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Hippokrates

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

© Getty Images

* um 460 v. Chr., Insel Kos (Griechenland)

† um 370 v. Chr. in Larissa (Thessalien)

Hippokrates gilt als der erste "moderne" Arzt. Er ist der Begründer der rational-empirischen Medizin – also der wissenschaftlichen Medizin – und er gilt häufig als der "Vater der europäischen Heilkunde". Über sein Leben ist heute nicht viel bekannt, doch ergeben sich aus Legenden und Anekdoten gewisse Kernaussagen, die ein Bild von Hippokrates zeichnen.

Die Familie von Hippokrates, die sogenannten Asklepiaden, beanspruchten als ihren Vorfahren den Heilgott "Asklepios". Und so soll Hippokrates bereits als Kind von seinem Vater Herakleidas entsprechend der Familientradition in den Ärzteberuf und in die hergebrachte Medizin eingeführt worden sein. Danach folgten Reisen durch Kleinasien und Griechenland, wo er seine "ärztliche Kunst" als wandernder Arzt ausübte und weiterentwickelte. Berühmt, geachtet und allseits geehrt kehrte Hippokrates nach Kos zurück, um hier zu praktizieren, zu schreiben und in einer eigenen Schule Medizin zu lehren. Später wurde er hier als "Halbgott" kultisch verehrt. Hippokrates großer Ruf zeigte sich unter anderem darin, dass auf koischen Bronzemünzen der frühen Kaiserzeit sein Bildnis zu sehen ist. Im Alter lebte Hippokrates vermutlich in Larissa auf Zypern – noch heute erinnert ein Grabstein an der Straße nach Gortyn an seinen Tod.

Das Medizinkonzept von Hippokrates wurde von dem griechischen Philosophen Platon (427/428–347 v. Chr.), Begründer des Idealismus, als naturphilosophisch beschrieben. Folglich hat der Arzt zuerst das "Ganze der Natur" zu kennen, bevor er den Patienten behandeln kann. Unter Hippokrates entstand die "Corpus Hippocraticum", eine etwa 60 Schriften umfassende Textsammlung. Es ist jedoch unklar, welche der Schriften tatsächlich von Hippokrates stammen. Die Textsammlung enthält die Auffassungen der griechischen Medizin, wie sie Hippokrates und seine Schüler verstanden. Danach soll der Arzt über eine Konzeption verfügen, mit deren Hilfe er beurteilen kann, wie sich die "Einzelelemente", aus denen sich alles zusammensetzt, zueinander und zum menschlichen Körper verhalten. Hippokrates gehörte also zu denjenigen Ärzten, für die das Verhältnis von Mensch und Umwelt vor allem durch Umwelteinflüsse abhängt. Er verstand die Krankheit als Ausdruck einer Abweichung vom Gleichgewicht der Körpersäfte, wie sie für ihn in den mannigfachen Krankheitserscheinungen beobachtbar waren. Deshalb war für ihn die Beobachtung des Kranken eine der wichtigsten ärztlichen Tätigkeiten.

Mit dieser besonderen Wertschätzung der systematischen Beobachtung für die Diagnose und therapeutischen Umsetzung brach Hippokrates mit der Tradition der an die Götter und magischen Kräfte gebundenen Medizin. Er behandelte nicht die Krankheit, sondern stets den ganzen Menschen, in dem er dessen natürliche Heilungskräfte durch Diät, Umstellung der Lebensweise, durch Medikamente in Form pflanzlicher Drogen und letztlich durch die Chirurgie unterstützte. Ein wesentlicher Faktor in der Krankengeschichte (Anamnese) und Diagnose waren daher auch die Lebensumstände des Patienten, seine Konstitution oder auch sein Beruf. Obwohl der Begriff der Asepsis (Fernhalten von Krankheitskeimen) noch völlig unbekannt war, verlangte Hippokrates bei der Behandlung und vor allem bei chirurgischen Eingriffen äußerste Sauberkeit.

Hippokrates verkörpert heute wie in der Antike für viele Menschen und speziell für die Ärzte jeder Fachrichtung das Leitbild des idealen Arztes, der wissenschaftliches Denken mit ärztlicher Erfahrung und hohem ärztlichen und menschlichen Ethos verbindet. Seine Söhne Drakon und Thessalos sowie sein Schwiegersohn Polybos führten die Familientradition fort.


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