Hermann Gocht

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

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*3. Februar 1869 in Köthen (Sachsen-Anhalt)

† 18. Mai 1938 Schkopau (Sachsen-Anhalt)

Hermann Gocht ist der Wegbereiter der modernen Orthopädie zu einer eigenständigen Disziplin. Daneben zählt er zu den frühen Pionieren der Anwendung der Röntgenologie sowie der Entwicklung künstlicher Glieder in der Orthopädie.

Nach seinem Abitur im Jahr 1888 studierte Hermann Gocht Medizin an den Universitäten Tübingen, Halle, Berlin und Erlangen und legte 1894 sein Staatsexamen ab. Diesem folgte eine über sieben Jahre dauernde Weiterbildung an der Chirurgischen Universitätsklinik Halle unter Fritz G. von Bramann (1854-1913), am Hygienischen Institut der Universität Greifswald unter Friedrich A. J. Löffler (1852-1915), am Pathologischen Institut der Universität Greifswald unter Paul Grawitz (1850-1932), an der Chirurgischen Klinik des Krankenhauses Hamburg-Eppendorf unter Hermann Kümmel (1852-1937) und schließlich an der Würzburger Orthopädischen Privatklinik von Albert Hoffa (1859-1907).

Am 8. November 1895 entdeckte Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923) eine ionisierende Strahlenart, die damals noch X-Strahlen genannt wurde, und schon ein Jahr später entwickelte der Glasbläser und spätere Unternehmer Carl G. F. Müller (1845-1912) die erste brauchbare Röntgenröhre. Um herauszufinden, wie man die Eigenschaften und Wirkungen der bis dahin noch unbekannten Strahlen in der orthopädischen Diagnostik nutzbar machen kann, richtete Hermann Gocht schon im März 1896 in der Chirurgischen Abteilung des Eppendorfer Krankenhauses ein Röntgenzimmer ein, in dem er sich die ersten Grundlagen aneignete. Während seiner Assistenzzeit bei dem Orthopäden und Chirurgen Hoffa in den Jahren 1897 bis 1900 beschäftigte sich Hermann Gocht eingehend mit der Anwendung der Röntgenstrahlen in der Orthopädie. Bereits 1898 konnte er mit seinem Lehrbuch der Röntgen-Untersuchung zum Gebrauche für Mediziner das weltweit erste Röntgenlehrbuch schreiben, das, in einer Reihe von Auflagen und unter dem späteren Titel Handbuch der Röntgenlehre, unzähligen Medizinern als Standardwerk diente.

Nach seiner Ausbildung bei Hoffa richtete sich Hermann Gocht 1901 in Halle an der Saale eine Privatklinik mit einer Röntgeneinrichtung, einem Operations- und einem Gipsraum ein, die er in den Folgejahren bis auf 32 Betten erweiterte und die er bis 1915 leitete. Ebenfalls auf Gochts Initiative erfolgten 1909 die Gründungen des Krüppel-Heil- und Bildungsvereins Halle-Merseburg und des Krüppel-Fürsorge-Vereins in der Provinz Sachsen sowie 1910 der Krüppel-Heil- und Bildungs-Anstalt in Halle. Außerdem war Hermann Gocht Mitbegründer der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG) im Mai 1905.

Gocht fühlte sich nicht nur der Orthopädie als diagnostisch-therapeutischem beziehungsweise operativem Fach verpflichtet. Schon frühzeitig begann er mit der Entwicklung von Prothesen und mechanischer Versorgungsapparate für amputierte Gliedmaßen. Dieser Bereich der Medizin war Thema einer Reihe von Büchern Gochts wie Anleitung zur Herstellung orthopädischer Verband-Apparate (1901), Künstliche Glieder (1907), Amputationen und Exartikulationen, Künstliche Glieder (1907), Orthopädische Technik (1917), Künstliche Glieder (1920), Orthopädische Therapie (1925), ferner in der von ihm 1911 bis 1934 herausgegebenen 15-bändigen Literatursammlung Handbuch für die Röntgen-Weltliteratur sowie unzähligen orthopädischen und unfallchirurgischen Publikationen. 1934 wurde Hermann Gocht zum Ordinarius für Orthopädie sowie zum Direktor des Oskar-Helene-Heimes in Berlin-Zehlendorf ernannt.

Gocht hat für seine Arbeit viele Ehrungen im In- und Ausland erhalten. Bereits 1910 erhielt er für seine wissenschaftlichen Arbeiten den Professorentitel, 1927 wurde er zum persönlichen Ordinarius ernannt und 1932 bis 1935 zum Dekan der Medizinischen Fakultät der Berliner Universität gewählt; 1934 wurde er Ordinarius für Orthopädie. Unter anderem war Hermann Gocht Ehrenmitglied der Orthopädischen Gesellschaften Englands, Italiens, Schwedens und der Wiener Röntgengesellschaft.

Aufgrund mangelnder Stahlenschutzmaßnahmen in den ersten Jahren seiner wissenschaftlichen Arbeit mit den Röntgenstrahlen trug Hermann Gocht schwere Hautschädigungen seiner Hände davon, die schließlich zu einem Röntgen-Karzinom führten, an dem er 1938 starb.

Hermann Gocht, 1869-1938

  • 1869: Hermann Gocht wird am 3. Februar in Köthen (Sachsen-Anhalt) geboren
  • 1888-1894: Medizinstudium an den Universitäten Tübingen, Halle, Berlin und Erlangen
  • 1896: Eröffnung eines Röntgeninstituts in Hamburg-Eppendorf
  • 1901: Hermann Gocht eröffnet in Halle an der Saale eine Privatklinik mit einer Röntgeneinrichtung
  • 1915: Berufung als Extraordinarius an die Berliner Charité
  • bis 1936: Direktor der Universitäts-Poliklinik für orthopädische Chirurgie Berlin
  • 1938: Hermann Gocht verstirbt am 18. Mai in Schkopau (Sachsen-Anhalt)


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