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Christoph Wilhelm Hufeland

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

* 12. August 1762 in Bad Langensalza (Thüringen)

† 25. August 1836 in Berlin

Mit seinem 1797 erschienenen Hauptwerk Die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern – auch bekannt unter dem Kürzel "Makrobiotik" – wurde Christoph Wilhelm Hufeland weltberühmt; die Schrift erschien sogar in chinesischer Übersetzung. Darin fordert er etwas an sich ganz Selbstverständliches, nämlich ein ausgewogenes Maß zwischen Askese und Schlemmerei, denn "alle Extreme verhindern die Verlängerung des Lebens". Hufelands Leben und Wirken waren darauf ausgerichtet, durch eine gesunde Lebensführung den Menschen eine für damalige Verhältnisse bestmögliche Lebensqualität zu ermöglichen. Eine seiner eingängigen und heute immer noch gültigen Grundsätze lautete: "Vorbeugen ist besser als Heilen!" Hufelands naturheilkundliche und diätetische Prinzipien (Diätetik = die Lehre von der gesunden Lebensordnung) wirken bis in die ökologische Bewegung unserer Zeit hinein.

Als Sohn einer Ärztefamilie studierte Christoph Wilhelm Hufeland in Jena und Göttingen ebenfalls Medizin. Ab 1783 arbeitete er in der umfangreichen Praxis seines Vaters in Weimar, die er später übernahm und bis 1801 führte. Während dieser Zeit trat Hufeland in engen Kontakt zu den Dichtern Goethe, Herder, Schiller und Wieland, die ihn regelmäßig konsultierten. Als Christoph Wilhelm Hufeland 1792 in der "Freitagsgesellschaft" Johann Wolfgang von Goethes (1749-1832) ein Fragment über das organische Leben aus seiner Arbeit über Makrobiotik (die Kunst, Langlebigkeit, also Makrobiose, durch entsprechende Lebensweise zu erreichen) vorlas, erregte er den Beifall und das Interesse des sächsischen Herzogs Karl August (1757-1828): "Der Hufeland passt zu einem Professor; ich will ihn nach Jena versetzten", meinte der Regent, und ein Jahr später wurde Hufeland als Professor nach Jena verpflichtet.

Als Christoph Wilhelm Hufeland 1800 die Berufung in Preußens Haupt- und Residenzstadt Berlin erhielt, war er in Europa ein weit über die Ärzteschaft hinaus berühmter Mann. Durch sein ab 1795 erscheinendes Journal der practischen Arzneykunde und Wundarzneykunst erteilte er uneigennützig und unparteiisch Ärzten der unterschiedlichsten Fachrichtungen ein Forum für und wider die Neuerungen der zu dieser Zeit noch weithin abgelehnten Lehren wie beispielsweise Akupunktur, Homöopathie, Schutzimpfung und Wasserheilkunde. Hufeland sah in ihnen wertvolle Ergänzungen zu den bisherigen diagnostischen und therapeutischen Verfahren.

1801 wurde Christoph Wilhelm Hufeland in Berlin königlicher Leibarzt, Direktor des Collegium medico-chirurgicum und Erster Arzt der Charité. Als 1810 die Berliner Universität eröffnet wurde, übernahm er den Lehrstuhl für Spezielle Pathologie und Therapie (den er bis zu seinem Tode bekleidete), ferner die Leitung der Militärakademie sowie als Staatsrat die Abteilung Gesundheitswesen im Innenministerium.

Christoph Wilhelm Hufeland gilt als einer der Väter der Naturheilkunde, der die Volksheilkunde mit den neuesten Forschungen der Wissenschaft zum Nutzen der Kranken harmonisch verband. Hufeland verstand sich als Helfer der Heilkraft der Natur. Hierbei bediente er sich aller ihm nützlich erscheinenden Methoden, ohne einem bestimmten System anzuhängen. Allerdings lehnte er die Lehre Franz Mesmers (1734-1815), der sich dem tierischen Heilmagnetizismus, dem Mesmerismus, verschrieben hatte, entschieden ab.

Christoph Wilhelm Hufeland forderte staatliche Hygienegesetze und die Einführung der Gesundheitsfürsorge in öffentlichen Schulen. Bestürzt über die hohe Sterblichkeit durch Krankheiten aller Art in allen Lebensaltern, beobachtete er, dass bei der Analyse und Behandlung von Krankheiten immer auch das berufsbedingte soziale Umfeld, die Wohnverhältnisse und Ernährungsweisen mit berücksichtigt werden müssen. Hufeland initiierte daher die unentgeltlichen Behandlung mittelloser Kranker und Bedürftiger, richtete 1810 die erste Poliklinik in Berlin ein und entwarf ein Arzneibuch zur sparsamen Therapie: "Es muss immer die Sorge der Gesellschaft sein, die Kranken durch eine Kur nicht arm zu machen." Weitere bedeutende Beiträge von ihm sind die Neuordnung des preußischen Medizinalwesens und die Einführung der Pockenschutzimpfung in Preußen.

Trotz seiner zahlreichen ärztlichen Verpflichtungen – er besuchte neben seiner Hochschultätigkeit bis zu 40 Patienten täglich – sowie seiner gesellschaftlichen Aufgaben fand Christoph Wilhelm Hufeland Zeit für ein Gesamtwerk, das über 400 Schriften umfasst. Viele davon waren sehr allgemeinverständlich gehalten. Bei seinem 50-jährigem Doktorjubiläum 1833 erhielt Hufeland von der Akademie der Wissenschaften eine acht Meter lange Papierrolle mit den Namen von etwa 3.200 Gratulanten sowie 10.000 Taler, die den Grundstock seiner Stiftung für notleidende Ärzte bildete. Der König überreichte ihm den Roten-Adler-Orden 1. Klasse mit Eichenlaub – eine seltene Ehrung für einen Gelehrten. Als der König ihn noch in den erblichen Adelstand erheben wollte, lehnte Hufeland ab.


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