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Georg Groddeck

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

© iStock

* 13. Oktober 1866 in Bad Kösen

† 10. Juni 1934 in Knonau (Schweiz)

"Das Umwerfen von Vasen ist immer der Ausdruck eines sexuellen, eines Geschlechtswunsches." Mit solchen und anderen Einsichten verblüffte Georg Groddeck, Wegbereiter der psychoanalytischen Psychosomatik, seine Hörer und Leser. Groddecks Therapieformen verbinden Naturheilverfahren mit psychoanalytischen, suggestiven und hypnotischen Elementen. Seine Arm- und Fußbäder, Massagen sowie seine Diätkost werden auch heute noch praktiziert, wenn auch die kühnen Heilslehren, mit denen er seine Patienten zusätzlich durchaus autoritär traktierte, heute zurückhaltender bewertet werden. "Sich Gehorsam verschaffen" sei die "Grundlage aller ärztlichen Kunst", so Groddecks Auffassung. Und tatsächlich wurde er für viele ein angehimmelter "Führer zur Gesundheit". In seinem "Buch vom Es" lieferte Groddeck dem Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud (1856-1939), den Begriff für seinen "Seelen-Unterbau" und trug sich selbst einen Platz in den Annalen der Psychoanalyse ein. Groddeck gilt vielen als Begründer der Psychosomatik – seine Vorbehalte gegenüber der strengen Wissenschaftlichkeit und Schulmedizin ließen ihn allerdings unter Psychoanalytikern bis heute Außenseiter bleiben.

Georg Groddeck, Sohn von Karl Grodeck, der 1850 mit einer Arbeit über "Die demokratische Krankheit, eine neue Wahnsinnsform" den Doktorgrad erworben hatte, und seiner Ehefrau Karoline Koberstein, besuchte das legendäre Internat Schulpforta bei Naumburg (Saale). Anschließend studierte er an der Berliner Universität Medizin. Hier wurde er Schüler und Anhänger des umstrittenen Heilkünstlers Ernst Schweniger (1850-1924), der seit 1880 Leibarzt von Reichskanzler Otto von Bismarck (1815-1898) war. Schwenigers Ansätze einer naturheilkundlich suggestiven Behandlungsform setzte Groddeck später erfolgreich um. 1889 promovierte Georg Groddeck bei Schweninger, war danach ein Jahr lang an der Charité sein Assistent und anschließend für fünf Jahre Militärarzt. Danach leitete Groddeck das Berliner Sanatorium seines Lehrers und übernahm 1897 auch die Kuranwendungen in dessen Sanatorium in Baden-Baden. Hier war Groddeck so erfolgreich, dass er mit finanzieller Hilfe seiner Schwester Lina 1900 seine eigene Heilstätte eröffnen konnte. Dazu richtete er in der Villa Marienhöhe ein Privatsanatorium mit 15 Betten ein – heute eine der Groddeck-Gedenkstätten.

Durch die Arbeit mit Ernst Schweninger war Georg Groddeck einer prominenten, internationalen Klientel bekannt geworden, die nun sein Sanatorium frequentierte. Hier entwickelte er seine Heilslehren. Er verabreichte Bäder, Massagen und Diäten und setzte erste psychologische Verhaltensforschungen praktisch um, die vieles von den Freudschen Grundsätzen vorwegnahmen und die ihn unter seinen schwindsüchtigen und krebskranken Patienten bald zum "Heiler von Baden-Baden" avancieren ließen. Groddeck behandelte seine Patienten immer selbst und betreute sie intensiv während des gesamten Aufenthalts. Dabei leistete er es sich, die Honorare "nach dem Vermögen" seiner Kranken festzulegen. Georg Groddeck tat jedoch kaum etwas anderes, als eine auf den einzelnen Kranken zugeschnittene, naturheilkundlich orientierte Behandlung anzuwenden – allerdings stark mit suggestiven und hypnotischen Elementen angereichert.

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1913 veröffentliche Georg Groddeck sein Buch "Nasamecu", die Abkürzung des lateinischen Satzes "Natura sanat, medicus curat" ("Die Natur heilt, der Arzt pflegt"). 1917 kam die Schrift "Psychische Bedingtheit und psychoanalytische Behandlung organischer Leiden" hinzu, die zum Grundstein der Psychosomatik wurde. 1921 folgte der Roman "Der Seelensucher", eine Parabel der Psychoanalyse. 1923 kam dann sein Hauptwerk, das "Buch vom Es", heraus. Spätestens mit diesem Buch verbreitete sich Groddecks Ansehen weit über seinen Wirkungskreis hinaus.

Die Erkenntnis, dass "Es" – damit meint Georg Groddeck irgendein Wunderbares, das alles regelt, was der Mensch tut und was mit ihm geschieht – alle Lebensprozesse beeinflusst, brachte ihn zu der Überzeugung, alle Krankheiten seinen psychischen Ursprungs und können nur dann geheilt werden, wenn eine seelische Umorientierung erfolgt. Der Begriff "Es" wurde später von Sigmund Freud übernommen und wird fälschlicherweise auch ihm zugeschrieben. Bereits 1917 hatte Groddeck Freud über seine Therapieformen berichtet, sowie darüber, dass er schon seit Jahren dessen Behandlungstechnik eigenständig erprobte. Freud hat Groddeck allerdings nie vollgültig akzeptiert.

Georg Groddeck, 1866-1934

  • 1866: Georg Groddeck wird am 13. Oktober in Bad Kösen an der Saale
  • 1885: Abitur im Internat Schulpforta bei Naumburg
  • 1885-1889: Medizinstudium in Berlin (finanziert vom Militär)
  • 1891-1896: Militärarzt
  • ab 1896: Leitung des Berliner Sanatoriums
  • ab 1897: Leitung des Sanatoriums in Baden-Baden
  • 1900: Eröffnung eines eigenen kleinen Privatsanatoriums in der Villa Marienhöhe in Baden-Baden
  • 1934: Georg Groddeck verstirbt am 10. Juni in Knonau (Schweiz)

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