Emil Grunmach

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

* 4. Mai 1849 in Schwetz (ehem. Westpreußen)

† 1. August 1919 in Berlin

Emil Grunmach ist einer der Röntgenpioniere und Wegbereiter der medizinischern Röntgenwissenschaft. An technischen Dingen außerordentlich interessiert, begann Grunmach bereits wenige Wochen nach der Entdeckung der Röntgenstrahlen Ende 1895, mögliche medizinische Anwendungen und hierzu notwendige technische Voraussetzungen experimentell und wissenschaftlich zu untersuchen. Emil Grunmach etablierte an der Berliner Charité das erste Röntgeninstitut einer Universitätsklinik, welches er über zwei Jahrzehnte leitete. Hier entwickelte er zudem zahlreiche röntgentechnische Apparate und -diagnostische Verfahren.

Emil Grunmach ging nach Absolvierung des Gymnasiums in seiner Vaterstadt nach Berlin, studierte hier an der Universität und der Charité Medizin und Chirurgie und promovierte 1873 mit seiner Dissertation Über die Struktur der quergestreiften Muskulatur der Insekten. 1874 habilitierte sich Grunmach als Privatdozent an der Berliner Universität.

Von 1874 bis 1877 war Emil Grunmach Assistent in der Inneren Abteilung des Städtischen Allgemeinen Krankenhauses in Berlin-Friedrichshain, wo er sich auch mit der Anfertigung medizinischer Apparate befasste. Im gleichen Jahr wurde er für vier Jahre Assistent in der Privatklinik von Louis Waldenburg. 1880 erhielt Emil Grunmach eine Anstellung als Assistenzarzt in der Poliklinik der 2. Medizinischen Universitätsklinik an der Charité. Hier erweiterte er seine physikalisch-technischen und physiologischen Kenntnisse, habilitierte sich 1883, wurde 1887 Erster Assistenzarzt an der Klinik und 1888 wurde Titularprofessor.

Bereits während seiner Assistenzzeit beschäftigte sich Emil Grunmach vorwiegend mit der Physiologie und Pathologie des Herzens und der Atmungsorgane. Die Entdeckung der Röntgenstrahlen Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923) veranlasste Emil Grunmach, diese neue diagnostische Methode in seine Untersuchungen einzubeziehen. Schon im Frühjahr 1896 begann Grunmach mit ersten Experimenten. Da noch kein spezifisches Instrumentarium zu Verfügung stand, entwickelte er erste Apparaturen und mit ihnen diagnostische Verfahren.

Im Juni 1896 berichtete Emil Grunmach im Fachbeitrag Über Röntgenstrahlen zur Diagnostik innerer Krankheiten in der Berliner klinischen Wochenschrift, dass es "nunmehr gelungen ist, mithilfe der Röntgenröhren durch den Fluoreszenzschirm wichtige innere Organe zu sehen, ihre Lage und Größe zu bestimmen, endlich auch ihre Bewegung zu verfolgen [...]".

Emil Grunmach führte mit dem Physiologen René Du Bois-Reymond (1863-1938) und dem Ingenieur Max Levy (1869-1932) Untersuchungen bei Kranken und vergleichsweise bei Gesunden durch. Dabei konnte Grunmach als einer der ersten Ärzte im Durchleuchtungsbild Hals, Brustkorp und Unterleib genau erkennen. Um das Kontrastverhältnis zu verbessern, verwendete er Gase als Kontrastmittel sowie Brausemischungen. Anfang 1897 gelang es Grunmach, unter anderem, Form, Größe, Lage und pathologische Veränderungen von Lunge, Herz, Zwerchfell, Aortensystem, Skelett zu zeigen. 1898 skizzierte Emil Grunmach erstmals ein genaues Bild von Lungentumoren.

Mit zahlreichen Beiträgen und Vorträgen in wissenschaftlichen Vereinen und auf Kongressen trat Emil Grunmach für die Anwendung von Röntgenstrahlen ein und zeigte die medizinischen Möglichkeiten, die in ihnen stecken. So erhielt er bereits Anfang 1897 die Erlaubnis zum Aufbau eines Röntgeninstituts und dessen Leitung. Unter Grunmachs Leitung begann sich hier die Röntgenologie als eigenständiges Fach zu etablieren.

Das Röntgeninstitut wurde zu einer führenden Einrichtung in Berlin. Etwa zeitgleich mit seiner Leitung wurde Emil Grunmach 1900 zum außerordentlichen Professor an der Medizinischen Fakultät der Berliner Universität ernannt und erhielt 1901 das Extraordinariat für das Institut.

Emil Grunmach hatte früh erkannt, dass nur ein der Universität angegliedertes Forschungs- und Lehrinstitut der zukünftigen Bedeutung der Röntgenstrahlen förderlich sein werde. Er war daher der erste Hochschullehrer in Deutschland, der Vorlesungen in Röntgenologie in den akademischen Unterricht einbezog. Seine erstmals im Wintersemester 1897/1898 begonnenen Vorlesungen führte er bis zum Wintersemester 1914/1915. Neben Übungen in Röntgenologie hielt er auch Vorlesungen in Anatomie, Physiologie, Fotografie und Chemie.

Emil Grunmach, der sich seit der Entdeckung der Röntgenstrahlen ausschließlich ihren diagnostischen Anwendungen widmete, fasste seine langjährigen Erfahrungen in dem 1914 erschienen Standardwerk Die Diagnostik mittels der Röntgenstrahlen in der inneren Medizin und den Grenzgebieten zusammen. Aus gesundheitlichen Gründen zog er sich im April 1918 von den amtlichen Verpflichtungen in der medizinischen Fakultät und der Leitung des Röntgeninstituts zurück. Im September 1918 erhielt Grunmach durch den deutschen Kaiser den Titel eines Geheimen Medizinalrats. Ein Jahr später starb er am Herzschlag. Noch zu seinen Lebzeiten wurde das Institut geschlossen und der Unterricht auf einzelne Charité-Kliniken verteilt, die bereits seit Jahren eigene Röntgenlaboratorien unterhielten.

Emil Grunmach, 1849-1919

  • 1849: Emil Grunmach wird am 4. Mai in Schwetz (ehem. Westpreußen) geboren
  • 1873: Promotion in Berlin
  • 1874: Habilitation als Privatdozent an der Berliner Universität
  • 1874-1887: Assistenzarzt im Krankenhaus Am Friedrichshain, an der Klinik Louis Waldenburg sowie an der Charité
  • 1888: Titularprofessur an der Berliner Charité
  • 1896-1914: Grundlegende röntgenologische Fachliteratur
  • 1897-1918: Leitung des ersten deutschen hochschulmedizinischen Röntgeninstituts
  • 1900: Ernennung zum außerordentlichen Professor an der Medizinischen Fakultät der Berliner Universität
  • 1918: Ernennung zum Geheimen Medizinalrat
  • 1919: Emil Grunmach verstirbt am 1. August in Berlin


Apotheken-Notdienst