Albrecht von Haller

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

* 16. Oktober 1708 in Bern

† 12. Dezember 1777 in Bern

Haller gilt als einer der bedeutendsten Universalgelehrten der Schweiz sowie als der letzte Universalgelehrte Europas..

Er wurde am 16. Oktober 1708 als Sohn des Juristen Niklaus Emanuel Haller in Bern geboren. Da er oft sehr kränkelte, wurde er in seiner Jugend von Hauslehrern unterrichtet. Nach dem Tod des Vaters schulte ihn der daraufhin bestellte Vormund, ein befreundeter Arzt, in Bern im Jahre 1721 auf einem Gymnasium ein..

Im Alter von erst 15 Jahren begann Albrecht von Haller an der Universität in Tübingen mit dem Medizinstudium. Er wechselte im Jahre 1725 an die Universität von Leiden/Niederlande, um sein Studium dort im Jahre 1727 mit der Promotion über den menschlichen Speichelgang zum Dr. med. abzuschließen.

Nach einem kurzen Aufenthalt in England verbrachte er die Jahre 1727/28 mit anatomischen und chirurgischen Übungen und Studien in Paris. In Leiden hatte er sich mit dem Schweizer J. Gessner angefreundet und einige Jahre gemeinsame Studienzeit verbracht. Im Jahre 1728 wechselten beide nach Basel, wo sie bei dem Mathematiker Johann Bernoulli (1667-1748) Vorlesungen belegten. Johann Bernoulli war der Onkel des Mathematikers, Physikers und Anatoms Daniel Bernoulli (1700-1732), dem Entdecker der Bernoullischen Gleichungen.

Im Winter 1728/29 vertrat von Haller den erkrankten Anatomie-Professor J.R. Mieg in Basel. Aber bereits im Jahre 1729 kehrte er nach Bern zurück und ließ sich als praktischer Arzt nieder. Von Haller inspirierte und bedrängte den Rat der Stadt Bern zu einem "Anatomischen Theater", das im Jahre 1735 von Haller feierlich eröffnet wurde. In diesem "Theater" wurden Anatomievorlesungen und -demonstrationen abgehalten - ähnlich einem heutigen Anatomie-Hörsaal.

Im selben Jahr erhielt er eine Stelle als Stadtbibliothekar der Stadt Bern. In dieser Position verblieb er aber nur kurze Zeit. Bereits im Jahre 1736 wechselte er an die Universität in Göttingen als Professor für Anatomie, Botanik und Chirurgie. In dieser sehr vielseitigen Position verblieb er bis zum Jahre 1753.

Während seiner Tätigkeit in Göttingen trug er wesentlich zu dem Aufschwung und Ansehen der Universität bei. Er bewies beispielsweise, dass Sensibilität und Reize stets an das Vorhandensein von Gewebestrukturen gebunden ist. Die damalige "Königliche Gesellschaft", die spätere "Akademie der Wissenschaften", erlangte nicht zuletzt durch seine Aktivitäten großes internationales Ansehen. Auf Grund seiner Verdienste wurde er am 23. April 1749 durch Kaiser Franz I Stephan (1708-1755), dem Ehemann von "Kaiserin Maria Theresia" (1717-1780), in den erblichen Adelsstand erhoben.

In Göttingen war er unter anderem auch der Gründer des "Botanischen Gartens" und wurde zum Großbritannischen Leibarzt ernannt. Berufungen nach Oxford und Utrecht lehnte er zugunsten seiner Tätigkeit in Göttingen ab. Aber im Jahre 1753 kehrte er in seine Heimatstadt Bern zurück, wo ihn durch ein Losentscheid die Stelle eines Rathausamtmannes zugesprochen wurde. Dann wurde er 1754 Schulrat in Bern und 1755 Vorsteher eines Waisenhauses.

Nach Ablauf seiner Amtszeit in Bern erhielt Albrecht von Haller im Jahre 1758 die gut dotierte Stelle des Direktors der Bernischen Salzbergwerke von Roche im Rhonetal. Nach Beendigung dieser Zeit im Jahre 1764 kehrte er auf eine relativ gut dotierte Stelle als "Assessor perpetuus" des Berner Sanitätsrats nach Bern zurück und schlug wegen des Einspruchs seiner Familie eine Stelle als Kanzler der Universität von Göttingen aus.

Von Haller war dreimal verheiratet und hatte insgesamt elf Kinder. Das erste Mal heiratete er im Jahre 1731 Marianne Wyß, mit der er bis zu ihrem Tod im Jahre 1736 zusammenlebte. Danach, im Jahr 1739, heiratete er Elisabeth Bucher, mit der er bis 1740 verheiratet war. Und schließlich heiratete er im Jahre 1741 Sophie Amalia Cristina Teichmüller, mit der er bis zu seinem Tod im Jahre 1777 zusammen blieb.

In den letzten Jahren seines Lebens litt von Haller vor allem an starken depressiven Stimmungen, die wahrscheinlich Krankheitscharakter besaßen. Zudem war er auf den regelmäßigen Gebrauch von Opium angewiesen. Nach einem erfolgreichen Leben als Arzt, Wissenschaftler, Schriftsteller und Politiker starb er am 12. Dezember 1777 in Bern.

Albrecht von Haller

  • 1708: Albrecht von Haller wird am 16. Oktober in Bern geboren
  • 1723-1727: Medizinstudium in Tübingen und Leiden/Niederlande
  • ab 1729: Publikation kleinerer anatomischer und botanischer Schriften
  • 1729-1736: Praktizierender Arzt in Bern
  • 1736-1753: Professor für Anatomie, Botanik und Chirurgie an der Universität Göttingen
  • 1754: Schulrat in Bern
  • 1755: Vorsteher des Waisenhauses Bern
  • 1758-1764: Direktor der Bernischen Salzbergwerke von Roche im Rhonetal
  • 1764: Ernennung zum Assessor perpetuus des Berner Sanitätsrates
  • 1777: Albrecht von Haller verstirbt am 12. Dezember in Bern


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