteckten, bei auftretenden Pockenepidemien von der Seuche verschont blieben oder nur sehr gering erkrankten. Bisher hatte kein Arzt ernsthaft geglaubt, dass ein Zusammenhang zwischen Krankheiten des Menschen und der Tiere bestünde. Edward Jenner prüfte die Zusammenhänge über mehrere Jahre hinweg und war schließlich seiner Sache so sicher, dass er das Experiment am Menschen wagen konnte: Am 14. Mai 1796 impfte er einen gesunden achtjährigen Knaben mit einem Impfstoff aus der Pustel des Arms einer Milchmagd, die sich bei den Kühen ihres Herrn angesteckt hatte. Nachdem der Junge die üblichen Reaktionen überstanden hatte und gesund geblieben war, infizierte er den Jungen mit echten Pocken. Die "Impfungen" erfolgten jeweils mittels kleiner Hautschnitte in den Arm. Der Junge blieb gesund – er war durch die erste Impfung gegen die zweite immun geworden. Damit eröffnete Jenner die Ära der Vakzination (Impfung; von lat. vacca = Kuh) und löste die Jahrhunderte bekannte unsichere und gefährliche Variolation (Inokulation) ab.

Die Variolation mit Menschenpocken war bereits seit langer Zeit in China, Indien und der Türkei gebräuchlich. Dabei wurde Eiter von leicht an Pocken Erkrankten mit einer Nadel auf Gesunde übertragen. Diese Methode wurde in England erstmals im Jahre 1717 durch einen Brief der englischen Schriftstellerin Lady Mary Wortley Montagu (1689-1762) bekannt. Sie hatte ihren Sohn auf diese Art "impfen" lassen, er blieb gesund, und sie führte das Verfahren 1721 am englischen Hof ein. Ein Jahr später hatte sich die Variolation über ganz England verbreitet, und war ab 1749 auch auf dem Kontinent bekannt.

Als Edward Jenner sein Experiment begann, bestand somit in vielen europäischen Staaten ein etabliertes "Impfwesen" mittels Variolation. Als Jenner 1798 seinen Bericht Untersuchungen über die Ursachen und Wirkungen der Kuhpocken über die erfolgreiche Impfung des Knaben mit einem Impfstoff, der von einem Menschen und nicht vom Tier gewonnen wurde, veröffentlichte, wurde die Arbeit daher zunächst abgelehnt. In seinem Bericht beschrieb Edward Jenner seine Impfmethode sowie die Symptome der Pocken und stellte klar die Vorzüge der Impfung mit Kuhpocken gegenüber der Variolation heraus: Keine Pusteln, daher auch keine Verunstaltungen durch Narben, keine tödlichen Ausgänge, und die Impflinge stellen keine Ansteckungsquelle dar.

Edward Jenners Methode war so überzeugend, dass er bald von der Fachwelt begeistert gefeiert wurde und den Erfolg seiner Entdeckung noch zu Lebzeiten erfahren konnte. Eine Krönung seiner Arbeit stellte die Eröffnung des Jenner-Instituts, eine Impfanstalt für Arme, im Jahr 1803 dar. Die Pockenimpfung nach der von Jenner entwickelten Methode setzte sich nicht nur in England sondern auch auf dem Kontinent rasch durch, und Jenner wird seitdem als der Begründer der (Kuh-)Pockenschutzimpfung ("Jenner-Impfung") geehrt.


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